BLACK MANDEL – DAS SCHWARZE ALBUM UNTER DEN KRIMIS

Entertainments / 11/26/2012

Berni Mayer, Heyne 2012, € 8,99

Black Mandel, Berni Mayer

No Spoiler

Das Wichtigste zuerst: Ist es ein gutes Buch? Also ist es eine gute Geschichte, bei der ich mir wie bei einer super TV Serie dachte: nur noch ein Kapitel, dann ist genug für heute, um dann doch so viel wie möglich zu lesen? Hat die Geschichte gute, starke Charaktere, die glaubwürdig und authentisch beschrieben werden und agieren? Hat mich das Buch gut unterhalten und gleichzeitig intellektuell beschäftigt, sodass ich mir über den Inhalt und die verschiedenen Aspekte auch nach dem Lesen immer wieder Gedanken machte? Hat es einen guten Stil der mich begeistert, weil er dem Buch und nicht der Eitelkeit des Schriftstellers dient? Ist der Stil charakteristisch, also typisch und neu, weil dem Autor eigen und sonst keinem? Ist das Buch spannend, lustig, ironisch, gescheit und verfügt es über überraschende und dennoch plausible Wendungen? Hat es mehrere Ebenen, die alle neben-, mit- und ineinander funktionieren ohne konstruiert zu wirken, sondern in ihrer Natürlichkeit überraschen? Habe ich genossen dieses Buch zu lesen und würde ich es weiterempfehlen, verschenken und auch selbstmotiviert das Thema darauf bringen? Ist es also ein gutes Buch?

Ja. Ja. Ja! Black Mandel ist ein sehr sehr gutes Buch und es begeistert mich auf vielen Ebenen.

Inhalt

Und worum geht es? Die detectives-by-accident Mandel und Singer wollen Urlaub machen in Norwegen. Sie ergaukeln sich den Trip indem sie eine Black Metal Reportage schreiben wollen. Dass es da oben in Bergen aber immerzu regnet ist schon bald ihr kleinstes Problem, weil das ganze wird weder Urlaub noch Spaziergang. Denn dann kommen Kriminalität, Faschismus, Religion, scheue Liebe und seltsame seltsame Autofahrten und viele andere Dinge daher von denen ich jetzt nichts schreibe, weil sonst verrat ich noch zu viel – was man bei Krimis ja wie ich höre nicht tun soll.
Aber ein Problem hab ich jetzt. Ich habe bereits den ersten Roman von Berni Mayer mit fünf Sternen bewertet, vor allem weil ich den Schreibstil des Autors irre gelungen finde und ich die Idee, Musik als Metaebene in einem Roman zu benutzen um Inhalte, Themen, Emotionen, Verwirrungen zu verdeutlichen für so logisch halte, weil wir alle doch genau aus diesen Gründen Musik hören, dass ich mich noch immer wundere warum das nicht jeder Roman nutzt. Jetzt ist der erste Roman noch immer super. Dieser hier aber viel superer. Man denke sich also noch ein zwei Sterne zur Bewertung hinzu. Und bestelle das ganze vielleicht sogar hier. KLICK

Norwegische Socken

Wenn also jetzt geklärt sein sollte, dass es sich um ein Buch handelt, das jeden Cent mehr als wert ist möchte ich noch rasch auf ein zwei Aspekte aufmerksam machen, die mir besonders gefallen.
Da gibt es zum einen den Clash der Hauptfiguren mit ihrer Umwelt – und damit meine ich vor allem Norwegen. Das ist ja ein meist und im Buch immerzu kaltes nasses Land und wenn die TV Kommissare durchs düstere Skandinavien tapsen, dann hat das ja schon mal einen Effekt. Deutlich größer und toller ist dieser aber, wenn sich eben nicht jene Menschen dort die Nächte um die nassen Ohren schlagen die dort eh beheimatet sind, sondern wenn es – wie eben im Buch – Menschen tun, die dort nicht hingehören. Das ist in etwa so, wie wenn man eine schwarze Socke in einen dunklen Tunnel hält, da ist die Socke immer noch schwarz und man denkt jaja, dunkler Tunnel. Hält man aber eine weiße Socke in den Tunnel und die weiße Socke ist auch auf einmal schwarz – na Himmel Arsch und Zwirn – irre dunkler Tunnel na leck mich am Arsch. Und ungefähr so ists, wenn Mandel und Singer durch Bergen irren. Ziemlich dunkel – also irgendwie.

„Tweet“ wie „Jacke“

Ein anderer Aspekt der mir gefällt ist die schier größenwahnsinnige Idee, einfach mal nicht nur Terrorismus, Faschismus und Black Metal noch dazu in Norwegen zu einer Geschichte zu verweben, sondern gleich auch noch Mord und Sado-Maso und Scheißwetter und wirre Träume und Musikszene und Christentum und Männerfreundschaft und was weiß ich an Themenfäden zwischen die Buchdeckel zu stopfen, dass man denken sollte, dass man sich da durch ein ziemliches Wollknäuel an übertrieben bunten beziehungsweise hier schwarzen Fäden kämpfen muss, nur weil der Autor es einfach mal gehörig übertreibt mit seiner Fülle an Ebenen, Metaebenen, doppelten und Zwischenböden. Aber dann ists halt ganz anders, denn bei Black Mandel ists wie bei einer Tweetjacke: Wenn man sie sich ganz von nah anschaut, ist sie verdammt bunt und die verschiedenen Fäden machen keinen Sinn, aber mit ein wenig Abstand wirds ein super Muster und fesch und absolut logisch. Black Mandel ist vielschichtig und das auf eine so gut verwobene Art, dass ich mich manchmal wunderte, dass das alles Sinn machte und macht.

Last night the DJ etc

Letztlich muss es noch einmal explizit gesagt sein: Musik. Das ist doch verrückt! Auf der einen Seite hören wir unser Leben lang Musik, benutzen sie als Stimmungskatalysator, diskutieren über Texte, fühlen uns verstanden und wissen, dass keine Kunst der Welt unserer Seele so nahe kommt wie die Musik. Auf der anderen Seite versuchen Autoren uns im Kern zu treffen, uns verständlich zu machen, warum es geht, uns emotional anzusprechen oder doch zumindest die Geschichte und ihre Charaktere emotional glaubwürdig zu machen – und schreiben nicht über Musik. Find ich seltsam. Ich verstehe nicht, warum nicht jeder Autor die Musik als Metaebene für das benutzt, was immer er sagen möchte. Freundschaft, Liebe, Hass, Neid, Glück, Egomanie, Zweifel – all das ist in Musik und das ist in Black Mandel und das ist nur eine Ebene. Musik ist auch Geschäft, ist Geld, ist Eitelkeit, Vetternwirtschaft und Betrug. Und das ist nur eine weitere Seite und es gibt noch viele. Dass die Mandelbücher also auch Musikbücher sind und das letztlich nur, um eine Geschichte zu erzählen, das ist eine Tatsache, die mich wundert, weil es so logisch scheint, aber so selten ist.

Habt Ihr das Buch gelesen? Was denkt ihr? War diese Rezension hilfreich oder Quatsch? Ich freue mich über Kommentare…


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