ATOMKRAFT, KOHL, KALTER KRIEG – ALLES WEG

Private he.ART / 05/30/2011

WAS BLEIBT SIND ERINNERUNGEN AN EINE KINDHEIT IN DEN 80ERN

80er in Originalfarben
Wer heute denkt, die 80er waren eine total lustige Zeit mit lustigem Elektropop, lustigen Neonbändern und lustigen Frisuren, der hat keine Ahnng, wie es damals wirklich war! Erstens: es war nicht bunt. In den Wohnungen herrschten Brauntöne vor und vorallem gegen Ende des Jahrzehnts waren Klamotten und Haar vor allem schwarz. Vorallem aber: es war nicht lustig. Hier nur exemplarisch drei Themen.

Atomkraft

Diese Anti-Atomkraft Demos, dieser Sonnenaufkleber und all die Aufregung von heute – das ist doch nicht neu! Das hatten wir schon alles, aber nicht in dieser verweichlichten Version von heute, wir hatten den echten shit! Explodierende Atomkraftwerke waren da nur die kleinste Sorge. Sicher, eine Sorge waren die und ich wohnte ja auch nicht weit weg von einem. Aber viel schlimmer in puncto Atom war ja der Atomkrieg. Ja, das war eine absolut reale und allgegenwärtige Möglichkeit. Russland war nicht einfach nur ein Land von betrunkenen korrupten Technokraten, sondern der böse Feind im Stile eines James Bond Bösewichts und Russland hatte Atomwaffen und die Amis auch und wo haben sie die hingestellt? Genau, in unser Land und somit war klar: wenns zur Sache geht, dann auf unsre Kosten. Und die Düsenjets, die jede Woche ihre Tiefflugübungen über meiner Stadt und meinem Haus in der Eifel machten waren eine klare Ansage: das ist kein Spiel, kein War Game, das ist ernst und wir werden, wenns dumm läuft, elendig verrecken.

Kohl

Helmut Kohl war eine traurige Gestalt. Sicher kein netter Mann und man muss ihm ja politisch auch nicht nahe stehen, aber was der hat einstecken müssen an Hähme, an Niedertracht und Verspottung nicht etwa, weil er eine Politik gemacht hat, die einem nicht gefällt, sondern weil er zugegeben ziemlich merkwürdig aussah und ganz sicher auch eine ziemlich merkwürdige Aussprache hatte. Das heißt: die Intellektuellen des Landes lachten einen in der Öffentlichkeit stehenden Mann aus, weil der so aussah und rüberkam wie jene, die wir heute Nerds nennen. Heute nennt man das Mobbing und assozial und das war es auch früher schon, konnte aber vielleicht nur versehen, wer selber eher nerdig aussah und vielleicht auch so redete.

Kalter Krieg

Die reale Möglichkeit eines Krieges nicht irgendwo in Afrika, sondern daheim, das ist heute wohl kaum noch nachzuvollziehen. In den 80ern aber war das Alltag. Ich wohnte links des Rheins und hatte gehört, dass die NATO Strategie sei, das Land bis zum Rhein einfach den Kommunisten zu überlassen. Ich war also sicher, aber so fühlte ich mich nicht, denn die Raketen, die Atomraketen der Russen würden am Rhein ja nicht kehrt machen. Es war also klar, wenn es Krieg geben würde, ich wäre wohl tot. Was aber am Kalten Krieg in den 80ern ebenso nervte wie die Aussicht auf einen Strahlentot waren die Diskussionen mit den Pink Floyd und Zappa hörenden Linken am Gymnasium. Nie ging es denen um die gewaltsame Unterdrückung von ganzen Ländern im Ostblock, nie um Stasie, Securitate und Stalin. Nie um Mauerschüsse und den Krieg der Russen in Afghanistan. Sehr wohl aber um Jeden Fliegenschiss, den die Amis machten. Nie war es ihnen möglich beide(!) Seiten für das zu kritisieren, was kritikwürdig war. Und dieses einseitige und oftmals hohle USA Bashing brachte mich zur Erkenntnis, dass wenn die USA bei den Ost-Jugendlichen genau so erfolgreich Propaganda machen würden wie die Russen es offensichtlich bei der West-Jugend taten, dann würde es im Falle eines Krieges einziemliches Durcheinander geben.

Kein bisschen Frieden

Natürlich gab es in den 80ern auch tolle Sache, wie das Eis „Brauner Bär“, den Walkman meines Bruders oder die Band Ideal aus Berlin. Aber das reale Gefühl von Angst, die Beklemmung bei Ansicht einer Weltkarte und die nachträgliche Peinlichkeit sich über den Grand Prix (heute Eurovision) Sieg von Nicole gefreut zu haben, das alles war ein Elend, das wir heute nur noch aus Endzeitcomputerspielen kennen.


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