FÜR DIESE EM, DIE KLEINEN, DEN SPORT

Entertainments / 06/20/2016

euro2016

Eine EM nur für die Großen? Fad und leer!

Wer gegen diese EM ist, ist gegen den Sport

Noch ein EM/ WM Ritual? Meckern. Über Spiele, Spieler, Modus, Organisation, das Wetter, Anstoßzeiten, Trikotfarben, wasweißich. Und ich? Krass radikal gegen den Strom, denn finde die EM klasse. So, genug gelobt, jetz mecker ich dann auch, und zwar über Euch Meckerer:

Wer gegen den neuen EM Modus ist, ist ein elitärer Schnösel, ein Bonze, dem es beim Sport nur um seine Elite und sich selber geht, der den Status Quo zementieren will und Überraschungen nur in einem sehr engen Rahmen mag. Wer diese EM nicht mag, mag auch nicht die Idee, dass alle miteinander spielen und jeder mitmachen und gewinnen kann. Der mag keine Underdogs, sondern nur die Fat Cats. Der sollte mal Schlagwörter wie Soziale Mobilität googeln oder „Gleiches Recht für alle“. Außerdem: Gegen diese EM sein ist verfammt heuchlerisch!

Hier mein Worst Of Eurer Klagen, bzw: Ein Moralapostel über ein Turnier:

„Die Spieler haben zu viele Spiele in den Knochen, um Topleistung bringen zu können und der aufgeblähte EM Modus macht das nur noch schlimmer!“

Ganz ehrlich, dass die Griezmans und Ronaldos und Özils bei großen Turnieren meist müde sind, liegt ja wohl kaum an den Turnieren als an den Ligen, in denen sie spielen mit teils 20 Mannschaften und an den Pokalwettbewerben (in England zwei mit oft Hin- und Rückspiel) und an den internationalen Clubwettbewerben. Es gibt die Championsleague mit, logo, Ligabetrieb, damit mehr der großen Mannschaften mehr Spiele machen und somit mehr Geld verdienen. Und weil das so viel Spaß macht, gibts das jetzt ja auch in der Europa League. Pokal der Landesmeister? UEFA Cup? Pokal der Pokalsieger? Nein, den Bossen gehts in erster Linie ums Geld, nicht um die Gesundheit der Spieler und dass sie dann von den tollen attraktiven Spielen faseln, ist nur ein moralisches Feigenblatt.

„Die EM ist zu lang, lieber knackige 2,5 wochen als dieses ewige Turnier!“

Das ist ein lustiges Argument: „Das ist so schön, toll wenns schnell vorbei ist.“ Es gibt sicher viele Frauen, die so eine Quatschargumentation aus dem Schlafzimmer kennen. Ich persönlich finde eine Riesenportion Eis besser als nen Kinderbecher.

„Wir wollen bei so einem Turnier nur die Besten sehen!“

Aha, ihr wollt also einen elitären Club der Großen, in den die Kleinen nicht rein dürfen? Das ist wenig sportlich und sehr Rummenigge. Der Sport lebt davon, dass auch der Kleine eine Chance hat. Wer die Kleinen nicht bei der EM will, der will in der Konsequenz auch nicht Freiburg und Mainz in der Bundesliga. Das sind dann Vereine wie Köln und Frankfurt, die heulen, dass sie als Traditionsvereine mehr Geld bekommen sollten als erfolgreiche kleine Clubs. Warum? Na Gnade der frühen Geburt, früher war besser weil wir früher besser waren und deshalb darf heute keiner besser sein als wir früher waren. Oh Mann! Und abgesehen davon: Wenn wir mal wieder 5:0 gg Ost-Kasachstan verlieren heißt es, es gibt keine Kleinen mehr. Stimmt ja auch. Kicken können die alle. Sollen die daheim bleiben, damits für uns nicht so peinlich wird? Und noch was: Die vermeindlich Kleinen haben sich oft noch vor vermeindlich Großen für die EM qualifiziert. (Von Holland ganz zu schweigen.) Was soll also das Geheul? Außerdem sind die Spiele Klein gegen Groß bisher fast alle irre knapp. Die letzte echte Klatsche bei einem großen Turnier war ein 1:7 und soweit ich mich erinnere spielte da nicht David gegen.

„Trotzdem, die EM war doch immer stärker als die WM!“

Ach und wenn dann Dänemark und Griechenland gewinnen? Das hätten die Meckerer von heute am Liebsten schon im Vorfeld ausgeschlossen. Dabei ist das ist doch der Reiz eines Pokals, wie im FA Cup oder dem DFB Pokal, da mögen wir das auch. Millionen schauen sich nachts die Auslosung des DFB Pokals an, trotz Beckmann! Eben weil das spannend ist, Groß gegen Klein. Nur wenns international wird, werden wir zu Nationalisten, bei EM, WM, Europapokal. Schade. Ist uns eigentlich bewusst, dass wir das im Kino aber auch geil finden, wenn der Underdog gewinnt? Bin ich der einzige, dem Karate Kid Mut gemacht hat?

„Die Kleinen machen nur das Spiel kaputt, das will keiner sehen!“

Also mal abgesehen davon, dass es Regeln gibt beim Fußball an die sich alle, ja alle halten müssen und dass Verteidigen grundsätzlich erlaubt ist und dass es doch im ganzen Leben darum geht, das Beste aus seinen individuellen Möglichkeiten zu machen, also mal ganz abgesehen von all dem: Wie genau hat damals eigentlich Chelsea die Champions League gewonnen? Immerhin einer der reichsten Clubs der Welt, erfolgreich und so. Also wie bitteschön hätten wir denn Chelsea ausschließen können und dürfen? Und was machen wir mit EM Spielen wie Deutschland gegen Polen? Das war fad, Leute, obwohl beide Teams völlig zurecht beim Turnier dabei sind. Herrschaften, das ist Fußball und kein Eiskunstlauf. Es gibt hier keine B-Note.

„Bei der Erweiterung des Teilnehmerfelds gehts doch nur um Geld und Stimmen!“

Na das ist ja mal ganz was Neues, dass es beim Fußball auch um Geld und Politik geht. Natürlich stimmt das und nervt das, aber ich fürchte, das würde es so oder so. Und dann ist es mir trotzdem lieber, dass die EM ein Sportwettbewerb ist, bei dem sich viele miteinander messen können, Kleine wie Große, Platzhirsche und Newcomer. Wie soll ein Newcomer ohne große Turniererfahrung wie Österreich jemals zu einem großen Turnierteam werden, wenn sie nie mitmachen dürfen? Es bleibt dabei, ich mag den Sport-Aspekt beim Sport.

Außerdem möchte ich noch eins bemerken: Mein Lieblingsspieler Ryan Giggs hat nie ein großes Turnier spielen können. Einer der besten Spieler der Welt und leider leider aus einem der kleinsten Länder der Welt. Ich fand das immer schade, weil ich ihn gern mal bei EM oder WM gesehen hätte und ich fand es immer ungerecht. Heute spielt Gareth Bale und das macht er gut und das ist eine tolle Sache. Eine EM ist keine Privatschule für die Upper Class. Das zumindest ist meine Meinung. Und wem es bei unserem Sport um mehr geht als Hacke-Spitze-einszweidrei, der sollte froh sein, dass vielleicht, ganz vielleicht und selten und dennoch, dass der Sport eine Bühne ist für alle, ein kleines Bisschen ein Beispiel für eine bessere Welt, ein Vorbild, Hoffnung, Fairness und, welch Überraschung, Sportlichkeit.

 

This is my truth, tell me yours, zum Beispiel hier!

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