PAULA LAMBERT VS SOHO HOUSE

Entertainments / Slider / 03/03/2014

P.L. GLEICH HINTERM PFEILER

Paula Lambert

Ungefähr so muss sich eine Band fühlen, die bisher nur in England und Italien aufgetreten ist und nun auf einer deutschen Bühne steht, vor sich, durch das blendende Licht der Bühnenbeleuchtung kaum zu sehen aber doch mehr als deutlich zu spüren: Das Publikum, still, regungslos und frei von jeder Reaktion und Emotion. Da steht man auf der Bühne und fragt sich, ob man zwar der einzige im Raum ist, dessen Name auf den Plakaten steht – aber auch der einzige, der hier falsch ist.
Paula Lambert stellt ein Buch, ihr Buch vor und das soll lustig sein und ist es auch, aber meine Art auf Humor zu reagieren, mit lachen, wird hier nicht goutiert von einem Publikum, das sich den Scheitel mit der Rasierklinge kämmt und die Zara Klamotten trägt als seien sie aus selbsterlegtem Robbenfell.
Der Barkeeper ist von jener Sorte, die die Hierarchie von „Du Kunde und König“ neuinterpretiert als „ihr Hunde, ich König“. Keinen Cent Trinkgeld bekommst du, du Hund. Ha!
Willkommen im Soho House, dem Destilat all dessen, was Berlin zu solch einem Loch macht.

Und man möchte Paula Lambert gern unterhaken und unterstützen, ihr das Lampenfieber nehmen und Spaß wünschen, denn es ist natürlich schwierig was Eigenes und Kreatives zu präsentieren und ich wünschte, irgendjemand würde mal kräftig furzen und dann alle lachen und dann ab dafür, riecht streng aber jetzt wirds lustig. Aber nix da.

Dabei hat Frau Lambert viel zu sagen und einiges vorzulesen. Und ihre Hausaufgaben hat sie gemacht und aufgeschrieben und das ist mal laut lachend lustig, mal kichernd, mal hoppla erwischt und da steckt neben Humor auch Witz drin und Wissen, was ja den Humor erst zum Witz macht – aber es verfängt sich nicht, nicht hier, im Keller in den niemand zum Lachen geht. Schade. Ich hätte mich so gern amüsiert. Über die hundert mal gehörten und selten so charmant belächelten Probleme zwischen Männer und Frauen. Ich hatte und habe Lust auf die Cliches die ich selber bin und die Wahrheiten, die Forscher beobachten und ich selber erleide und ich hätte mitgelacht und noch ein Bier bestellt.

So aber wars bizzar, denn da sitzt die Autorin und wir sehen sie und tuscheln uns zu, dass sie bestimmt und garantiert voll sympathisch, nett und normal ist, aber damit kann man in unserer Welt punkten, nicht im Soho House und ich bin froh, dass es um ein Buch geht, das kann ich also kaufen und freu mich drauf. Aber Geld ausgeben um Mitglied eines Clubs zu sein in dem man Leute trifft, die man gar nicht sehen will? Da kann ich auch zum FC Bayern gehn.

Das Buch ist ja meist besser als der Film und gewiss auch als die Buchpräsentation, die nur so gut ist wie ihr Publikum es zulässt und hab ich hiermit nun eben diesem Publikum auf die Füße getreten, dann hab ich heut abend immerhin noch getanzt.

 


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