WARUM ALLES, WAS SIE ÜBER KINDER UND SCREENS WISSEN, FALSCH IST

Edukation / 08/15/2016

WAS HÄNSCHEN NICHT LERNT, LÄUFT AMOK ALS HANS

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Wir alle haben diese Geräte daheim und benutzen sie ganz selbstverständlich. Aber in den falschen Händen, in ungeübten Händen, können sie schnell zu einem Problem werden. Ja regelrecht gefährlich kann es werden, wenn wir unsere Kinder damit allein lassen. Umso wichtiger ist es also, dass wir als Eltern, als Lehrer, als Erzieher, als Erwachsene den Kindern beibringen, wie sie damit umzugehen haben.

Sie wissen längst, wovon ich rede: Von Kochlöffeln.

In den Händen einer gelernten Köchin zaubert er Kuchen und Spaghetti. In den Händen eines wütenden Mädchens aber ist er wohlmöglich eine gefährliche Waffe.

Aber ich hätte auch von Fahrrädern, Fotoapparaten, Handys oder iPads sprechen können. Denn ganz egal, was wir auch für Gerätschaften daheim haben: Wir müssen unseren Kindern beibringen, wie man damit umgeht.

 

Wenn es um Kinder und Screens geht, also um Smartphones, TV Geräte, Computer oder Tablets, dann gibt es zur Zeit nur zwei Wege: Wir bekämpfen diese gefährlichen Eindringlinge. Oder wir geben uns geschlagen und lassen unsere Kinder tun, was immer sie wollen. Und beides ist volkommener, gefährlicher und leichtsinniger Unsinn.

Schon den Kleinsten bringen wir bei, wie sie über die Straße zu gehen haben. Aber Medien nutzen? Hilfe! Viiiiel zu gefährlich. Ich möchte Ihnen also als studierter Erziehungswissenschafter, als Mensch, der jahrelang in Führungspositionen in den Medien gearbeitet hat, als Erwachsener, der immer noch mit Begeisterung Playstation spielt und als Vater zweier Töchter Folgendes sagen:

 

Lassen Sie ihre Kinder spielen! Alles andere ist viel zu riskant. Alles andere ist pädagogisch sinnlos. Alles andere ist für die Entwicklung ihrer Kinder schädlich. (Das ist vermutlich der provokanteste Artikel, den ich je geschrieben habe…)

 

Diesem Artikel hier werden noch weitere zum Thema folgen. Ich werde Ihnen zeigen, was die aktuellen Studien tatsächlich(!) sagen, was Journalisten und Eltern falsch verstehen und ich werde Ihnen verraten, wie Sie Ihre Kinder schon mit Filme gucken fördern können. Jetzt und hier aber erst einmal die Basics, nämlich:

 

Regeln für den Umgang mit Kindern und Screens:

1. Beginnen Sie früh!

Im Alter von einem Jahr können und sollten Ihre Kinder jede Art von Screen benutzen lernen. Ein früher Einstieg ist wichtig. Warten Sie nicht, bis die Screens zu etwas ganz Besonderem oder gar Verbotenem geworden sind. Sind sie nämlich nicht. Warten Sie nicht, bis Ihre Kinder lieber alleine spielen als mit Ihnen, denn dann haben Sie kaum noch Einfluss auf Ihre Kinder. Warten Sie nicht, bis nicht mehr Sie, sondern die Freunde, die Peer Group oder Lehrer oder die coolen Typen aus dem Internet die Vorbilder für ihre Kinder sind. Führen Sie Ihre Kinder an einen guten, sinnvollen Umgang mit der Technik heran, solange Sie es noch können. Irgendwann werden alle unsere Kinder fern sehen, whatsappen und zocken. Bereiten Sie sie darauf vor.

 

2. Es gibt nichts, was Sie nicht vorher ausprobiert haben!

Ob es eine Spiele- App ist, eine Folge Kikaninchen oder Skypen mit der Oma – Sie müssen es vorher probiert haben. Wichtig ist dabei nicht, dass Sie ganz genau wissen, wie das Spiel gespielt wird oder welche Knöpfe wann zu drücken sind. Das können Sie gemeinsam mit Ihren Kindern heraus finden. Da werden Sie alle viel Spaß haben und alle viel lernen. Aber Sie sollten alles, was Sie mit Ihren Kindern bei  Screens vorher überprüft haben, ob es auch passt. Sind Ihre Kinder groß genug dafür, passen die Themen, ist es inhaltlich gut? So suchen Sie ja auch Joghurts und Pullover aus. Und haben Sie keine Sorge: Es muss ja nicht jedes mal total gesund sein. Ab und zu Süßigkeiten sind vollkommen ok. Und ab und zu eine App, bei der es in erster Linie um Spaß geht, ist auch prima. Wir sollten auch als Erwachsene Dinge tun, einfach nur weil sie Spaß machen. Warum nicht auch unsere Kinder!

 

3. Anfangs zusammen, später allein!

Spielen und schauen Sie alles zusammen. Das ist Quality Time mit Ihren Kindern. Das macht Spaß. Vor allem Ihren Kindern. Sie spielen mit Papa, sie gucken mit Mama, das verbindet, sie teilen Erlebnisse, sie sind dabei, wenn ihre Kinder lernen. Diese Möglichkeit werden Sie in der Schule nicht mehr haben. Und Ihre Kinder sind stolz, wenn Sie bei einem Spiel besser sind als Sie oder wenn Ihre Kinder Ihnen erklären, wer Feuerwehrmann Sam ist und wer Elvis. Wenn Sie so beginnen, können und sollten Sie Ihren Kindern dann immer mehr Autonomie zugestehen. Vertrauen Sie Ihren Kindern. Und lassen Sie Sich irgendwann überraschen, wenn sie Ihnen ihre neue Lieblingsserie zeigen oder stolz erklären, wie man bei Paradise Island Kokusnüsse verkauft. Mir selbst war das Spiel zu kompliziert, aber meine Tochter kann noch nicht einmal lesen und hat es mir erklärt. Wir waren beide mächtig stolz auf!

 

4. Limitieren Sie den Umfang!

Auch hier: Machen Sie mit Screens nichts anderes, als in anderen Bereichen des Lebens. Stellen Sie sich vor, Ihre vierjährige Tochter würde gern auf den Friedhof gehen, um Blumen auf die Gräber fremder Menschen zu legen, weil sie den Toten gedenken will. Eine schöne Sache. Aber was, wenn das Kind nichts anderes mehr tun will, als jeden Tag, jede Woche auf dem Friedhof Blumen verteilen? Die Dosis macht das Gift. Auch beim Spielen und Gucken. Stellen Sie also sicher, dass Ihre Kinder einen guten Mix aus Aktivitäten haben. Wenn Ihre Kinder an einem Tag mit Puppen spielen, toben, Tisch decken helfen und malen, dann ist es vollkommen sinnvoll, sie auch iPad spielen zu lassen oder Feuerwehrmann Sam gucken zu lassen.

 

5. Erklären Sie alles!

Genießen und nutzen Sie die Zeit, in denen Ihre Kinder noch ihre Meinung hören wollen. Erklären Sie alles! Erklären Sie, warum Sie es gut finden, dass sie iPad spielen. Und warum Sie es nicht gut finden, wenn sie zu viel damit spielen. Diskutieren Sie mit Ihren Kindern über die Rolle der Frau in Walt Disney’s Prinzessinnen Filmen. Erklären Sie, warum es Geld kostet, ein Spiel runter zu laden. Erklären Sie, warum Sie ein Spiel gut finden und ein anderes doof. Und lassen Sie Sich von Ihren Kindrn erzählen, was sie toll finden und warum. Sie werden alle irre viel lernen dabei. Auch Sie als Vater oder Mutter. Sie und Ihre Kinder werden lernen, bewusst und kritisch mit Medien umzugehen. Und Sie werden lernen, wie Sie das Gelernte in anderen Situationen nützen können.

 

 

Meine Töchter sind drei und fünf. Sie haben ihre eigenen Tablets, wir haben eine Wii und eine Playstation und Internet und natürlich einen Fernseher. Alles ist für meine Kinder jederzeit verfügbar. Aber sie würden niemals heimlich das Tablet nehmen, sich in die selbst gebaute Höhle zurück ziehen und heimlich spielen oder gucken. Sie fragen ob sie dürfen und was und wie lang und wir haben einen ganz normalen Umgang damit. Screens sind nichts Besonderes.

 

 

Und Himmel, was haben sie schon alles gelernt. Wir waren im Park und meine Kindergartentöchter haben mich auf die grillende Familie aufmerksam gemacht mit dem Hinweis, dass man nicht unter einem Baum grillen sollte. Das sei gefährlich, da könne ein Feuer entstehen. Das hätten sie bei Feuerwehrmann Sam gesehehn!

Oder ich bin mit meinen Kindern die Straße entlang gegangen und die Kleinen sind gelaufen und gesprungen, weil sie Bodenturnerinnen sein wollten, wie die Mädchen und Frauen bei Olympia. Da freuen sie sich über die Gewinnerinnen und(!) über alle anderen, die auch ohne zu gewinnen toll geturnt haben.

Oder sie haben auf meinem Schoß gesessen mit dem iPad in der Hand, Youtube an und mir mit freudestrahlenden Augen erzählt, was Zoe und ihr Kleiderschrank für Abenteuer erlebt haben. Und ich habe dabei gemerkt, wie toll meine Kinder Geschichten zusammen fassen können. Wie klasse sie erklären, worum es bei der Serie geht. Und wie offen und liebevoll sie die Welt sehen.

Es gibt unzählige Beispiele von Lernerfolgen, die meine Kinder nicht nur, aber auch wegen der Screens haben.

 

 

Unsere Kinder können so unendlich viel lernen mit Bildschirmen, also mit Smartphones, iPads, Computern und Fernsehern. Es ist eine riesige und spannende Welt, voll von Wissen und Träumen und Rätseln. Es ist ein Zugang zu einer Welt, den nur diese Geräte bieten können.

 

Seien Sie dabei, wenn Ihre Kinder auf Reise gehen. Begleiten Sie sie. Entdecken Sie zusammen. Irgendwann sind Ihre Kinder zu alt, um all das mit Ihnen tun zu wollen. Irgendwann werden sie allein durch diese magischen Türen treten. Da ist es gut, wenn Sie ihnen vorher gezeigt haben, wie man sich dort am besten bewegt.

 

 

Auch wenn Sie selber daheim kein TV Gerät haben, wenn Sie kein Smartphone benutzen und auch kein Internet brauchen, weil Sie all das nicht mögen: Es ist nahezu ausgeschlossen, dass Ihr Kind nicht früher oder später in Kontakt mit all dem kommen wird. Da ist es nur vernünftig, wenn man sich als liebende und verantwortungsvolle Eltern all dem stellt.

Es ist unvernünftig, es ist ein Zeichen von Verantwortungslosigkeit, dem kleinen Kind Bildschirme zu verwehren.

 

 

Verschweigen will ich jedoch nicht die Schattenseite von all dem. Denn wenn Sie all dies tun, eines kann ich Ihnen garantieren: Andere Eltern werden Sie kritisieren, Sie mobben und vielleicht auch irgendwo anschwärzen wollen. Fehleinschätzung, gefährliches Halbwissen sind beim Thema Kinder und Screens omnipräsent. Sie sollten Sich aber nicht um andere Eltern kümmern. Und Sie sollten Sich auch nicht um Ihr eigenes Ansehen kümmern. Sie sollten Sich um Ihre Kinder kümmern. Sie sollten optimistisch und aktiv, vorrausschauend und informiert Ihre Kinder unterstützen. Sie sollten unbedingt Screens nutzen!


Kinder und Screens – los, streiten Sie mit mir! Ich will wissen, wie Sie das sehen! Wenn Sie mögen, klicken Sie also hier.

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