JAPAN – WAS EINE ENTTÄUSCHUNG

Socio.Politico / 05/09/2011

WIE JAPAN SEINEN GUTEN RUF VERLOR

 

Save Our Sushi

Save Our Sushi

Liebe Japaner,

auch wenn sie im Fernsehen nichts mehr zeigen: Eure Katastrophe ist nicht vergessen.

Doch auch wenn es pietätlos scheinen mag: ich bin da schon ein bisschen, ziemlich, wahnsinnig enttäuscht von Euch! Wie Ihr diese schlimme Situation händelt ist katastrophal.

In meiner Kindheit war „made in Japan“ kein Gütesiegel. Japan, Hong Kong, Korea, was da her kam war billiger Mist, meist eine auseinanderfallende Billigkopie von Produkten aus Deutschland oder auch Amerika. Autos, Radios, Fernsehserien, Spielzeug – alles was innovativ und vorallem technisch perfekt und modern war, kam von daheim (Technik) oder aus Amerika (innovativ). Und dann? Habt Ihr Japaner uns gezeigt, was eine Harke ist.

Von Müll zum Must-Have

Gameboy, Walkman, Toyota, Mädchen in Schuluniformen – auf einmal wart Ihr da, wart innovativer, moderner und vorallem noch immer billiger als wir. Auf einmal schient Ihr Japaner alles zu können und wir fragten uns warum und lernten die Stereotypen Eures Landes kennen: der Japaner ist fleißig, becheiden, diszipliniert und ziemlich kauzig, aber auch wissbegierig, ein Fan des Westens und gleichzeitig stolz auf seine eigene Kultur. Wir Deutschen bewunderten Euch aus den gleichen Gründen aus denen wir die Schweizer bewundern – mit dem einen Unterschied: Ihr Japaner bewundertet auch uns und das war schön. Wir dachten: die Japaner, die können alles, die sind so schlau, so fleißig, so cool, wenn die was wollen, dann schaffen die das und zwar mit einer nüchternen Präzision, dass sich ein Carl-Zeiss-Glas aus Scham beschlägt. Wir dachten die Männer der Welt würden bald rumlaufen wie Super Mario und die Mädchen gern so schüchtern heiß sein wie Eure PinUps.

Fuck-U-Shima

Aber dann kam Fukushima. Ich dachte ja: Erdbeben, Tsunami, Super GAU – Ihr schafft das. Ihr organisiert das. Ihr erfindet was dafür oder dagegen. Ihr bezahlt das. Und wenns ganz haarig wird, schickt Ihr einen Eurer Roboter, die sonst alte Menschen bespaßen in die verstrahlte Zone und der regelt das dann.

Aber nichts davon, gar nichts davon. Krisenmanagement? Fehlanzeige. Stattdessen ein Premier, dem man nichts sagt. Nüchternes Agieren und Kontrollieren? Nix da. Planloses Improvisieren am offenen Herzen, sprich Reaktor. Modernste Technik zum bekämpfen einer modernen Technik? Im Gegenteil. Meerwasser als spontane Waffe gegen den Strahlentot. Der Umgang mit der Katastrophe scheint an Verzagtheit und ja, scheint an Dummheit kaum zu überbieten. Wäre das nun ein Dritte Welt Land ohne Bildung, ohne Geld, ohne Hoffnug – aber Japan? Sicher, in Haiti schlagen sie sich die Schädel ein, wenn man falsch parkt, Euch fliegen zig AKWs und ein ganzer Ozean um die Ohren und Ihr steht brav Schlange – aber langt das? Nein!

Ihr verbaselt es, aber gewaltig! Und warum? Wenn man glauben kann was man so hört dann weil Ihr einfach Euer Maul nicht aufbekommt. Weil Ihr nicht sagen könnt „Hoppla, Mist gebaut, kann mal wer helfen kommen?“ Schafft Ihr einfach nicht.

Living on the edge

Aber das Dilemma ging ja schon vor der Katastrophe los und jetzt erst merken wir das. Natürlich könnt Ihr Japaner nichts dafür, dass Ihr so ziemlich auf der miesesten der fiesesten Inseln der Welt Euer Zuhause gefunden habt. Tektonisch so vielseitig, dass Erdbeben und Tsunamis eine allgegenwärtige Gefahr sind. Und natürlich müsst Ihr Japaner damit irgendwie klar kommen und Strom braucht Ihr auch. Aber was in Dreiherrgotsnamen ist denn in Euch gefahren diese Gefahren zu übersehen und AKWs mit Meerblick zu bauen?

Liebe Japaner, ich weiß es ist nicht nett das jetzt zu schreiben, wo es Euch so dreckig geht, aber Freunde müssen ja auch ehrlich zueinander sein. Also, das nächste mal, ich wünsch es Euch nicht, aber Eure vermalledeite Insel lässt das Schlimmste befürchten, also das nächste mal: ruhig bleiben wie jetzt, aber etwas weniger Stolz und mehr Ehrlickeit. Benehmt Euch nicht wie ein verzogener fünfjähriger Bengel, werdet erwachsen! Spart Geld, spart Zeit, spart Leben und spart böse Blogkommentare.

d.


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