4 DINGE, DIE WIR VOM PUTSCH IN DER TÜRKEI GELERNT HABEN

Socio.Politico / 07/26/2016

putsch

Nummer 4 ist toll! Bei 1-3 müsst Ihr stark sein.

(Clickbait-Formulierung? ^^)

Ich hatte eigentlich vor zu warten, bis sich die Lage in der Türkei wieder beruhigt hat, ehe ich mich an einer philosophischen Anaylse versuche. Nun, da kann ich wohl noch lange warten. Dann also jetzt: Was bedeuten die Vorgänge des Putsches für alle Menschen, für alle Gesellschaften, egal wann, egal wo und insbesondere für uns, den Westen?

 

1. Freiheit ist auch die Freiheit, Unfreiheit zu wählen

Die Mehrheit der Türken unterstützt den demokratisch gewählten Präsidenten. Sei dies nun, weil sie das demokratische Prinzip unterstützen oder weil sie die Person Erdogan unterstützen. Vor allem für letztere gilt: Wenn die Türken einen repressiven reaktionären autokratischen Präsidenten wählen wollen, dann haben sie das Recht, dies zu tun. Erdogan beschränkt die Freiheit und die Türken haben sich freiwillig dafür entschieden.
Als Parallele seien beispielsweise die Wahlen in Ägypten genannt, als das Volk nach dem arabischen Frühling die Muslimbruderschaft wählte. Und auch in Deutschland ist prinzipiell nichts anderes passiert, als die repressive reaktionäre autokratische NSDAP demokratisch gewählt wurde.

Warum haben sich die freien Türken also für eine Beschränkug ihrer Freiheit entschieden?

 

2. Manchmal wollen die Menschen lieber einen starken Führer als eine komplizierte unsichere Demokratie

Manchmal ist den Menschen Demokratie nicht so wichtig wie ein subjektives Gefühl von Ordnung und Sicherheit. Der demokratische Diskurs ist kompliziert. Er braucht Geduld, Kompromissbereitschaft, intellektuelle Anstrengung, blablabla. Manchmal sagen die Menschen dann: „Scheiß drauf, ich will jetzt Ruhe und Ordnung.“ Und nehmen bewusst Ungerechtigkeit in Kauf – solange sie zu jenen gehören, die nicht ungerecht behandelt werden. Sie entscheiden sich gegen ein Durcheinander von Stimmen und Meinungen und für eine starke Führungsfigur. Nicht ungewöhnlich und schon gar nicht selten.
Als Parallele seien genannt: Trump in den USA, Putin in Russland, Duterte auf den Philippinen.

 

3. Der Westen vergisst seine Ideale, wenn es den eigenen Interessen nützt

Das ist ein No-Brainer, oder? Die offizielle Politik hat den Putsch (milde) verurteilt. Auf Facebook und Co aber war klar: Lieber Militärputsch als Erdogan. Traditionell putscht das türkische Militär die säkuläre Demokratie an die Macht. Also Herstellung der Demokratie mit undemokratischen Mitteln. Diese… ich sage mal „moralische Flexibilität des Westens“ ist vermutlich der Hauptgrund dafür, dass uns der Rest der Welt hasst.
Als Parallele sei die Todesstrafe genannt, die wir in der Türkei verdammen, bei unserem Partner den USA jedoch tollerieren. Weitere Beispiele spare ich mich. Ich werd schon noch Gelegenheit finden, mich unbeliebt zu machen.

 

4. Gewaltlosigkeit funktioniert

Wir krass ist das denn bitte? Das Milität putscht, da sind Soldaten, Gewehre, Panzer, Kampfflugzeuge und da wird geschossen und getötet: Mehr als 260 Menschen sterben. Und die Menschen gehen auf die Straße und zerschlagen den Putsch. Gewaltlos! (Ja ich weiß, die Gewaltlosigkeit war dann schnell vorbei.) Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten, dass wir ganz vergessen, dass es eine Alternative gibt. Kunststück, wenn selbst unser Pastorenbundespräsident und die Grünen Kriegseinsätze propagieren.
Als Parallele seien genannt: Die friedliche Revolution in der DDR, die Vertreibung der englischen Unterdrücker in Gandhis Indien, die friedliche Revolution von Jesus.

 

Kurzum: Unsere Ideale scheinen nicht immer das zu sein, was die Menschen wollen und können.
Und unser Umgang mit unseren Idealen ist flexibel, obwohl das gegen unsere eigenen Ideale geht.
Bei all dem vergessen wir die Worte des großen Jedi Obi Wan Kenobi: „Es gibt eine Alternative zum Kampf.“

 

> Wie stehts also um unsere Werte? Was ist zu tun? Eure Tipps und Tricks bitte hier!


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