KATHOLIZISMUS SCHLÄGT FUSSBALL

Entertainments / 09/21/2011

ARGUMENTATIONSHILFE FÜR CHRISTEN


Ich kenne Menschen die nach einem Glas Bier die Religion an sich sehr, das Christentum heftig und den Papst leidenschaftlich verfluchen. Die gleichen Menschen sprechen nach weiteren Gläsern von ihrem Lieblingsfußballverein als Religion – und meinen das völlig ernst und völlig zu recht. Christenbashing hier, Heiligsprechung Maradonnas dort. So ist er, der Fußballfan. Jetzt könnte mir das als SC Freiburg Fan ja egal sein. Täten mir nur nicht die armen Christen so leid. Die sind nämlich irgendwann nach den Kreuzzügen zu braven Lämmlein mutiert, die sich gerne auf die argumentative Schlachtbank führen lassen. Die Amen! Und da ich kein Christ aber mitfühlender Fußballfan bin und da es so herrlich rebellisch und irre provokant ist: Hier also für all die braven zahmen Christen da draußen eine Argumentationshilfe im ewigen Kampf: Christentum gegen Fußball.

Der böse Boss

An der Spitze der katholischen Weltreligion steht der Papst und der gilt seinen Anhängern, also den Fans seiner Religion, als Stellvertreter Gottes. Das mag für den abseits stehenden Fußballfan seltsam klingen. Doch selbst dieser wird zugeben müssen, dass es im eigenen Verein noch viel schlimmer ist. Denn: An der Spitze des Weltußballs steht nicht der Heilige Vater, sondern der Teufel persönlich, namentlich Sepp Blatter. Nun mag Benedikt vielleicht aussehen wie der Imperator aus Krieg der Sterne. Blatter aber agiert wie eben dieser. Wo der Papst ein askethisches ruhiges Leben in einer kleinen altmodischen Wohnung (wenn auch in zentraler Lage) lebt und sich als Luxus Blumen schneiden und Wein trinken gönnt, lebt Blatter im Luxus, ist korrupt, geht über Leichen und frisst kleine Kinder.

Kritik intern

Jetzt mag ein frommer Christ sagen, der Papst sei in seinen Augen ein rechter Depp. Er wird dennoch die allerallermeisten Aspekte seiner Religion ungestört weiter leben können und jene Aspekte, die ihn am Pabst stören, in seinem Leben anders händeln. Er wird sogar in seine Kirche irgendwo in Deutschland gehen können und auf einen Pastor treffen, der die Kritikpunkte ebenso sieht und lebt und lehrt wie der fromme Dissident. Soweit so entspannt. Der Fußballfan hats da doch schwerer, denn wenn Herr Blatter bestimmt, dass Fußball fortan auf einem Bein stehend und mit roter Gumminase zu spielen sei, so wird dies geschehen, in der Bundesliga, in der Kreisliga und bei der Weltmeisterschaft und nur die Fans von Mainz 05 hätten ihre Freude daran. Wem das nicht passt und wer spielen will wie er immer schon spielte, wird da recht bald alleine spielen. Sicher aber nicht bei der FIFA.

Machtfrage

Sepp
Das zeigt schon einen entscheidenden Aspekt auf, nämlich die Macht, eine Sache die tendenziell böser wird je größer sie ist. Nicht nur hat Teufel Blatter in seinem Verein viel mehr Macht als der Papst in seinem. Auch wird ihm von außerhalb viel mehr Macht zugetragen, denn ich wage mal die These, dass es viel mehr Fußballfans als Christen gibt. Fans sind Macht. Viele Fans sind viel Macht. Jeder Christ ist auch Fußballfan. Aber umgekehrt? Wie sonst könnte es sein, dass viel viel viel mehr Menschen das Finale der Weltmeisterschaft sehen als die Wahl des Papstes? Live übertragen wird beides! Zudem: Der Papst guckt Fusball, aber Blatter feiert vermutlich eine schwarze Messe wärend der Papst gewählt wird.

Vereinswechsel

Bin ich dennoch der Meinung, dass dieses Christending nichts für mich ist, so ist das gar kein Problem, denn dann gehe ich zum Amt, steige aus und spare auch noch Geld in Form der Kirchensteuer. (Erste heilige Kommunion und Firmung hab ich da aber dann schon verstreichen lassen als Vereinsangebote, dem Club den Rücken zu kehren.) Wenn ich dann als frischgebackener Exchrist sagen wir im Ruhrgebiet eine Kirche betrete, dann wird man mich da jedoch nicht mit Plakaten empfangen die mich als Hure bezeichnen oder mir vorwerfen, selbst Judas hätte mehr Ehre gehabt. Aber im Fußball, Herr Neuer? Der Ehrenkodex der Fußballultras ist eine Blut-und-Ehre-Ideologie, die die Opus Dei Gang zu Chorknaben degradiert.

Gewalt

Primborium, Riten, Trikots, Vereinslieder haben sie beide. Und Mitglieder des jeweils anderen Vereins bzw der anderen Religion können sich schon mal nicht leiden. Aber: Es werden in Deutschland mehr Menschen von Fußballfans aus Füsballfangründen verprügelt als Katholiken von Protestanten von Zeugen Jehovas. Stimmt nicht? Nun, die Fans von Rostock, Dresden, Frankfurt und Pauli sind sicher bereit, ihre Ansicht zum Thema mit Nachdruck zu verdeutlichen.

Übles Nachspiel

Natürlich darf man bei all dem Vergleichen nicht vergessen, dass es in der katholischen Kirche auch ziemlich üble Aspekte gibt: Imperialismus, Schwulenfeindlichkeit, keine Frauen in den Führungsetagen und Hang zur Übertriebenen Selbstdarstellung der Würdenträger. Das ist alles unschön wenn nicht gar widerlich und ich habe leider nicht den Eindruck, als hätte der Papst deswegen schlechte Träume. Allerdings: Das sind auch alles Gebiete, in denen sich der Weltfußball so verhält, als wolle er dem Katholizismus hier den Oberrang ablaufen.

Wenn der brave Christ also im Berliner Olympastadion dem Papst und nicht der Hertha zujubelt, so kann er das aus einer Position der Stärke tun. Er ist Fan eines Traditionsvereins, bei dem Maradonna, Beckenbauer und Cissé spielen. Gleichzeitig! Und sollten alle obigen Argumente nicht punkten: Diese Spieler sollten den Fuballhool doch überzeugen.


Schlagwörter: , , , , , , ,




Previous Post

FUNDSTÜCKE

Next Post

7 TIPPS FÜRS ERFOLGREICHE BLOGGEN





0 Comment


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.