GTA V – MEHR IST NICHT BESSER

Entertainments / 09/19/2013

GTA V

Endlich, das neue Grand Theft Auto ist da und ja, ich bin morgens gleich hin und habs gekauft und habe den Tag ganz hibbelig verbracht, weil ich es nicht abwarten konnte abends zu spielen. So ist das eben mit Vorfreude und großen Erwartungen. Und wie so häufig – Erwartungen können enttäuscht werden.

Ja, GTA V ist bestimmt ein gutes Spiel. Ja, es ist ganz bestimmt besser als die allerallermeisten anderen Spiele auf dem Markt. Aaaaber….

Ich habe jetzt die ersten Runden und Missionen gespielt und bin, nun, ein wenig ernüchtert.

Die Macher haben einen Fehler gemacht, den viele Spieleentwickler machen, die Serientitel veröffentlichen. Die Fortsetzungen ihrer Spiele zeichnen sich oft durch eines aus: Mehr!

„Mehr“ ist gut wenn es um Schokoladenkuchen geht. „Mehr“ ist gut wenn es um Geld geht. Oder Liebe meinetwegen. Aber bei Computerspielen ist „mehr“ ok, aber entscheidend ist „besser“.

Aber GTA V bietet vor allem „mehr“. Mehr Funktionen. Mehr Orte. Mehr Charaktere. Mehr In-Games wie Tennis und soß Aber „mehr“ bringt nix, wenn es das Spiel nicht besser macht.

Mehr Funktionen machen das Gameplay komplizierter. Ich habe bei GTA IV nichts vermisst. Mehr Orte beeindrucken mich, weil die Entwickler sich solche Mühe gegeben haben. Aber das Spiel wird so nur marginal verbessert. Mehr Charaktere bieten mehr Möglichkeiten. Aber nur, wenn die einzelnen Charaktere auch jeweils die Tiefe und Klasse von Nico Belic haben.

Ja ich kann es nicht verheimlichen: Bei Spielen geht es mir letztlich in erster Linie um das subjektive, vielleicht sogar emotionale Spielempfinden. Wenn ich Fifa spiele will ich gepackt werden von der Spannung des Spiels, der Authenzität der Atmosphäre. Das hat nichts zu tun mit Grafik oder Originalmannschaften, sondern mit Gameplay, Spieldichte.

Und da war und ist GTA IV unerreicht. Der Hauptcharakter ist eine so glaubwürdige, spannende Figur, seine Geschichte, seine Motivation so echt und dicht. Die Welt von Liberty City eine so arsch coole gelungene facettenreiche und clever ironische Version von New York, dass ich ein ums andere mal fasziniert war von der Schlauheit der Macher. Ich habe GTA IV gespielt wie ich einen perfekten Film gucke oder ein irre gutes Buch lese. So schlau, so lustig, so spannend, so überraschend, so irre irre gut!

Wäre das Spiel besser geworden, wenn die Stadt größer gewesen wäre? Wenn Nico mehr Funktionen auf meinem Controller gehabt hätte? Nö. Kein Stück. Und jetzt kommt GTA V.

Die Ladesequenz sieht aus wie beim Vorgänger. Und der ist ein paar Jahre alt. Das Intro, das die Charaktere vorstellt, ist ein uninspirierter Raub ohne Esprit und Tiefgang oder gar Story. Die eingeführten Charaktere sind interessant, aber nicht fesselnd. Die Straßen von Los Santos irgendwie leblos. Und wo ist denn die ironische Interpretation der amerikanischen Gesellschaft geblieben?

Ich spiele GTA V jetzt also weiter in der Hoffnung, dass der große Aha-Moment kommt. Dass ich vor dem Bildschirm sitze und denke : Fuck, krasser scheiß! So wie es beim Vorgänger am laufenden Band war. Aber den Einstieg haben die Leute von Rockstar vermasselt. Schade.


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