SECOND WINNER IS FIRST LOSER

Edukation / 05/25/2011

VOM UNGLÜCK FAST DER BESTE ZU SEIN

Heiß ist kalt

Ich habe beim Duschen eine Erkenntnis gehabt: Wenn man sich auszieht und vor der Dusche steht, ist es (wenn nicht gerade Winter ist) nicht kalt. Dann stellt man sich unter die Dusche und dort wo einen das kalte Wasser trifft, wird es warm. Der Rest des Körpers aber, der trockene Teil, wird auf einmal kalt und man friert. Seltsam. Es ist ja nirgends kälter geworden. Im Gegenteil. Es ist partiell sogar wärmer geworden, aber anstatt dass es uns warm wird, wirds kalt. Warum? Weil der Körper vergleicht. Er setzt die Normaltemperatur in Vergleich mit dem warmen Wasser und da ist die trockene Haut auf einmal kalt. Das ist nun eine unwillkürliche Körperreaktion, die ohne unser Zutun passiert. Aber es ist – heureka! –  die genau gleiche Reaktion, mit der wir auf unsere Umwelt reagieren.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben…

Das eigene Glücksempfinden ist keine Statistik von Haben und Soll. Es ist keine Aufrechnung der Dinge, die uns glücklich machen minus jener, die uns unglücklich machen. Das Ergebnis, also unser Glück steht in Relation. Habe ich alles, was ich theoretisch brauche um glucklich zu sein, befinde und bewege ich mich aber in einem sozialen Umfeld das mehr hat, so werd ich eher unglücklich. Bewege ich mich nun in ein Umfeld mit den gleichen Bedingungen, wird es mir besser gehen.

No buzz about Buzz

Dieses Phänomen der Glücksalgebra sehen wir besonders deutlich bei Leuten, die vermeintlich alles haben, bei Leuten, die mehr erreicht haben als alle anderen – alle anderen bis auf einen. Nehmen wir Buzz Aldrin. Wer das ist? Der zweite Mann auf dem Mond. Tolle Sache eigentlich. Wer war schon auf dem Mond!? Kaum einer, außer zum Beispiel Neil Armstrong und der war als erster dort. Und in der Folge war Aldrins Leben meist geprägt von der depressiven Erfahrung, nur Zweiter gewesen zu sein. Oder nehmen wir Michael Stich. Ein prima Tennisspieler. Blöd nur, dass gleichzeitig ein seltsamer Rotschopf noch ein wenig mehr Karriere machte. Oder Heinz-Harald Frenzen. Zweiter hinter Michael Schumacher. Wie unendlich viel glücklicher wären diese ungemein erfolgreichen Menschen gewesen, wenn sie bloß nicht Zweiter geworden wären – sondern zum Beispiel Dritter.

Aller guten Dinge sind Dritter

Das ist das Olympiaprinzip. Der Silbermedaillengewinner erlebt stets den Makel, dass er es fast geschafft hätte, dass er beinahe Erster geworden wäre. Sein Blick geht zum Mann vor ihm, geht nach oben und seine Stimmung nach unten. Der Dritte aber ist froh, es noch aufs Treppchen geschafft zu haben. Er ist besser als all jene, die das nicht geschafft haben und somit ist der Dritte, obwohl er eine schlechtere Leistung gebracht hat, besser dran, weil glücklicher als der Zweite.

Nachbars Kirschen

Und was heißt das jetzt? Besser gar nicht mehr laufen, eh man am Ende Zweiter wird? Oder einfach nicht mehr vergleichen? Schwer zu sagen, denn wenn selbst unser Körper unter der Dusche so wenig hilfreiche Vergleiche anstellt ist es fraglich, ob wir dieses natürliche Phänomen abstellen können. Das Praktischste wäre vielleicht, sich nur mit Leuten zu umgeben, die nicht besser sind als man selbst. Und wenn das nicht geht: einfach mal alleine bleiben.

 


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1 Comment

on 06/04/2011

vegna ekki:)



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