DIE MORALISCHE QUOTE

Entertainments / 01/06/2012

THE VOICE BEWEIST DAS OFT VERNEINTE

Alle meckern übers TV Programm – ich nicht. Das Fernsehen in Deutschland ist gut. Es ist professionell produziert, abwechslungsreich und in vielen Fällen von hoher Qualität. Aber natürlich gibt es da besseres und schlechteres.

Was ist gutes Fernsehen?

1. Gutes Fernsehen ist in allererster Linie erfolgreiches Fernsehen. Da bin ich, je nach Blickwinkel, Mainstream oder professionell. Und Erfolg im TV Geschäft ist messbar. Erfolg ist Quote und Erfolg ist die Anzahl der Zuschauer. Erfolg ist nicht das Schulterklopfen der Kumpels und auch nicht die Anzahl der Likes bei Facebook. Eine Sendung, die nicht gesehen wird kann sich nicht erfolgreich nennen. Ein populäres Beispiel einer unerfolgreichen Sendung? Harald Schmidt, eine Sendung die in der Konsequenz auch nicht gut ist.

2. Gutes Fernsehen ist zu vernünftigen Preisen hergestellt und erwirtschaftet einen stattlichen Gewinn. Für Geld kann man nahezu alles kaufen, ebenso kann man fette Budgets verbrennen. Gutes Fernsehen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld. Gutes Fernsehen bringt mehr als es kostet. Hier stellt sich die Frage, ob die Sportschau gutes Fernsehen ist. Ich bezweifel das. Sehr gutes Fernsehen ist hingegen Friends oder Sex and the City. Wer Weltstar-Gagen zahlt und immer noch im Plus landet, muss schon einiges richtig machen.

3. Gutes Fernsehen ist zudem moralisches Fernsehen. Erfolgreich und doch moralisch makellos zu produzieren gilt oftmals als unmöglich – und ist doch nur eine Ausrede jener, die mit ihren vermeintlich guten Produktionen untergehen. Ich verurteile unmoarlisches Sendungen nicht. Die Unterhaltungsindustrie schafft keine Bedürfnisse, sondern befriedigt diese nur. Aber mir ist das gute Fernsehen nicht nur lieber, es ist auch die größere Herausforderung.

Dass diese Herausforderung gemeistert werden kann, zeigen gleich eine ganze Reihe von Sendungen, guten Sendungen.

Ehe ich zu diesen Formaten komme rasch dies: Muss gutes Fernsehen nicht auch gut unterhalten? Ja, muss es. Aber das ist Teil von Punkt 1. Unterhält eine Sendung nicht, so wird sie auch nicht erfolgreich sein. Langeweile ist der Tod der Quote, auch wenn es im deutschen Fernsehen zwei unrühnliche Ausnahmen für diese These gibt: Die Tagesschau und den Tatort.

Böse Sendung

Was ist eine unmoralische Sendung? Viele unmoralische Sendungen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Produzenten ihre Erfahrung und ihre Möglichkeiten dazu nutzen, andere fertig zu machen. Es ist spielend leicht die Darstellung eines Menschen mit einfachen handwerklichen Mitteln zu verfremden, zu verzerren. Das ist ein Kampf zwischen Ungleichen. Das ist dreckig.

Nichts ist einfacher, als alte Menschen auf der Straße zu befragen. Sie sind die Situation vor der Kamera nicht gewohnt und sich im Moment der Aufnahme nicht bewusst, dass viele viele Menschen dies sehen werden und dass nachträglch ein böser Kommentar eingespielt wird. TV total ist eine böse Sendung.

Nichts ist einfacher als Menschen, die es nicht besser wissen ins offene Messer laufen zu lassen, sie singen zu lassen obwohl sie es nicht können und dies noch durch alberne Effekte im Schnitt zu unterstützen und sie so vor der Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Oft heißt es dann, jeder wüsste im Vorfeld, worauf er sich da einlasse, aber das stimmt nicht. Die Fernsehschaffenden wissen das. Die armen Schweine die boshaft verarscht werden wissen dies nicht. DSDS ist eine böse Sendung. Bauer sucht Frau ist eine böse Sendung.

All diese Sendungen erreichen nun ein großes Publikum. Trotz ihrer augenscheinlichen und bewussten Unmoral machen sie letztlich also auch einiges richtig. Und oft denkt man, dass es nur so geht, dass man bös sein muss und gemein und schadenfroh, um im toughen Business Erfolg zu haben. Ist natürlich Quatsch und aktuell leichter nachzuprüfen denn je.

Gute Sendung

The Voice of Germany ist eine gute Sendung. The Voice ist mutig. Hier werden alle Beteiligten ernst genommen, die Jurymitglieder, die Künstler und sogar das eigentliche Thema: Die Musik. The Voice verzichtet auf einfache dramaturgische Mittel, mit denen wir alle schon fade Momente spannend gemacht haben. Und es funktioniert. Weil wir glauben was passiert und ich bin mir sicher: Was da passiert ist echt. Ich habe es geahnt als ich erfahren habe, wer in der Jury ist, denn (außer Boss Hoss) sind das tolle Menschen. Dass es aber gleich so funktioniert ist die Belohnung für den Mut von Sender und Produzent. (Vergleiche auch Unser Star für Oslo.)

Ich bin ein Star, holt mich hier raus ist eine gute Sendung. Natürlich ist das eklig, vielleicht auch menschenverachtend oder einfach nur doof, was hier passiert. Und ja, die Wirklichkeit wird nicht originalgetreu wiedergegeben. Da wird geschnitten und uminterpretiert. Hier wird all das gemacht, was DSDS zu einer bösen Sendung macht. Aber es gibt einen alles entscheidenden Unterschied: Die Protagonisten im Dschungel wissen zu jedem Zeitpunkt der Produktion, worauf sie sich einlassen. Sie suchen alle ihre neue, vielleicht letzte Chance in einem Medium, in dem sie schon einmal erfolgreich waren. Sie kennen das Biz. Und sie bekommen auch Geld für ihre Teilnahme. Somit haben wir hier eine höchst professionell hergestellte Sendung die vieles richtig macht und wenn wir über die Teilnehmer lachen, dann dürfen, nein dann müssen wir das auch.

Moral – keine Frage von Sender oder Star

Ein interessanter Aspekt, wenn man fragt ob eine Sendung moralisch ist oder nicht ist die Tatsache, dass dies völlig unabhängig ist von Sender, Sendergruppe, Produktionsfirma oder gar Moderator.

Stefan Raab ist in TV Total alles andere als nett. In seinen Musik Shows aber ist er der ernsthafte Lautsprecher für die Dinge, die ihm am Herzen liegen.

RTL kann Dschungelcamp und DSDS. Und wer glaubt, dass die öffentlich rechtlichen Sender der Hort des Guten wären, muss sich nur fragen, warum die Bild-Ton-Schere an Beispielen der ARD Nachrichten definiert wurde.

Kurzum: Es ist nicht möglich, nicht clever und nicht gerecht einzelne Sender oder Moderatoren zu stigmatisieren. Dreck haben sie alle am Stecken. Aber meist auch glanzvolle Fernsehstunden zu verantworten.

Und ob man nun auf Moral im TV steht oder nicht ist vielleicht auch eine Frage von Geschmack. Ich mags auf jeden Fall. Und wenn ich sehe wie erfolgreich das sein kann, dann macht mir das Sehen solcher Formate umso mehr Spaß!

 


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1 Comment

on 11/05/2012

Lieber Dirk,
aus purer Neugierde bin ich auf deinen Blog gestoßen und find ihn ganz fabelhaft. Hab diesen Eintrag zu Fernsehsendungen gelesen und mich sehr amüsiert und zustimmend mit dem Kopf genickt. Lass das Bloggen bloß nicht einschlafen!
LG
Linda (deine FD-Tutorin)



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