ENDLICH RUHE

Private he.ART / Slider / 03/27/2015

DEPRESSION UND VERSTÄNDNIS

Depression ist eine Krankheit, für die jeder, aber auch wirklich jeder Verständnis hat. Doch leider immer erst wenn es zu spät ist.
Robin Williams? Mein Gott, so ein großer Komiker, ein Hollywood Star. Warum nur? Oh, Depression? Der Arme!
Ian Thorpe, mehrmaliger Olympiasieger, einer der größten Schwimmstars der Welt. Depression? Oh nein!
Robert Enke, Selbstmord, Druck, Depression. Der arme Mensch!
Und dann haben wir alle Mitleid und Verständnis und lassen uns Hashtags einfallen und fragen uns, warum die Menschen in ihrem Umfeld bloß nichts getan haben, bloß nichts gemerkt haben.
pleasemindyourhead
Ich habe seit vier Jahren eine Depression. Mein engstes Umfeld wusste das die ganze Zeit. Und weiter? Nichts weiter. Verständnis gibt es wenn es zu spät ist. Meine damalige #### hat mir schon nach der ersten Diagnose weiterhin genau jenen Druck gemacht, der mich hat depressiv werden lassen. Ich habe meinen Job verloren, denn auch er hat mich krank gemacht und als ich es dann war wurde ich gefeuert. Aber keine Hilfe oder Unterstützung von jenen, die bis dahin immer Bussi Bussi kamen, vierzehn Jahre im Job, aber keiner ruft an. Aber das tat ja nicht mal meine Familie. Ich hätte ja mal sagen können, dass ich Hilfe brauche. Grad so als sollten Unfallopfer doch bitte selbst in die Notaufnahme kommen. Zur Not auch ohne Beine.

Ich habe das Schlimmste hinter mir. Ich habe mich von den Menschen getrennt die einen zerstörerischen Einfluss auf mich haben und musste mich dafür Vorwürfen aussetzen. Ich habe meinen Beruf aufgegeben und mich damit bewusst gegen sehr viel Geld entschieden. Ich habe riskiert meine Töchter zu verlieren und ganz allein da zu stehen, für immer. Aber ich hatte keine Wahl, denn ich musste all das tun eben eh es zu spät ist. Denn wenn es zu spät ist, dann bekomme ich von allen auf einmal Verständnis für meine Krankheit und auf meiner Facebook Seite häufen sich die Hashtags und alle sind geschockt und überrascht. Ich aber habe riskiert von keinem verstanden zu werden und alles zu verlieren, alles außer meinem Leben und meiner Gesundheit und der Hoffnung auf ein glückliches Leben.

Ich habe mir in der ganzen Zeit oft gewünscht viele viele Knochenbrüche zu haben. Denn die kann man sehen, man sieht wie schwer das Leben ist mit all dem Gips und den Schmerzen. Jeder hilft dir und versteht Deine Schmerzen. Aber Depression? Das ist abstrakt, das ist nur in mir drinnen und wenn ich davon rede, dann jammere ich. Das will niemand hören.

Als das Flugzeug in den Berg flog und zerschellte und als man begann zu vermuten, dass es Absicht des Copiloten gewesen sei, da versuchte ich der Frau die schon bald meine Ehefrau sein wird zu erklären, dass so was ja sein kann, dass man da sitzt und einfach nichts macht, einfach nur geradeaus fliegt, weil es ja auch egal ist, offenen Auges und ruhig in den Tod, egal wie viele Menschen hinter einem sitzen. Ich hatte eine Ahnung davon, vermutete es nachfühlen zu können, unabhängig davon ob es so wirklich passierte oder nicht. Das ist kein schöner Club, der Club von Menschen die nachfühlen können wie es ist, wenn nichts mehr Bedeutung hat, nicht das eigene Leben, nicht das von anderen, wenn alles in Zeitlupe geschieht, in Ruhe, in Gleichgültigkeit, in dem Wunsch nach Ruhe, endlich Ruhe, nicht mehr sich umsonst anstrengen, wenn man nicht mehr kann, erschöpft ist und nicht einmal mehr genug Kraft hat um traurig zu sein. Es ist schrecklich in so einem Club zu sein.

Aber ich bin auch in einem anderen Club jetzt. Und es ist der schönste Club der Welt, ein Club so toll, dass ich niemals geglaubt hätte, dass es so einen gibt und wenn doch, ich hätte niemals geglaubt dabei sein zu dürfen. In dem Club ist meine Frau, die wundervollste Frau der Welt, denn sie versteht mich, verstand mich vom ersten Moment und Himmel, ich habe es ihr schwer gemacht. Ich darf ich selbst sein bei ihr und sie ist so unsagbar schlau und lustig und witzig und wunderschön. Und in dem Club sind meine Töchter, so tolle Mädchen sind das, denen ich Vater sein will, denn das haben sie verdient und ich hoffe ich kann ihnen helfen all das zu werden, was sie sein können und wollen. Ich bemühe mich. Wirklich. Ich verdanke diesem Club mein Leben.

Und ich bin in dem Club all jener, die versuchen Verständnis zu haben für andere und die versuchen anderen, ja allen liebevoll und wohlwollend zu begegnen. Ich bin einer von jenen, die Mitgefühl haben für alle Insassen des Flugzeugs, alle. Und für alle Angehörigen. Alle. Und für alle anderen Menschen, was immer sie auch tun und so wenig ich das auch teils verstehe.

Und darum verurteile ich niemanden dafür, was er getan oder nicht getan hat als es dunkel wurde um mich. Ich tue es wirklich nicht. Wer bin ich zu richten? Ja, manchmal bin ich wütend, schrecklich wütend. Aber nur manchmal. Und in meinen guten Momenten, und die guten und die schönen und ja sogar glücklichen Momente, sie sind da und oft und meistens, in diesen Momenten bin ich ruhig, gelassen und hoffe ich ein guter Mensch zu sein, verständnisvoll, frei von Verurteilungen und offen für alles was da ist.

Es muss nicht erst zu spät sein, um Verständnis zu haben. Es ist unsere Entscheidung uns dafür zu entscheiden. Und wir können uns in jedem Moment wieder und wieder dafür entscheiden. Wenn ihr mögt, dann versucht es selbst, versucht nicht zu verurteilen, sondern zu verstehen. Ich weiß, das ist schwer und es kann nicht immer gelingen. Aber ich glaube und habe die Hoffnung, dass die Welt besser ist wenn wir Verständnis haben anstatt Hass. Und ich bin überzeugt, dass dadurch viel Schlimmes verhindert wird und viel Gutes geschieht.

 







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