DAS MULTIKULITPROBLEM? GELÖST!

Socio.Politico / 07/19/2016

ethos
Auch genervt von Islamistenterror und Pegida-Deppen und auch mit der Gesamtsituation unzufrieden? Hier kommt, völlig ernst und unironisch, die Lösung!

Ist Multikulti gescheitert? Keine Ahnung. Ich weiß nur: Multikulti, also Multikulturalität ist kein Problem. Multi-Moralvorstellungen und Multi-Rechtsvorstellungen sind das Problem!

Ob jemand Schweinefleisch isst oder nicht; ob jemand sonntags in die Kirche geht oder nicht; ob jemand das Weinglas am Stiel anfasst oder nicht; alles interessant aber ziemlich egal.
Wenn aber verschiedene Kulturen innerhalb einer Gesellschaft zusammen leben und unterschiedliche, sich ausschließende Moralvorstellungen haben, dann kann das sehr sehr problematisch werden.
Wenn die einen sagen, dass (nur um ein unemotionales Beispiel zu wählen) alle(!) das Weißweinglas am Stiel anfassen müssen und die anderen sagen, dass das ja wohl ihre eigene Sache sei und wenn man sich dann mit Weißweinflaschen die Schädel einschlägt, dann ist es an der Zeit, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen.

In Frankreich wurde das allzu lange versäumt. Dort wurden große Teile der Gesellschaft, die nicht der Mehrheitskultur angehörten, isoliert und sie isolierten sich auch selbst. Und das führte zu Radikalisierung – auf beiden Seiten. Bei diesen gab es welche, die mit Randale begannen und mit Attentaten aufhörten, wärend jene in Scharen den Front National wählten. Da hätte man sich mal besser vorher auf Spielregeln geeinigt. Ja, geeinigt, das heißt: Die einen schreiben den anderen nicht vor, was sie tun sollen, sondern man setzt sich zusammen und findet eine gemeinsame Basis. Wäre ganz gut gewesen.

Was nun, wenn eine solche Entwicklung wie in Frankreich auch in Deutschland möglich ist? Ist es denn so völlig ausgeschlossen, dass sich beispielsweise Teile der hiesigen türkischen oder türkischstämmigen Bevölkerung radikalisieren und parallel mit ihnen Teile der gewissermaßen biodeutschen Bevölkerung?

Wie es zu solchen Radikalisierungen kommt, hat Henri Tajfel schon in den 1950ern erklären können. Kurz gesagt: Allein die Tatsache, dass wir in zwei Gruppen aufteilen führt dazu, dass wir die Gemeinsamkeiten innerhalb einer Gruppe stärker wahrnehmen als sie sind. Gleichzeitig nehmen wir die Unterschiede zwischen den Gruppen als größer wahr als sie sind.
Anders ausgedrückt: Unser Gehirn ist, wenn wir die falsche Taste drücken, in gewisser Weise auf Apartheid programmiert.

Ein Lösungsansatz wäre somit, anstatt eine Gesellschaft in Gruppen zu unterteilen zu betonen, dass man nunmal eine(!) Gesellschaft ist. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn man Gemeinsamkeiten hat. Und auch hier gibt es bereits eine Lösung: Das Projekt Weltethos, Ende der 1980er von Hans Küng gestartet.

Die Idee war es zu schauen, ob es in den Religionen und Kulturen der Welt einen gemeinsamen kleinsten Nenner gibt, ob es Moralvorstellungen gibt, die alle Menschen, egal wo auf der Welt, teilen. Und das Schöne wie Erstaunliche: Das gibt es und lässt sich so zusammen fassen:

A: „Jeder Mensch soll menschlich und nicht unmenschlich behandelt werden.“
B: „Tue nicht anderen, was du nicht willst, dass sie dir tun.“
Und
1. „Nicht töten“ bzw Gewaltlosgkeit
2. „Nicht stehlen“ bzw Ehrlichkeit und Fairness
3. „Nicht lügen“
4. Gleichberechtigung

Das Parlament der Weltreligionen verabschiedete 1993 eine Erklärung mit genau diesem Inhalt.
Diese wenigen Grundsätze sind allen Religionen und Kulturen gemein. Sie sind nicht von einer staatlichen oder supranationalen Organisation verfasst, wie es beispielsweise die 1948 von den Vereinten Nationen verkündete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist. Nein, sie sind quasi von unten ausgehend entdeckt. Es sind „verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideal und Ziele.“

Die Sache hat jedoch mehrere Haken: Küngs Weltethos ist nach wie vor kaum mehr als eine freiwillige Absichtserklärung einzelner Vertreter der Religionen, nicht aber offizielle Richtlinie. Es gibt also keinen wie auch immer gearteten Zwang, dem Ethos zu folgen.

Und schlimmer noch: Die zumindest juristisch verbindlichen Allgemeinen Menschenrechte, wurden von den Katholiken erst 1963 offiziell anerkannt.

Und von den Muslimen bis heute nicht. Ja bedauernswerter noch: 1990 veröffentlichten die islamischen Staaten ihre eigenen Menschenrechte, denn sie sagten, aus ihrer Sicht nachvollziehbar: Ein vom Menschen gemachtes Recht darf nicht über dem Gesetz Gottes gelten. Die Scharia steht über allem.

Und somit, nicht nur in der theologischen Theorie, sondern eben auch in der politischen Praxis, gibt es sehr deutliche Unterschiede, beispielsweise bei Gleichberechtigung und Gewalt.

Was also tun? Gibt es sie also überhaupt, die gemeinsamen Werte, die es uns ermöglichen friedlich zusammen zu leben? Ja, es gibt sie, aber nun einmal nicht überall. Vereinfacht ausgedrückt: In den islamischen Staaten werden die Allgemeinen Menschenrechte und das Weltethos nicht offiziell staatlich anerkannt. Trotzdem aber oftmals angewandt. In Staaten wie der Bundesrepublik werden die Menschenrechte offiziell anerkannt und das Weltethos gelebt. Und das von den allermeisten, unabhängig von der Religion. Die meisten Muslime und die meisten Biodeutschen bekennen sich zu den Werten des Weltethos, selbst wenn sie das Projekt selbst nicht kennen. Denn es entspricht ihrer Religion, ihrer Weltanschauung, ihrer Überzeugung. Und dies ist die Gemeinsamkeit, die wir betonen müssen.

Lassen wir die Türken in der Türkei leben wie sie es in der Türkei wollen. Lassen wir die Iraner im Iran leben wie sie es dort wollen. Lassen wir die Saudis leben, wie sie wollen. Wichtiger als unsere Kritik an ihnen ist es zu erkennen, wie wir(!) hier(!) zusammen leben und zusammen leben wollen. Wir praktizieren bereits unser gemeinsames Ethos. Wir können es christlich begründen, islamisch, jüdisch, etc pp. Wir können es kulturell und philosophisch erklären. Und indem wir dies tun, wird uns bewusst, dass wir zwar verschiedene Kulturen haben, aber doch Teil der selben Gesellschaft sind. Wir betonen das Einende und sind somit in der Lage, gemeinsam an den gemeinsamen Problemen zu arbeiten.

Dass die Rechten immer lauter und immer mehr werden ist ein Problem der ganzen Gesellschaft, unabhängig davon, ob man nun Muslima ist oder nicht. Dass sich Islamisten weiter radikalisieren ist ein Problem für alle hier. Oder anders gesagt: We’re in this together! Unsere vermeindlichen Unterschiede zu betonen hilft nur den Radikalen. Wenn wir aber unsere Gemeinsamkeiten betonen, so hilft das uns allen. Dass das klappt, hat Tajfel ja damals in den 50ern bewiesen. Dass wir Gemeinsamkeiten haben, hat Küng in den 90ern gezeigt. Und dass das alles stimmt, sehen wir, wenn wir nur die Augen aufmachen und all die Millionen Tatsachen sehen, die keine Schlagzeilen produzieren, sondern gemeinsame Normalität sind.

Und wem das zu theoretisch und zu philosophisch ist, für den hier zwei Tipps. Einmal für die Biodeutschen: Nicht nur die deutschen Muslime gehören zu Deutschland, sondern auch ihr Glaube, der Islam. Und der Tipp für die deutschen Muslime: Wenn hier oder sonstwo Muslime massiv Scheiße bauen, dann macht den Mund auf und brüllt hinaus in die Welt, dass das nicht die Art ist, wie ihr euren Glauben seht und lebt. Wenn wir das hinbekommen, wird alles gut.

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