BERLIN CALLING

Entertainments / 05/21/2011

FILM, DEUTSCHLAND 2008
(Gastbeitrag)

Berlin Falling
Die Tage lief „Berlin Calling“ auf arte. Man könnte jetzt sagen, dass das einfach nur ein wahnsinnig langweiliger Film ist über verachtungswürde Menschen mit dem schrecklichsten Soundtrack seit Celine Dion die Titanic versenkt hat. Ist es aber nicht. Es ist noch viel schlimmer: das ist doch in Wirklichkeit eine als Film getarnte wahnsinnig langweilige Doku über verachtungswürdige Menschen mit dem schrecklichsten Soundtrack seit Celine Dion die Titanic versenkt hat!

Gleichgültige Menschen, deren Leben sich um monotone Musik und Drogenkonsum (und vielleicht Sex) dreht, die keine anderen Interessen haben, keine Visionen, keine Meinungen, keinen Kontakt zu Politik, Kultur, Weltgeschehen, Gesellschaft (die eigene mal ausgenommen) leben losgelöst von der Welt in ihrer Berliner Scheinwelt unter ihresgleichen. Oh mein Gott!

Brave New World – nur freiwillig

Auch wenn die Protagonisten sicher in ihren 40ern sind: das Ganze geht wohl noch als jene Jugendkultur durch, die in ihren Loveparade- Massenritualen der Welt bekannt wurde und die sich heute feiert in Clubs wie dem Berliner Berghain, wo minderjährige Mädchen alkoholisiert und verdrogt zugucken, wie andere es in der Öffentlichkeit treiben. Man könnte sagen das seien hedonistische gesellschaftliche Auflösungserscheinungen wie im alten Rom. Es ist aber schlimmer. An diesen Symptomen wird die Gesellschaft nicht zugrunde gehen. Sie stärken den Fortbestand der aktuellen Zustände und sind zeitgleich gleichgültig gegenüber Veränderungen, guten wie schlechten, denn diese Jugendbewegung bewegt sich nicht, rebeliert nicht, sie demonstriert nicht, sie hat keine Visionen, keine Ideale. Sie dreht sich um sich selbst und ignoriert die Außenwelt. Sie lebt exakt das, was Aldous Huxley in „Brave New World“ beschreibt. Nur dass in seinem Roman die Regierenden Drogen einsetzen, um die Menschen still zu stellen. In „Berlin Calling“ machen die Menschen das selbst und werden zu ihren eigenen Unterdrückern. Pfui Teufel!

Das Ende der Jugendbewegung

Wenn sich Jugend auszeichnet durch Rebellion, In-Frage-Stellen, Aufbegehren, dann ist die Techno Szene das Ende der Zeit. Im Gegensatz zu diesen gleichgültigen Ignoranten haben selbst die dümmsten brandenburger Skinheads mehr Ideale, Ziele, Visionen. Wenn auch sicher keine guten.

Wie wird die Welt jener Menschen, die noch nicht einmal in ihrer Jugend stürmend und drängend waren, wenn sie alt und älter sind? Im harmlosensten Fall genau wie sie heute schon ist. Im schlimmsten Fall sind sie so gleichgültig, dass brandenburger Nazis das Ruder übernehmen.

Berlin Calling ist ein Film der nervt. Aber so hat er doch sein Gutes. Es ist ein Mahnmal einer erschreckenden und gefährlichen Kultur.


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