LEHRER MÜSSEN MILIEUSTUDIEN IGNORIEREN

Edukation / 11/05/2013

EINE BEWEISFÜHRUNG

Milieustudien

1. Lehrer unterwerfen sich bewusst dem Primat der Hererogenität

2. Die Arbeit des Lehrers zielt auf den einzelnen Schüler, nicht die Klasse oder gar die Gesellschaft.

3. Der Lehrer erkennt und fördert den Schüler gemäß seiner individuellen Fähigkeiten und Lebenssituation.

4. Milieustudien sind stets weil gegenstandsbedingt verallgemeinernde Beschreibungen größerer Gruppen.

5. Eine 1:1 Spiegelung eines Milieus bei einem Individuum ist mindestens selten.

6a. Rückschlüsse vom Milieu auf den Schüler sind mit zu großen Ungenauigkeiten und Fehlerrisiken verbunden.

6b. Das Primat der Heterogenität fordert eine Betrachtung des Schülers auf Basis des Schülers.

7. Milieustudien haben für die Arbeit des Lehrers keinen Nutzen und können zu Fehleinschätzungen führen.

8. Lehrer müssen Milieustudien ignorieren.

q.e.d.

zu 1.:
Heterogenität ist die Basis aller Praxis des Lehrers. Die SuS sind heterogen, sie sind verschieden, sie unterscheiden sich in nahezu jedem Detail ihrer Existenz. Dies hat ganz konkrete und ergo subjektive Auswirkungen auf ihr Leben, auch in der Schule, also auf ihre Vorkenntnisse, Interessen, Charaktere und bevorzugte Lernszenarien. Lehrer sind sich bewusst, dass idealerweise jeder Schüler gemäß seiner Individualität unterrichtet, gefördert werden sollte.

zu 2.:
Somit ist Ziel des Unterrichtens nicht die Schulklasse als Ganzes zu unterrichten, sondern die einzelnen Schüler innerhalb eines Klassenverbundes. Auch zielt die Arbeit des Lehrers nicht darauf ab die Gesellschaft zu verändern oder gar zu verbessern, sondern die einzelnen Schüler der jeweiligen Klasse gemäß ihrer Individualität gezielt und konkret wahrzunehmen und entsprechend mit ihnen zu arbeiten. Die Auswirkungen auf die klasse als Ganzes oder die Gesellschaft sind hierbei sekundär und i.d.R. nur Folge der individuellen Arbeit mit dem einzelnen Schüler.

zu 3.:
Aufgabe des Lehrers ist es also sich von jedem einzelnen Schüler ein möglichst genaues Bild zu machen, ihn in seiner facettenreichen Individualität zu erkennen, verstehen und fördern. Kein Schüler ist gleich, alle sind verschieden und jeder hat das Recht als eigenständiges Individuum erkannt und geföertert zu werden. Eine genau Betrachtung jedes einzelnen Schülers ist somit unabdingbar.

zu 4.:
Milieustudien versuchen sich in einer möglichst genauen verallgemeinerndn Beschreibung der Gesellschaft. Für Aufgaben, die auf die Gesellschaft abzielen ist eine Sortierung in größere Gruppen mit möglichst genau beachriebenen Gemeinsamkeiten notwendig. Nicht nur ist ein Bezug auf das Individuum hier praktisch unmöglich, es widerspricht auch dem Ziel die Geselschaft als Ganzes bzw ihre einzelneen Gruppen, hier Milieus, zu analysieren undafuf diese einzuwirken. Unschärfen und Verallgemeinerungen sind nötig und sinnvoll.

zu 5.:
Schließe ich von einer verallgemeinernden Milieubeschreibung auf ein Individuum in diesem Milieu, so wird es i.d.R. eine Reihe von Merkmalen geben, die nicht deckungsgleich sind. Das Individuum wird qu seiner Milieuzugehörigkeit eine Reihe von Übereinstimmungen mit den Milieukritierien und den anderen Individuen des Mileus aufweisen, aber auch zahlreiche individuelle Unterschiede, die sich auf nahezu jeden Aspekt des Milieus beziehen können.

zu 6a.:
Somit ist es zwar möglich aber wenig hilfreich von einer sehr allgemeinen, die ganze Gesellschaft, das ganze Land, ja vielleicht die ganze Welt beschreibenden Milieus Rückschlüsse zu ziehen auf das Individuum in einer bestimmten Stadt, einer bestimmten Straße, einer bestimmten Klasse. Parallelitäten zwischen Milieu und Schüler haben den Charakter von Zufallstreffern. Es gibt sie, aber sie sind nicht im Vorfeld erkennbar.

zu 6b.:
Wenn ich den einzelnen Schüler ernst nehme im Wissen ihm nur gerecht werden zu können wenn ich ihn individuell betrachte, so unterscheidet sich dieses Vorgehen fundamental von der Arbeit mit Milieustudien.

zu 7:
Eine Milieustudie an den Beginn meiner Überlegungen zu einem Schüler zu stellen ist nicht hilfreich. Die Rückschlüsse auf den Schüler sind nicht sicher, der individuelle Schüler kann sich just in jenen Aspekten seines Milieus unterscheiden, die ich als Lehrer im Auge habe. Ja er kann sich sogar in einem komplett anderen Milieu befinden als ich annehme. Eine individuelle Betrachtung des Schülers und zwar milieuunabhängig bleibt dem Lehrer also so oder so nicht erspart. Zumal die Kenntnisse über Milieukriterien meine individuelle Betrachtung des Schülers negativ beeinflussen können. Vielfach wurde nachgewiesen, dass das Überprüfen einer wissenschaftlichen These die Überprüfungsergebnisse dahingehend beeinflusst, dass im Stile einer self fullfilling prophecy die Annahme das Ergebnis unterbewusst beeinflusst. Schaue ich also, welche Milieukriterien auf einen Schüler zutreffen, so laufe ich Gefahr Dinge zu sehen, die es so vielleicht gar nicht gibt.

zu 8:
Milieustudien sind für die Arbeit des Lehrers also nicht nur wenig hilfreich, sie bergen auch große Risiken, die letztlich dem Schüler zum Nachteil gereichen können. Milieustudien ersparen es mir in keinem Fall den Schüler individuell zu betrachten, sind also mindestens ein Mehraufwand. Zugleich können sie aber auch zu Fehleinschätzungen führen und verallgemeinernden Tendenzen im Denken des Lehrers bewusst oder unbewusst verstärken oder gar erst entstehen lassen.
Somit sind Milieustudien bei der Arbeit des Lehrers unbedingt zu vermeiden.

Arbeit mit Milieustudien ist Arbeit mit Vorurteilen.
Heterogenität ist enorm viel Arbeit. Wenn ich diese nicht erbringen will oder kann und für beides gibt es viele gute Gründe, so muss ich mir mindestens bewusst sein über die großen Probleme von Milieus.


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