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HAST DU DAS HETERO_GEN?

100% GENDER, 0% TOLERANZ?

bethechange

Die Sache mit der Heterogenität ist in der Praxis viel schwieriger als in der Theorie. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Möchte ich Heterogenität, möchte ich sie leben, vorleben und sehe ich sie als wichtig und richtig an – oder eben nicht.

Heterogenität, das ist Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit und diese lässt sich bis ins kleinste Detail durchdeklinieren. Heterogenität ist hierbei auch immer die Vielfalt von Meinungen. Ist mir Heterogenität wichtig, so bedeutet dies auch, dass es mir wichtig ist verschiedene Meinungen zuzulassen. Schwierig wird dies aber, wenn andere Meinungen meinen eigenen zuwider laufen. Wenn die eigene Freiheit aber auch immer die Freiheit des anders Denkenden ist, muss ich mich fragen in wie weit es mir gelingt, andere Meinungen und Überzeugungen zu akzeptieren.

Oftmals tappe ich hierbei in eine emotionale Falle, nämlich dann, wenn eine andere Meinung mir so zuwider ist, so an den Grundfesten meiner Überzeugungen rüttelt, dass ich die andere Meinung bewerte, beurteile, ja verurteile und, schlimmer noch, jenen verurteile, der eine andere Meinung hat. Dabei ist eben das doch der Lakmuszest der Heterogenität, die Gretchenfrage der Freiheit: Wie hältst Du es mit denen die anders sind?

An anderer Stelle habe ich dies mal an Millieustudien zu zeigen versucht. Milieustudien sind immer Verallgemeinerungen und somit per se das Gegenteil von Heterogenität. Wenn ich basierend auf Milieustudien andere Menschen betrachte muss ich wissen, dass ich hier von Verallgemeinerungen ausgehe und diese dem Einzelnen und der Heterogenität der Einzelnen nicht gerecht werden können. Ich halte Milieustudien für die Praxis als Lehrer also für wenig hilfreich.

Gender Blender

Ein weitaus emotionaleres Thema ist das der Genderforschung. Hier zeigt sich ein ums andere mal wie schwierig ist es sein kann, die Meinung Andersdenkender zu tollerieren.

So wie ich die Genderforschung verstehe geht es unter anderem darum, Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechtes zu beurteilen, viele Geschlechter zuzulassen, Geschlechterstereotypen zu unterlassen und jeden Menschen hinsichtlich seines Geschlechtes individuell zu betrachten aber nicht zu bewerten oder ihm Dinge zu unterstellen, seien diese positiv oder negativ. Heterogenität ist hier also Geschlechterfreiheit, mein Geschlecht ist das was ich sage und denke und fühle was es ist. Das Geschlecht eines anderen ist das was dieser sagt und denkt und fühlt was es für ihn ist.

Diese Wahlfreiheit stößt dann immer wieder an ihre Grenzen, wenn sich andere entscheiden Geschlecht zu sehen, wie es die aktuelle Genderforschung nicht sieht, nämlich traditionell, zweigeteilt, hier die Männer mit typisch männlichen Attributen, dort die Frauen mit typisch weiblichen Attributen – beziehungsweise Stereotypen oder gesellschaftlich geprägten Eigenheiten.

Und eben hier kann und muss ich selber mich überprüfen: Kann ich meine eigene Überzeugung von Heterogenität wirklich leben? Bin ich tatsächlich in der Lage auch zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anderer Meinung sind und ein neues, offeneres Geschlechterbild ablehnen?

Meine persönliche Meinung ist: Ich will dies akzeptieren, denn verurteile ich hier die Meinung anderer, so nehme ich mir die eigene Legitimation Heterogenität als Ideal zu sehen. Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden.

Allein das Plädieren für mehr Toleranz im Umgang mit Heterogenität, allein der Vorschlag, Anders Sein auch dann zu akzeptieren, wenn es jenseits meiner persönlichen Wohlfühlzone ist ist jedoch etwas, was mir persönlich im Rahmen meines Studiums ein ums andere schwer gemacht wird. Denn die Genderdebatte ist wie es scheint eine sehr emotionale.
Allein die Bitte Anders Denken zu akzeptieren führt zu emotionalen Reflexen. Diese führen gelegentlich sogar so weit, dass mir eine Meinung unterstellt wird die weder meine eigene ist, noch dass jene die dies tun überhaupt zu wissen scheinen, was meine Meinung ist. Zu emotional ist die Reaktion, zu wenig rational und selten fußend auf dem tatsächlich Gesagten und vielmehr reagierend auf das, was man zu hören glaubt. Die Grenzen der Heterogenität sind hier bereits überschritten. Es gibt lediglich einen gelernten Automatismus von Vorwürfen. 

Auch wird die Diskussion dann oftmals so emotional, persönlich, bewertend und verurteilend geführt, dass es mir schwer fällt zu sehen, wie diese Art des Diskurses der Sache hilfreich sein kann.

Be the change

Ich persönlich denke nicht, dass sich durch Konfrontation, noch dazu persönliche Konfrontation geschweige denn persönliche Angriffe Heterogenität leben und vorleben lässt. Auch glaube ich nicht, dass man so für die eigene Position, nämlich ein friedliches Miteinander der Unterschiedlichkeiten erfolgsversprechend wirbt. Ich glaube nicht daran, dass man mit einem solchen Krieg seine Ziele erreichen kann. Ich glaube nicht daran, dass man mit Krieg Frieden schaffen kann. Ich glaube nicht, dass man erfolgreich für die eigene Position werben kann, wenn man jene die eine andere Meinung haben aufs Übelste attackiert und öffentlich bloß stellt. 

(All dies hat besondere Beseutung für angehende Lehrer und jene die Lehrer ausbilden, denn es gibt ja keinen Grund in der Trainingsphase an der Universität anders zu handeln als im Klassenzimmer. Wie will ich also handeln, wenn ein Schüler eine andere Meinung vertritt und mir diese sehr übel aufstößt? Will ich ihn beleidigen, öffentlich brandmarken und ihm emotionales Leid zu fügen und dabei hoffen, dass er seine Meinung ändert? Dann will ich ihn also dressieren, abrichten. Oder will ich gelassen reagieren und ihm vorleben wie meine Wahrheit aussieht, hoffend, dass ich ihm die Möglichkeit gebe entdeckend zu lernen? Dann will ich ihn also bilden, ihm ermöglichen selbst zu wachsen.)

Aber ich erlebe es ein ums andere mal, das Verurteilen, das Artackieren, das Denunzieren. Und sicher bin ich auch selber nicht davor gefeit stets so zu handeln, wie es meinen eigenen Überzeugungen entspricht.

Worum ich mich aber stets bemühe ist zu vermeiden, andere zu beurteilen. Auch will ich nicht andere verurteilen. Es steht mir nicht zu. Jeder kann nur über sich selber richten. Und auch wäre es nicht weit her mit meinem Wunsch nach Heterogenität, wenn ich nicht zumindest versuchen würde andere selbst dann zu akzeptieren, wenn es weh tut.

Hat dies Grenzen? Natürlich. Freiheit darf keine banalisierende Gleichgültigkeit sein. Wo man aber die Grenzen zieht zwischen “seh ich anders, kann ich aber tolerieren” und “Du hast Unrecht, ich mach dich fertig” muss natürlich jeder für sich selber überlegen und ein ums andere mal ausloten.

Für mich persönlich ist die Grenze dann überschritten, wenn ich persönlich angegiffen, beleidigt, verurteilt werde. Auch dann versuche ich dies zu tolerieren. Aber dann fällt es sehr schwer. Ich bemühe mich sehr andere so zu akzeptieren wie sie sind. Und ich hoffe stets dass andere mich so anzeptieren wie ich bin. Ich möchte nicht bewertet werden weil ich bin wie ich bin. 

Wie jene die angreifen, beleidigen und verurteilen ihr eigenes Handeln sehen ist nicht an mir zu erraten oder gar zu bewerten.

As Gandhi said, “Be the change you wish to see in the world.”

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THE CAKE IS A LIE – TEIL 1

WARUM WIR GLÜCK GEGEN KONSUM TAUSCHEN

Untitled

1.

Kleine Kinder lügen nicht. Das ist eine Kulturtechnik, für die sie erst ein gewisses Alter erreichen müssen. Das beginnt mit etwa vier Jahren. Und kleine Kinder reflektieren auch nicht ihr Handeln. Sie denken nicht darüber nach, was sie tun beziehungsweise warum sie es tun, Sie tun es einfach. Auch hierfür müssen sie erst ein paar intellektuelle Sprossen erklommen haben. Das weiß jeder, der eigene Kinder hat oder Kinder kennt und ich weiß es zudem, weil ich Grundschulpädagogik studiere – und kleine Kinder habe und kleine Kinder kenne. Aber trotzdem gibt es natürlich Gründe für Kinder die Dinge zu tun die sie tun. Vor allem gibt es Gründe dafür, dass sie jene Dinge tun, die sie freiwillig, aus eigenem Antrieb tun. Kinder haben eine intrinsische Motivation, also einen inneren natürlichen Antrieb. Und der lässt sich auf zwei Motive reduzieren: Spaß und zwischenmenschliche Kontakte. Wenn man Kinder danach fragt, was sie gerne machen (und das haben meine Komilitonen und ich im Seminar “Kindheit im Wandel” getan), dann nennen sie spielen, basteln, Sport, mit Freunden treffen, mit denen spielen, mit den Eltern was machen, zum Beispiel spielen, malen, Bilder gucken und so weiter. All das sind letztlich nur Varianten von Spielen und Kontakt mit anderen haben. Spaß und andere Menschen, das ist es also, was Kinder antreibt und wenn wir bedenken, dass wir alle ja unsere Leben als Kinder beginnen, dann sind Spaß und der Kontakt zu anderen Menschen zwei unserer Urmotivationen. Sie helfen uns, uns zu entwickeln. Und es fällt uns, genauer unserem Gehirn besonders leicht zu lernen, sich zu entwickeln, wenn wir Freude haben an den Dingen die wir tun.
Nun wird es meine Aufgabe als Grundschullehrer sein die Kinder darin zu unterstützen, sich zu entwickeln. Es gibt hierfür eine ganze Reihe von Schulfächern und eine ganze Reihe von übergreifenden Kompetenzen, die ich ihnen vermitteln soll und mein Studium befasst sich intensiv damit, was ich ihnen beibringen soll und wie.
Je länger ich jedoch studiere (und ich bin gerade mal im fünften Semester), desto mehr wundere ich mich. Denn ich lerne den Kindern Mathematik beizubringen, lesen, schreiben, Naturgesetze, unsere soziale und politische Ordnung und ich lerne wie ich ihnen beibringe lernen zu können, Fragen zu stellen, zu forschen. Ich lerne aber nicht, wie ich ihnen ermögliche möglichst viel Spaß zu haben und ich lerne nicht, wie ich ihnen vermittel mit anderen gemeinsam Spaß zu haben. Seltsam, denn sind das nicht eben jene Dinge, die ihnen, den Kindern besonders wichtig sind?
Wenn die Kinder aus der Schule kommen, wenn sie entlassen werden in diese Welt und wenn wir Lehrer davon überzeugt sind, sie im Rahmen unserer Möglichkeiten am Besten auf das Leben vorbereitet zu haben, dann haben wir ihnen letztlich zweierlei beigebracht: Die Fähigkeiten, einen Job zu finden und zu bewältigen und zudem sich einzufügen in unser gesellschaftliches System. Und genau das werden unsere Schüler dann tun: Sie werden einen Job finden und sich ins System finden. Und das machen sie dann für den Rest ihres Lebens. Und dann? Dann kommt der Hammer. Und er trifft sie zu einem Zeitpunkt, da es zu spät ist um etwas zu ändern.

2.

Bronnie Ware ist eine australische Krankenschwester. Sie hat viele Jahre lang Patienten in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Und sie hat aufgeschrieben, was diese Menschen, sterbend, am Ende ihres Lebens angelangt, bereuten. Sie hat notiert, was diese Menschen, wenn sie noch einmal die Möglichkeit hätten, anders tun würden in ihrem Leben. Und so unterschiedlich diese Menschen auch gewesen sein mochten, sie hatten letztlich die selben fünf Dinge, die sie bereuten in ihrem Leben:
1. Sie wünschten, sie hätten ihr Leben nicht so sehr nach den Erwartungen anderer ausgerichtet, sondern an ihren eigenen Wünschen und Belangen.
2. Sie wünschten, sie hätten nicht so viel gearbeitet.
3. Sie wünschten, sie hätten den Mut gehabt offen mit ihren Gefühlen umzugehen.
4. Sie wünschten, sie hätten mehr Zeit mit ihren Freunden verbracht.
5. Sie wünschten, sie hätten sich selbst erlaubt glücklicher zu sein.

Ist es nicht traurig, dass offensichtlich niemand sie darauf vorbereitet hatte, das Leben zu führen, dass sie sich auf dem Sterbebett gewünscht hätten? Ist es nicht traurig, dass ihre Wünsche als alte sterbende Menschen eben jene Wünsche und Motivationen sind, die sie schon als Kind hatten? Und ist es nicht traurig, dass sie nicht nur aber auch in der Schule etwas ganz anderes gesagt bekommen haben? Ist es nicht traurig, dass die Welt, dass die Gesellschaft ihnen eine Lüge aufgetischt hat? Dass sie ein eben lang dachten, es richtig zu machen um doch nur zu bemerken, dass sie einem falschen Ziel nachgeeifert hatten, nämlich arbeiten, Erwartungen erfüllen und sich selbst verleugnen?

3.

Ich halte kein Ziel auf Erden als größer, schöner und erfüllender als glücklich zu werden und zu sein. Was nützt mir meine Ausbildung, mein Job, mein Geld, was nützen mir Frau, Familie und Freunde, was nützen mir Playstation und Bundesliga, was nützt mir gar meine Gesundheit, wenn ich nicht glücklich bin? Und: Was nützt mir meine Gesundheit, wenn mich mein unglücklich Sein krank macht? Was aber passiert da mit uns im Laufe unseres Lebens, dass wir vergessen glücklich zu werden, dass wir aufhören unser Leben danach auszurichten, was uns glücklich macht? Die Frage ist nur schwer zu beantworten. Leichter ist es zu beantworten, was uns tatsächlich glücklich macht, unabhängig davon, ob wir es tun oder nicht.

4.

Dan Gilbert ist Professor für Psychologie in Harvard. In seinem TED Talk “The surprising science of happiness” berichtet er von dem Vergleich zweier Personengruppen. Die eine Gruppe besteht aus Lottogewinnern, wirklichen echten Lottogewinnern, Menschen also, die sehr sehr viel Geld gewonnen haben. Und die andere Gruppe besteht aus Menschen, die querschnittsgelähmt wurden, die es nicht immer schon waren, sondern aufgrund eines Unfalls das Gefühl in ihren Beinen verloren. Fragen wir uns nun, in welcher Gruppe wir lieber wären, in welcher Gruppe wir wohl glücklicher wären, so würden wir ganz sicher lieber zu den Lottogewinnern gehören. Die Wahrheit ist aber mindestens erstaunlich: Ein Jahr nach dem Lottogewinn und ein Jahr nach dem Verlust der Kontrolle über die eigenen Beine sind beide Gruppen gleich glücklich. Reich sein macht nicht glücklicher als querschnittsgelähmt zu sein. Paralysiert sein macht nicht unglücklicher als im Lotto zu gewinnen. Es macht im Grunde keinen Unterschied.
Der Grund hierfür liegt in dem Unterschied zwischen “natürlichem glücklich-Sein” und “synthetischem glücklich-Sein”. Natürlich glücklich sind wir, wenn wir bekommen was wir wollen. Synthetisch glücklich sind wir wenn wir mit dem zufrieden sind, was wir bekommen, ob wir es nun wollten oder nicht,
Nun wird niemand anstreben querschnittsgelähmt zu werden. Aber wir alle streben nach Geld und, zumindest die meisten von uns, nach möglichst viel davon. Warum aber sagt uns niemand, zum Beispiel in der Schule, dass viel viel Geld gar nicht glücklich macht? Warum denken wir, dass es erstrebenswert ist natürlich glücklich zu sein, dass synthetisches Glück aber nicht so viel wert sei? Dan Gilbert hat eine einfache Erklärung hierfür: Mit synthetischem Glück lässt sich einfach kein Geld verdienen. Wenn alle glücklich sind mit dem was sie haben, werden sie kaum immerzu neue Produkte kaufen wollen.

5.

Daniel Kahneman ist Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und war unter anderem Professor für Psychologie in Berkeley. Er beschäftigte sich mit einer vom Gallup Institut geführten Umfrage zum Glücksempfinden in Verbindung mit Einkommen, also Geld. Das Ergebnis: Je ärmer man ist, desto unglücklicher ist man. Das gilt aber nur bis zu einem Haushaltsbruttojahreseinkommen von etwa 75.000 Dollar. Ab diesem Wert hat Geld keinen Einfluss mehr auf das persönliche Glücksempfinden. Heißt: Wenn meine Frau und ich 75.000 Dollar im Jahr verdienen sind wir glücklich und wenn wir mehr verdienen, wird uns das nicht glücklicher machen.
Nun sind das Dollar und die Amerikaner zahlen auch eher weniger Steuern als wir Deutsche und dennoch: Wenn ich diesen Betrag umrechne komme ich auf ein Einkommen, das mir nicht das Gefühl geben wird reich zu sein, denn das sind etwa 2.000 Euro netto für mich und 2.000 Euro netto für meine Partnerin im Monat.
Wenn ich dies nun als finanzielle Basis für mein persönliches Glück nehme, werde ich auch akzeptieren müssen, dass ich mir den ein oder anderen Luxus nicht mehr werde leisten können. Das Schöne daran ist aber: Das muss ich auch gar nicht, denn es wird mich nicht glücklicher machen. All die Dinge, von denen ich glaube sie haben zu müssen befriedigen nur ein kurzfristiges Gefühl. Wirklich glücklich werden sie mich nicht machen. Warum habe ich aber den Eindruck, das die gesamte Welt um mich herum mir weismachen will, dass ich mehr Geld brauche um mehr Dinge kaufen zu müssen? Und hier sind wir wieder bei Dan Gilbert: Weil ich sonst nicht konsumiere.
Ein interessanter Aspekt ist hier, dass sich Kahnemann in seinem Bericht auf die amerikanischen Ergebnisse stützt. Gallup hat die Untersuchung international durchgeführt. Für die Amerikaner lässt sich aber sagen, dass übermäßiger Konsum sie nicht glücklich macht – und das in einem Land, das wie kein anderes westliches Land auf Konsum geeicht ist. Die Amerikaner predigen also Konsum, müssen aber eingestehen, dass er sie nicht glücklich macht.

6.

Prof. Dr. Gerald Hüther ist Neurobiologe. In seinem auf Youtube zu findendem Vortrag zum Thema „Glücksgefühle“ nennt er zwei Grundtriebe des Menschen, zwei Urwünsche, die sich bereits im Mutterleib entwickeln: Verbundenheit, also Dazugehören zu einem Menschen, einer Gruppe, der Gesellschaft. Und Freude haben am entdecken, am Entwickeln, am Lernen, am Tun. Wenn der Mensch in seinem Leben beides kann, dieses verbunden sein und gleichzeitig fri sein, dann geht es ihm gut. Und siehe da, dies sind doch eben jene beiden Motivationen, die wir noch bei kleinen Kindern beobachten können: Spaß haben an den Dingen die sie tun und Kontakt zu Menschen, zu ihnen wichtigen Menschen.
Aber der Mensch ist ja ein lernbegabtes Wesen. Und so geht er in die Welt und versucht glücklich zu werden und er versucht umzusetzen was er im Bauch seiner Mutter gelernt hat, nämlich zu wachsen, zu lernen, was das Gehirn nunmal nur kann, wenn es Freude hat an dem was es tut. Und er versucht fest und sicher gebunden zu sein. Und das gelingt nicht. Zumindest nicht immer. Oder vielleicht sogar selten. Und das ist eine schlimme Sache, denn ohne Glücksgefühle kann der Mensch nicht leben und wenn et sie nicht bekommt indem er seine Urwünsche erfüllen kann, dann sucht er sich Ersatzbefriedigungen, dann sucht er sich etwas anderes, das nicht so gut ist, das vielleicht sogar überflüssig oder im schlimmsten Fall schlecht ist, Hauptsache es vermittelt ihm für eine kurze Zeit ein Glücksgefühl. Und an diesem Punkt nähert sich Hüther der Antwort auf die Frage, warum wir nicht glücklich werden. Es gibt nämlich Menschen, die ein Interesse daran haben, dass wir Ersatzbefriedigungen haben und diese brauchen. Es sind genau jene Menschen, die Werbung machen für jene Dinge, die sie uns verkaufen wollen

7.

Wir wissen, was uns glücklich macht. Wir wissen es als Babys die auf die Welt kommen, wir wissen es noch als kleine Kinder und die moderne Wissenschaft beweist uns, dass wir recht haben: Wir wollen Freude empfinden und dadurch lernen und wir wollen dazugehören. Und dann? Was passiert dann? Dann verlernen wir das. Und das ist kein automatischer oder zufälliger Prozess. Wir verlernen das, weil wir schlechte Erfahrungen machen und weil wir umerzogen werden, teils unbewusst, teils bewusst.
Wir müssen Dinge tun, die uns keine Freude machen. Und wir werden nicht so akzeptiert, wie wir sind. Beides passiert uns überall. In der Familie, im Freundeskreis, in der Schule. Und gleichzeitig bekommen wir Druck gemacht und falsche Ideale vorgehalten. In der Werbung, im Kino, ja überall bekommen wir gezeigt, wie wir zu sein hätten. Und in der Familie und in der Schule bekommen wir beigebracht, dass es in erster Linie darum geht Fähigkeiten zu erlernen, um später damit Geld zu verdienen. Und das macht für uns Sinn, denn mittlerweile haben wir gelernt, dass unser Streben nach Glück, the pursuit of happiness, so nicht funktioniert wie wir es uns wünschen und wenn wir also glücklich sein wollen, dann müssen wir uns Ersatzbefriedigungen leisten können und wenn wir dazu gehören wollen, dann müssen wir uns einfinden in dieses System, das uns eigentlich und leider unglücklich und krank macht.

8.

Hier stellt sich mir eine simple Frage: Warum? Warum um alles in der Welt passiert das? Warum können wir nicht einfach glücklich werden? Warum lernen wir, dass das was uns glücklich macht nicht erreichbar ist, warum lernen wir nicht wie wir es erreichen? Warum lernen wir, dass wir andere Dinge anstreben müssen, obwohl sie uns nicht glücklich machen und obwohl wir all das bereuen, wenn wir sterben? Wer tut uns das an? Oder anders gefragt: Wer profitiert von unserem Unglück?
Die einfache Antwort ist: Jene die davon profitieren, dass wir Arbeit, Zeit und Geld investieren in all die Ersatzbefriedigungen, die uns einen kleinen Glückskick geben und von denen wir abhängig werden. Und es profitieren jene, die von dem System profitieren, das all dies möglich macht, ja forciert.
Ich möchte keine Verschwörungstheorien aufstellen, aber kann es sein, dass verantwortlich für diese systematische Unglücklichmacherei die Chefs der großen Firmen sind und die politische Elite, die im Zweifelsfall nur die Wünsche jener Wirtschaftsbosse ermöglicht?
Das ist ein anderes Kapitel. Fakt aber ist, dass es uns schwer gemacht wird glücklich zu werden. Aber dass es gleichzeitig auch in unserer Hand liegt, das zu ändern.

 

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GOTT UND DIE GOUCHOS

Gouchos
Manchmal wünsche ich mir, dass es wirklich einen Gott gibt und dass man nach dem Tod wirklich vor ihm steht und er Gericht hält und einem die Sünden vorhält und dann wünsche ich mir, dass ich dabei bin wenn diese miesepetrigen kleinlichen Wutbürgerchen von Journalisten mit ihren spaßbefreit-verklemmten Hanswürstchen von Korrektsprechgutmenschen vor Gott stehen und der dann, nur so aus Spaß, genauso kleinlich und verbohrt ist wie diese es ihr Leben lang waren und dann wird Gott da stehen und jeden verfluchten Mäusefurz von einer lässlichen Sünde aufzählen und Mühe haben sich das Lachen zu verkneifen und ich werde mich prustend lachend auf dem Boden wälzen, wärend die Angeklagten sich vor Angst in die Hosen pissen und sich fragen warum Gott sich selbst nicht mal einen guten Mann sein lassen kann und es wird pro kleinem Sünder ein ganzes Jahrhundert dauern jeden Fliegenschiss aufzuzählen und dann wird Gott sagen, dass da ja ne ganze Menge zusammen kam und er wird nachdenken und dann grinsen und dann sagen, man solle mal nicht glauben dass Der Liebe Gott keinen Humor habe und dass alles ok sei, die einstmals so wütend-korrekten Deutschen dürften gerne mitkommen in den Himmel, da sei jeder willkommen, das sei so ein bisschen wie Fußball, nur gebe es beim Eintritt in den Himmel eine einzige, eine klitzekleine Bedingung, denn man müsse ihm, dem Lieben Gott, das hier jetzt nachmachen, mehr nicht, dann sei alles super, und dann beugt Gott ein wenig den Rücken, die Hände in Richtung Boden bzw Wolken und dann wird er beim Eintritt in den Himmel ein lustiges Liedchen singen und ich glaub ich weiß welches.

 

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ICH BIN WELTMEISTER

UND STOLZ DRAUF

Weltmeister

Jetzt kommen sie wieder alle, die vermeindlich politisch Korrekten, die kleingeistig Verbohrten, die unentspannt Nüchternen und wollen uns sagen, dass es falsch sei jetzt zu behaupten, man sei Weltmeister und dass es verwerflich sei, auch noch stolz darauf zu sein. Sie sagen, man könne nicht Weltmeister sein, weil man ja nicht gespielt habe, in Brasilien. Und man könne auch nicht stolz sein, weil man ja nichts beigetragen habe zum Weltmeistertitel. Und überhaupt sei Stolz eine schlimme nationalistische Sache.

Ich sag mal so: Das ist Eure Meinung und es ist vollkommen ok, so zu denken. Wenn Ihr Euch aber moralisch überlegen gebt und stilisiert als die Wahrer der einzigen Wahrheit und wenn ihr auf uns Weltmeister runter schaut, dann sage ich Euch: Bullshit! This is your truth. Here is mine.

Haben wir Fans der Nationalmannschaft wirklich nichts beigetragen zum Sieg? Doch haben wir, jeder Einzelne von uns. Wir haben mitgefiebert, Trikots getragen und all jene Stimmungen und Bilder generiert, die unser Team in Brasilien mitbekommen hat. Und ja, dabei war ich nur einer von Millionen, aber das bin ich auch wenn ich zur Wahl gehe. Mir zu sagen, dass ich nichts zur Weltmeisterschaft beigetragen habe bedeutet auch, dass ich nicht mehr wählen gehen muss. Bringt ja nix, sagt ihr. Und das ist Quatsch.

Aber ihr sagt, dass es völlig unwichtig ist, was die Fans machen. Wichtig sei allein die Mannschaft auf dem Platz und ihr Team daneben. Aber ist das so? Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn es uns Fans nicht gäbe.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel wird Jogi Löw gefragt, ob er hoffe, dass ein möglicher WM Titel in Deutschland endlich für Fußballbegeisterung sorgen könne. Und Jogi sagt, dass das zwar schön sei, aber man müsse sich voll auf sich selbst konzentrieren. Es sei in Deutschland nunmal nicht so wie in Holland, England oder Brasilien, wo man wisse, dass das ganze Land hinter einem stehe.

Die Spieler laufen ins Stadion ein. Es gibt keinen Applaus, keine Anfeuerungsrufe, keine deutschen Gesänge, Trikots oder Fahnen. Es gibt nur ein Meer argentinischer Fans. Mit argentinischen Gesängen. Die deutsche Mannschaft ist allein in Maracana. Aber das ist sie immer. Die deutschen Stadien sind klein und leer. Und im Ausland gibt es nur Fans der anderen Mannschaften. Für die DFB Spieler ist das traurig und beklemmend.

Zuhause in Deutschland versammeln sich die Leute vor dem Fernseher. Um Tatort zu gucken. Das WM Finale wird nur auf Sky für Abonnenten gezeigt. Public Viewing gibt es nicht. Vor dem Brandenburger Tor fahren die Autos und Touristen fotografieren sich gegenseitig. Sonntag Abend in Berlin halt.

In Kreuzberg gibt es eine Kneipe, in der das Spiel gezeigt wird. Wenn du als Deutscher da rein gehst, freuen sich die Türken und Spanier und Argentinier, die dort sitzen über dich. Aber sie wundern sich auch. Was macht der Deutsche hier beim Fußball? Und überhaupt: Was ist los mit den Deutschen? Was ist ihr Problem? Wieso freuen die sich nicht, dass ihr Land im Finale steht? Komische Leute…

Das Spiel beginnt und es endet und Deutschland gewinnt oder verliert und es ist ganz gleich. Die Nachrichten berichten darüber kurz vor dem Wetter. Live Bilder gibt es nicht, nur ein Foto.

Man hört keine Böllerschüsse in Berlin, die Straßen in Köln bleiben leer und ruhig, die Zeitungen bringen am nächsten Tag keine Bilder glücklicher oder trauriger Menschen. Es bleibt still im Land. Still und nüchtern und völlig vernünftig.

Schade.

Ich glaube nicht, dass Deutschland so Weltmeister geworden wäre. Ich kann natürlich das Gegenteil nicht beweisen. Aber es fällt mir schlicht schwer zu glauben, dass sich Jungs auf dem Bolzplatz messen, um mal groß zu werden und Weltmeister einer Nischensportart zu werden und dann auch noch besser zu sein als all jene Spieler aus jenen Ländern, bei denen das alle Jungs wollen und damit zu Stars werden und reich und unsterblich. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die deutsche Mannschaft mithalten könnte mit Argentinien, wenn es uns Fans nicht gäbe.

Fänd ich schade.

Ich liebe Fußball. Ich bin Fan der Nationalmannschaft. Ich war nervös wie Hölle vor den Spielen. Ich habe ein Trikot gekauft. Ich habe nervös geraucht, getrunken, geschrien, bin im Zimmer auf und ab gegangen, bin in die Luft gesprungen, habe meine Freundin geküsst und umarmt und mir war ganz schwindelig vor Glück.

Ich bin Weltmeister! Und ich bin stolz darauf!

Und meine Mannschaft ist stolz auf mich. Ich bin Teil dieses Vereins, dieser Mannschaft, dieses Landes, weil ich es will und weil ich es sein darf und das darf jeder. Das muss man nicht wollen, das kann man auch lassen, aber es macht mich glücklich und ja, es macht mich auch stolz. Wir können was schaffen, wenn wir wollen. Now how great is that!?

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PAULA LAMBERT VS SOHO HOUSE

P.L. GLEICH HINTERM PFEILER

Paula Lambert

Ungefähr so muss sich eine Band fühlen, die bisher nur in England und Italien aufgetreten ist und nun auf einer deutschen Bühne steht, vor sich, durch das blendende Licht der Bühnenbeleuchtung kaum zu sehen aber doch mehr als deutlich zu spüren: Das Publikum, still, regungslos und frei von jeder Reaktion und Emotion. Da steht man auf der Bühne und fragt sich, ob man zwar der einzige im Raum ist, dessen Name auf den Plakaten steht – aber auch der einzige, der hier falsch ist.
Paula Lambert stellt ein Buch, ihr Buch vor und das soll lustig sein und ist es auch, aber meine Art auf Humor zu reagieren, mit lachen, wird hier nicht goutiert von einem Publikum, das sich den Scheitel mit der Rasierklinge kämmt und die Zara Klamotten trägt als seien sie aus selbsterlegtem Robbenfell.
Der Barkeeper ist von jener Sorte, die die Hierarchie von “Du Kunde und König” neuinterpretiert als “ihr Hunde, ich König”. Keinen Cent Trinkgeld bekommst du, du Hund. Ha!
Willkommen im Soho House, dem Destilat all dessen, was Berlin zu solch einem Loch macht.

Und man möchte Paula Lambert gern unterhaken und unterstützen, ihr das Lampenfieber nehmen und Spaß wünschen, denn es ist natürlich schwierig was Eigenes und Kreatives zu präsentieren und ich wünschte, irgendjemand würde mal kräftig furzen und dann alle lachen und dann ab dafür, riecht streng aber jetzt wirds lustig. Aber nix da.

Dabei hat Frau Lambert viel zu sagen und einiges vorzulesen. Und ihre Hausaufgaben hat sie gemacht und aufgeschrieben und das ist mal laut lachend lustig, mal kichernd, mal hoppla erwischt und da steckt neben Humor auch Witz drin und Wissen, was ja den Humor erst zum Witz macht – aber es verfängt sich nicht, nicht hier, im Keller in den niemand zum Lachen geht. Schade. Ich hätte mich so gern amüsiert. Über die hundert mal gehörten und selten so charmant belächelten Probleme zwischen Männer und Frauen. Ich hatte und habe Lust auf die Cliches die ich selber bin und die Wahrheiten, die Forscher beobachten und ich selber erleide und ich hätte mitgelacht und noch ein Bier bestellt.

So aber wars bizzar, denn da sitzt die Autorin und wir sehen sie und tuscheln uns zu, dass sie bestimmt und garantiert voll sympathisch, nett und normal ist, aber damit kann man in unserer Welt punkten, nicht im Soho House und ich bin froh, dass es um ein Buch geht, das kann ich also kaufen und freu mich drauf. Aber Geld ausgeben um Mitglied eines Clubs zu sein in dem man Leute trifft, die man gar nicht sehen will? Da kann ich auch zum FC Bayern gehn.

Das Buch ist ja meist besser als der Film und gewiss auch als die Buchpräsentation, die nur so gut ist wie ihr Publikum es zulässt und hab ich hiermit nun eben diesem Publikum auf die Füße getreten, dann hab ich heut abend immerhin noch getanzt.

 

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LEHRER MÜSSEN MILIEUSTUDIEN IGNORIEREN

EINE BEWEISFÜHRUNG

Milieustudien

1. Lehrer unterwerfen sich bewusst dem Primat der Hererogenität

2. Die Arbeit des Lehrers zielt auf den einzelnen Schüler, nicht die Klasse oder gar die Gesellschaft.

3. Der Lehrer erkennt und fördert den Schüler gemäß seiner individuellen Fähigkeiten und Lebenssituation.

4. Milieustudien sind stets weil gegenstandsbedingt verallgemeinernde Beschreibungen größerer Gruppen.

5. Eine 1:1 Spiegelung eines Milieus bei einem Individuum ist mindestens selten.

6a. Rückschlüsse vom Milieu auf den Schüler sind mit zu großen Ungenauigkeiten und Fehlerrisiken verbunden.

6b. Das Primat der Heterogenität fordert eine Betrachtung des Schülers auf Basis des Schülers.

7. Milieustudien haben für die Arbeit des Lehrers keinen Nutzen und können zu Fehleinschätzungen führen.

8. Lehrer müssen Milieustudien ignorieren.

q.e.d.

zu 1.:
Heterogenität ist die Basis aller Praxis des Lehrers. Die SuS sind heterogen, sie sind verschieden, sie unterscheiden sich in nahezu jedem Detail ihrer Existenz. Dies hat ganz konkrete und ergo subjektive Auswirkungen auf ihr Leben, auch in der Schule, also auf ihre Vorkenntnisse, Interessen, Charaktere und bevorzugte Lernszenarien. Lehrer sind sich bewusst, dass idealerweise jeder Schüler gemäß seiner Individualität unterrichtet, gefördert werden sollte.

zu 2.:
Somit ist Ziel des Unterrichtens nicht die Schulklasse als Ganzes zu unterrichten, sondern die einzelnen Schüler innerhalb eines Klassenverbundes. Auch zielt die Arbeit des Lehrers nicht darauf ab die Gesellschaft zu verändern oder gar zu verbessern, sondern die einzelnen Schüler der jeweiligen Klasse gemäß ihrer Individualität gezielt und konkret wahrzunehmen und entsprechend mit ihnen zu arbeiten. Die Auswirkungen auf die klasse als Ganzes oder die Gesellschaft sind hierbei sekundär und i.d.R. nur Folge der individuellen Arbeit mit dem einzelnen Schüler.

zu 3.:
Aufgabe des Lehrers ist es also sich von jedem einzelnen Schüler ein möglichst genaues Bild zu machen, ihn in seiner facettenreichen Individualität zu erkennen, verstehen und fördern. Kein Schüler ist gleich, alle sind verschieden und jeder hat das Recht als eigenständiges Individuum erkannt und geföertert zu werden. Eine genau Betrachtung jedes einzelnen Schülers ist somit unabdingbar.

zu 4.:
Milieustudien versuchen sich in einer möglichst genauen verallgemeinerndn Beschreibung der Gesellschaft. Für Aufgaben, die auf die Gesellschaft abzielen ist eine Sortierung in größere Gruppen mit möglichst genau beachriebenen Gemeinsamkeiten notwendig. Nicht nur ist ein Bezug auf das Individuum hier praktisch unmöglich, es widerspricht auch dem Ziel die Geselschaft als Ganzes bzw ihre einzelneen Gruppen, hier Milieus, zu analysieren undafuf diese einzuwirken. Unschärfen und Verallgemeinerungen sind nötig und sinnvoll.

zu 5.:
Schließe ich von einer verallgemeinernden Milieubeschreibung auf ein Individuum in diesem Milieu, so wird es i.d.R. eine Reihe von Merkmalen geben, die nicht deckungsgleich sind. Das Individuum wird qu seiner Milieuzugehörigkeit eine Reihe von Übereinstimmungen mit den Milieukritierien und den anderen Individuen des Mileus aufweisen, aber auch zahlreiche individuelle Unterschiede, die sich auf nahezu jeden Aspekt des Milieus beziehen können.

zu 6a.:
Somit ist es zwar möglich aber wenig hilfreich von einer sehr allgemeinen, die ganze Gesellschaft, das ganze Land, ja vielleicht die ganze Welt beschreibenden Milieus Rückschlüsse zu ziehen auf das Individuum in einer bestimmten Stadt, einer bestimmten Straße, einer bestimmten Klasse. Parallelitäten zwischen Milieu und Schüler haben den Charakter von Zufallstreffern. Es gibt sie, aber sie sind nicht im Vorfeld erkennbar.

zu 6b.:
Wenn ich den einzelnen Schüler ernst nehme im Wissen ihm nur gerecht werden zu können wenn ich ihn individuell betrachte, so unterscheidet sich dieses Vorgehen fundamental von der Arbeit mit Milieustudien.

zu 7:
Eine Milieustudie an den Beginn meiner Überlegungen zu einem Schüler zu stellen ist nicht hilfreich. Die Rückschlüsse auf den Schüler sind nicht sicher, der individuelle Schüler kann sich just in jenen Aspekten seines Milieus unterscheiden, die ich als Lehrer im Auge habe. Ja er kann sich sogar in einem komplett anderen Milieu befinden als ich annehme. Eine individuelle Betrachtung des Schülers und zwar milieuunabhängig bleibt dem Lehrer also so oder so nicht erspart. Zumal die Kenntnisse über Milieukriterien meine individuelle Betrachtung des Schülers negativ beeinflussen können. Vielfach wurde nachgewiesen, dass das Überprüfen einer wissenschaftlichen These die Überprüfungsergebnisse dahingehend beeinflusst, dass im Stile einer self fullfilling prophecy die Annahme das Ergebnis unterbewusst beeinflusst. Schaue ich also, welche Milieukriterien auf einen Schüler zutreffen, so laufe ich Gefahr Dinge zu sehen, die es so vielleicht gar nicht gibt.

zu 8:
Milieustudien sind für die Arbeit des Lehrers also nicht nur wenig hilfreich, sie bergen auch große Risiken, die letztlich dem Schüler zum Nachteil gereichen können. Milieustudien ersparen es mir in keinem Fall den Schüler individuell zu betrachten, sind also mindestens ein Mehraufwand. Zugleich können sie aber auch zu Fehleinschätzungen führen und verallgemeinernden Tendenzen im Denken des Lehrers bewusst oder unbewusst verstärken oder gar erst entstehen lassen.
Somit sind Milieustudien bei der Arbeit des Lehrers unbedingt zu vermeiden.

Arbeit mit Milieustudien ist Arbeit mit Vorurteilen.
Heterogenität ist enorm viel Arbeit. Wenn ich diese nicht erbringen will oder kann und für beides gibt es viele gute Gründe, so muss ich mir mindestens bewusst sein über die großen Probleme von Milieus.

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GTA V – MEHR IST NICHT BESSER

GTA V

Endlich, das neue Grand Theft Auto ist da und ja, ich bin morgens gleich hin und habs gekauft und habe den Tag ganz hibbelig verbracht, weil ich es nicht abwarten konnte abends zu spielen. So ist das eben mit Vorfreude und großen Erwartungen. Und wie so häufig – Erwartungen können enttäuscht werden.

Ja, GTA V ist bestimmt ein gutes Spiel. Ja, es ist ganz bestimmt besser als die allerallermeisten anderen Spiele auf dem Markt. Aaaaber….

Ich habe jetzt die ersten Runden und Missionen gespielt und bin, nun, ein wenig ernüchtert.

Die Macher haben einen Fehler gemacht, den viele Spieleentwickler machen, die Serientitel veröffentlichen. Die Fortsetzungen ihrer Spiele zeichnen sich oft durch eines aus: Mehr!

“Mehr” ist gut wenn es um Schokoladenkuchen geht. “Mehr” ist gut wenn es um Geld geht. Oder Liebe meinetwegen. Aber bei Computerspielen ist “mehr” ok, aber entscheidend ist “besser”.

Aber GTA V bietet vor allem “mehr”. Mehr Funktionen. Mehr Orte. Mehr Charaktere. Mehr In-Games wie Tennis und soß Aber “mehr” bringt nix, wenn es das Spiel nicht besser macht.

Mehr Funktionen machen das Gameplay komplizierter. Ich habe bei GTA IV nichts vermisst. Mehr Orte beeindrucken mich, weil die Entwickler sich solche Mühe gegeben haben. Aber das Spiel wird so nur marginal verbessert. Mehr Charaktere bieten mehr Möglichkeiten. Aber nur, wenn die einzelnen Charaktere auch jeweils die Tiefe und Klasse von Nico Belic haben.

Ja ich kann es nicht verheimlichen: Bei Spielen geht es mir letztlich in erster Linie um das subjektive, vielleicht sogar emotionale Spielempfinden. Wenn ich Fifa spiele will ich gepackt werden von der Spannung des Spiels, der Authenzität der Atmosphäre. Das hat nichts zu tun mit Grafik oder Originalmannschaften, sondern mit Gameplay, Spieldichte.

Und da war und ist GTA IV unerreicht. Der Hauptcharakter ist eine so glaubwürdige, spannende Figur, seine Geschichte, seine Motivation so echt und dicht. Die Welt von Liberty City eine so arsch coole gelungene facettenreiche und clever ironische Version von New York, dass ich ein ums andere mal fasziniert war von der Schlauheit der Macher. Ich habe GTA IV gespielt wie ich einen perfekten Film gucke oder ein irre gutes Buch lese. So schlau, so lustig, so spannend, so überraschend, so irre irre gut!

Wäre das Spiel besser geworden, wenn die Stadt größer gewesen wäre? Wenn Nico mehr Funktionen auf meinem Controller gehabt hätte? Nö. Kein Stück. Und jetzt kommt GTA V.

Die Ladesequenz sieht aus wie beim Vorgänger. Und der ist ein paar Jahre alt. Das Intro, das die Charaktere vorstellt, ist ein uninspirierter Raub ohne Esprit und Tiefgang oder gar Story. Die eingeführten Charaktere sind interessant, aber nicht fesselnd. Die Straßen von Los Santos irgendwie leblos. Und wo ist denn die ironische Interpretation der amerikanischen Gesellschaft geblieben?

Ich spiele GTA V jetzt also weiter in der Hoffnung, dass der große Aha-Moment kommt. Dass ich vor dem Bildschirm sitze und denke : Fuck, krasser scheiß! So wie es beim Vorgänger am laufenden Band war. Aber den Einstieg haben die Leute von Rockstar vermasselt. Schade.

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WIR SIND ALLES KREATIONISTEN

UND GLAUBEN AN DEN LIEBEN GOTT

Kreationismus

Die blöden Amis

Was lachen wir nicht gern von oben auf die Amerikaner herab, weil sie so naiv religiös sind. Besonders lustig sind da jene christlichen Fundamentalisten, die sich Kreationisten nennen und doch tatsächlich glauben, dass das was in der Bibel steht auch stimmt, also wortwörtlich! Dass also Gott die Welt geschaffen habe in einer harten sechs-Tage-Woche inklusive Bergen, Meeren, Pflanzen, Tieren und, um der Sache die schöpferische Krone aufzusetzen, den Menschen. Das alles ist so so absurd und fern von Beweisbarkeit, dass nicht einmal der Papst an sowas glaubt – und dessen Glaube ist ja legendär!

Triumph der Aufklärung – not

Hier in Deutschland, wenn nicht gar in ganz Europa, sehen wir das anders, nämlich viel wissenschaftlicher, aufgeklärter, nüchterner. Wir sehen in der Welt Urknall und Evolution und Anpassung und Survival of the Fittest und Darwin, Raumzeitkrümmung und dergleichen mehr. Also eigentlich. So im Prinzip.

Lustig aber wirds, wenn wir, vermutlich ohne es zu bemerken, unsere Überzeugungen praktisch anwenden und ganz besonders lustig, ja lachhaft wird es, wenn wir versuchen Kindern die Welt zu erklären.

“Papa, warum hat die Giraffe so einen langen Hals?”
“Damit sie besser an die Blätter am Baum kommt.”
“Papa, warum hat der Tiger Streifen?”
“Damit er sich bei der Jagd besser verstecken kann.”
“Papa, warum haben die Vögel die Augen and der Seite vom Kopf?”
“Damit sie besser sehen wenn sie angegriffen werden.”

Und so geht das in einem fort. Und immer verfahren wir nach der gleichen Strategie. Wir erklären das Wesen der Dinge von ihrem Zwecke her, wir denken die Welt also von ihrem Ende und schließen darauf auf ihren Anfang, wir setzen einen Sinn voraus, der die Entwicklung dahin bestimmt hat. Und das ist nicht mehr und nicht weniger als religiös, spirituell, ja kreationistisch!
Ob wir da nun sagen, dass der liebe Gott das so gemacht hat oder die Natur, die ja nur eine Metapher für eine höhere Gewalt ist bei dieser Art der Argumentation, ist völlig gleich. Manchmal nennen wir es auch Schicksal oder den Gang der Dinge, immer aber argumentieren wir von vorne nach hinten zurück. Ha! Bzw. pah!

Korrektsprech

Wenn wir es ernst nehmen würden mit unseren Ideen von der Welt, müssten wir ganz anders reden.

“Papa, warum hat die Giraffe so einen langen Hals?”
“Keine Ahnung, mein Kind, Zufall, aber so kommt sie immerhin besser an die Blätter, was ja ein Vorteil ist.”
“Papa, warum hat der Tiger Streifen?”
“Zufall, der sich im Laufe der Evolution aber als Vorteil fürs Überleben heraus gestellt hat.”
“Papa, weißt du warum die Vögel ihre Augen an der Seite vom Kopf haben?”
“Nö, du?”
“Nö, ich auch nicht, aber ist schon irre praktisch, weil sie so ja ihre Feinde besser entdecken, wenn die sich anschleichen!”

Gott, why not?

Nun ist es ja gar nicht schlimm, so zu reden wie wir es immer und eigentlich tun, also einen Sinn in den Details der Natur zu sehen und ihn notfalls in sie hinein zu interpretieren. Warum nicht einen Plan hinter allem vermuten? Warum nicht einen Sinn, eine höhere Gewalt, einen Gott gar? Vielleicht macht dass ja Sinn, ja vielleicht macht alles eben nur so Sinn. Und wenn die größten Wissenschaftler unserer Zeit häufig religiös sind, scheint es gute Gründe dafür zu geben Einstein zuzustimmen und ebenso zu glauben, dass Gott nicht würfelt.
Blöde, ja lächerlich ist es aber, auf der einen Seite die amerikanischen Kreationisten auszulachen und auf der anderen unseren Kindern die Welt so zu erklären, wie wir es tun. Aber vielleicht hat der liebe Gott ja auch Humor und sich das alles ganz genau so ausgedacht,

 

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DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN

EINE KLEINKARIERTE KRITIK

Rost

Spoiler Soiler Spoiler

Eigentlich bin ich ja nicht so picky bei Filmen. Dafür seh ich einfach zu wenig. Und hab auch nicht genug Ahnung. Aber manchmal da frag ich mich doch mal was. Zum Beispiel bei “Der Geschmack von Rost und Knochen”, den ich vor ein paar Tagen im Kino gesehen habe. Ein guter Film? Ja. Aber ein Meisterwerk? Nein. Und warum? Also, jetzt werden Korinten gekackt.

Ali

Ali ist die männliche Hauptfigur des Films, ein wenig schlauer Haudrauftyp. Mit Muskeln zwar, aber durchaus auch mit Wampe. Und der steigt mal so mir nichts dir nichts in illegale no-limits Kämpfe ein und gewinnt auch prompt? Ungeübt, untrainiert? Und schafft es sogar in ein ganz offizielles professionelles Boxteam, so mit einheitlichen Trainingsanzügen? Und bekommt direkt einen großen Kampf? Und gewinnt auch den? Trotz gebrochener Finger?

Stéphanie

Die weibliche Hauptfigur. Ok, aber wieso agiert sie im luftleeren Raum? Wo ist ihr soziales Umfeld, ihre Familie, ihre Freunde, ihre Geschichte? Nicht einmal auf den Fotos mit ihren geliebten Walen sieht sie glücklich aus. Ich werd aus ihr im ganzen Film nicht schlau und habe nicht den Eindruck, dass das Absicht ist.

Armand

Das ist Alis kleiner Sohn. Und der ist drei Stunden lang tot. Und dann lebt er wieder, den Ärzten sei Dank. Nun bin ich kein Arzt und kenn mich mit sowas nicht aus, aber wenn man drei Stunden lang tot ist, braucht es da nur ein paar Stunden im Krankenhaus, um wieder völlig hergestellt zu sein? Geht das?

der Unfall

Ich habe gelernt, dass Wasser und Elektrizität keine dicken Freunde sind. Aber als der Wal bei der Showvorführung die ganzen Aufbauten zertrümmert und alle Kabel und Lampen und der ganze Kram ins Wasser fallen – also ich hätte da irgendwelche Blitze oder elektrischen Entladungen erwartet und tote Tiere.

nochmal Stéphanie

Sie verliert ihre Unterschenkel und ist entsprechend deprimiert, verbringt Tage wortlos und traurig im Krankenhausbett. Und als wir sie dann wieder von vorne sehen, da hat sie keine verheulten Augen. Dabei hätten sie und ihre Augen doch allen Grund gehabt.

Ali und Armand

Großer Wert wurde darauf gelegt zu zeigen, dass beide immer Dreck unter den Nägeln haben. Bewusst eingefangen in diversen Einstellungen und das passt ja auch zu den Charakteren. Aber warum sind die Nägel selbst dann so perfekt manikürt? Klar, ein Fighter hat kurze Nägel und die Tante schneidet sie dem Jungen, aber so fesch sehen die dann ja auch nicht immer aus.

Marion Cotillard

Wieso war sie nicht so wunderschön wie ich dachte dass sie sei? Wegen der fehlenden Unterschenkel? Geschenkt. Aber vielleicht fehlte mir da einfach ein wenig Make Up. Und ein schickes Kleid. Und vielleicht bin ich da einfach irre oberflächlich, aber wenns um Kinoschönheiten geht dann ja, dann bin ich das.

Ergo

Der Film hatte schöne Momente, viele sogar und die Geschichte ist eine rührend romantische Liebesgeschichte. Aber nein, er hat mich, auch wenn er mich noch immer beschäftigt, nicht emotional weggehauen. Vermutlich war ich dafür zu sehr damit beschäftigt Haare zu spalten. Vielleicht ist auch die erste Reihe im Kino kontraproduktiv in Sachen emotionales Wegblasen. Aber trotzdem: Ein bisschen mehr hätte es halt schon sein dürfen.
Ach und: Wie sie der Cotillard die Beine wegretuschiert haben, das war schon toll gemacht. Ist das die selbe Effektschmiede die die Hobbits schrumpfen lässt?
 

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WIE ICH LERNE EIN FREIHEITSKÄMPFER ZU SEIN

DIE RADIKALE FREIHEIT IN DEN KÖPFEN DER HU DOZENTEN

Freiheitskämpfer

Ich habe Anglistik und Philosophie an der Universität Bonn studiert, beides plus Germanistik an der Universität Trier, Europäische Literatur und Deutsche Literatur am University College London, ich habe ein Jahr Italienisch gelernt, das große Latinum gemacht und bin vor all dem in Mayen zur Grundschule gegangen und habe dort am Gymnasium in Deutsch, Englisch, Sozialkunde und Biologie mein Abitur gemacht.

An keiner dieser Institutionen, in keinem Fach und bei keinem Lehrer oder Dozenten habe ich erlebt, was mir seit diesem Oktober in regelmäßiger Selbstverständlichkeit in der Grundschulpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin begegnet.

Home of the free, land of the brave

Die Freiheit des Denkens der Lehrenden und ihre immanente wie geäußerte Aufforderung zu hinterfragen, kritisch zu durchleuchten und eigene Positionen zu beziehen habe ich in dieser Omnipräsenz noch nie und nirgends erlebt. Es ist eine Freiheit der Gedanken die so faszinierend ist, dass sie fast unwirklich scheint und beinahe schon skeptisch machen könnte – dies aber zum Glück nicht tut.

In meiner bisherigen Schul- und Studiumslaufbahn habe ich Wissen und Wissenschaft immer erlebt als das Vermitteln von Wahrheiten. Entscheidend war es, Wissen anzuhäufen und dieses möglichst ohne Kopieverluste reproduzieren zu können. Auf eine Frage gab es eine Antwort. Platz für neue Gedanken war dort, wo es noch keine Antworten oder noch keine Fragen gab. Klausuren waren eine berechenbare Transaktion von Wissen. Wissen selbst galt als gesichert.

Anders nicht an der HU, aber im Bereich Grundschulpädagogik.

i.g.

Ein paar Beispiele sollen dies verdeutlichen.

In der Fachdidaktik des Zweitfaches Englisch eröffnet der Dozent nicht nur die Möglichkeit, Fachliteratur zu kritisieren und die Ergebnisse der Wissenschaftler anzuzweifeln, sondern viel radikaler noch die Texte selbst neu zu interpretieren, also dem geschriebenen Worten eine neue, andere Bedeutung zukommen zu lassen. Quasi so als würde man sagen: “Der Text sagt zwar, dass a plus b c ist, aber gemeint ist, dass a plus b d ist. Steht ja so im Text.” Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine radikale freie Denke.

In allgemeiner Grundschulpädagogik haben wir einen Text zu lesen in der Hoffnung der Dozentin, ihn zu durchschauen und als schlecht, ja falsch in seinen Ergebnissen zu entlarven. Dies mit dem Ziel uns in Kritikfähigkeit allem, auch der Dozentin selbst gegenüber zu schulen.

In Mathematik bekommen wir abstruse Lösungswege zum Erreichen eines Rechenergebnisses präsentiert. Es dauert ungemein lange diese zu verstehen und soll uns aufzeigen, dass selbst ein korrektes Ergebnis viele uns als Gelehrte unbekannte Wege dorthin haben kann.

In all diesen Beispielen und sie ließen sich leicht ergänzen wie in allen Veranstaltungen wird deutlich, dass die Studierenden aufgefordert sind kritisch zu bleiben und sich die Dozenten selbst in die doch im Grunde unbequeme Situation bringen immerzu hinterfragt und kritisiert zu werden. Was eine zusätzliche Belastung sie hierdurch doch eingehen.

Und wieviel Mehrarbeit sie sich machen. Wenn sie postulieren, dass es viele Wahrheiten gibt und jeder von uns seine eigene finden muss, so müssen sie dies auch bei jeder abgegebenen Semesterarbeit akzeptieren – und tun dies gerne, trotz des immensen Mehraufwandes.

Viel Lärm um… viel

Und dabei reden wir hier nicht von angehenden Raketenbauern oder Richtern oder Industriemagnaten. Wir reden vom Umgang mit und der Ausbildung von angehenden Grundschullehrern.

Kann man in Worte fassen, wie viel Idealismus in jedem dieser Dozenten stecken muss? Und ist die Aufgabe, auf die sie ihre Studenten vorbereiten klarer zu beschreiben als durch die Philosophie ihrer Seminare?

Die Radikalität in der wir frei denken sollen, die Mehrarbeit die dies von allen Beteiligten erfordert, die Last eine Position beziehen zu müssen, sich angreifbar zu machen und die immense Freude mit der all das passiert, die Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit, die Harmonie und der Respekt im Umgang miteinander, die Offenheit und Ruhe mit der all das geschieht, all dies hat einen Grund und ein Ziel und es sind nicht die Dozenten und es sind nicht die Studenten und zukünftigen Grundschullehrer, nein, es sind die Grundschüler, die Jungs und Mädchen die wir unterrichten werden und es ist die Hoffnung aus diesen Menschen gute Menschen zu machen.

Was eine Mammutaufgabe, an derem allerersten Anfang ich erst stehe.

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