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PAULA LAMBERT VS SOHO HOUSE

P.L. GLEICH HINTERM PFEILER

Ungefähr so muss sich eine Band fühlen, die bisher nur in England und Italien aufgetreten ist und nun auf einer deutschen Bühne steht, vor sich, durch das blendende Licht der Bühnenbeleuchtung kaum zu sehen aber doch mehr als deutlich zu spüren: Das Publikum, still, regungslos und frei von jeder Reaktion und Emotion. Da steht man auf der Bühne und fragt sich, ob man zwar der einzige im Raum ist, dessen Name auf den Plakaten steht – aber auch der einzige, der hier falsch ist.
Paula Lambert stellt ein Buch, ihr Buch vor und das soll lustig sein und ist es auch, aber meine Art auf Humor zu reagieren, mit lachen, wird hier nicht goutiert von einem Publikum, das sich den Scheitel mit der Rasierklinge kämmt und die Zara Klamotten trägt als seien sie aus selbsterlegtem Robbenfell.
Der Barkeeper ist von jener Sorte, die die Hierarchie von “Du Kunde und König” neuinterpretiert als “ihr Hunde, ich König”. Keinen Cent Trinkgeld bekommst du, du Hund. Ha!
Willkommen im Soho House, dem Destilat all dessen, was Berlin zu solch einem Loch macht.

Und man möchte Paula Lambert gern unterhaken und unterstützen, ihr das Lampenfieber nehmen und Spaß wünschen, denn es ist natürlich schwierig was Eigenes und Kreatives zu präsentieren und ich wünschte, irgendjemand würde mal kräftig furzen und dann alle lachen und dann ab dafür, riecht streng aber jetzt wirds lustig. Aber nix da.

Dabei hat Frau Lambert viel zu sagen und einiges vorzulesen. Und ihre Hausaufgaben hat sie gemacht und aufgeschrieben und das ist mal laut lachend lustig, mal kichernd, mal hoppla erwischt und da steckt neben Humor auch Witz drin und Wissen, was ja den Humor erst zum Witz macht – aber es verfängt sich nicht, nicht hier, im Keller in den niemand zum Lachen geht. Schade. Ich hätte mich so gern amüsiert. Über die hundert mal gehörten und selten so charmant belächelten Probleme zwischen Männer und Frauen. Ich hatte und habe Lust auf die Cliches die ich selber bin und die Wahrheiten, die Forscher beobachten und ich selber erleide und ich hätte mitgelacht und noch ein Bier bestellt.

So aber wars bizzar, denn da sitzt die Autorin und wir sehen sie und tuscheln uns zu, dass sie bestimmt und garantiert voll sympathisch, nett und normal ist, aber damit kann man in unserer Welt punkten, nicht im Soho House und ich bin froh, dass es um ein Buch geht, das kann ich also kaufen und freu mich drauf. Aber Geld ausgeben um Mitglied eines Clubs zu sein in dem man Leute trifft, die man gar nicht sehen will? Da kann ich auch zum FC Bayern gehn.

Das Buch ist ja meist besser als der Film und gewiss auch als die Buchpräsentation, die nur so gut ist wie ihr Publikum es zulässt und hab ich hiermit nun eben diesem Publikum auf die Füße getreten, dann hab ich heut abend immerhin noch getanzt.

 

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LEHRER MÜSSEN MILIEUSTUDIEN IGNORIEREN

EINE BEWEISFÜHRUNG

Milieustudien

1. Lehrer unterwerfen sich bewusst dem Primat der Hererogenität

2. Die Arbeit des Lehrers zielt auf den einzelnen Schüler, nicht die Klasse oder gar die Gesellschaft.

3. Der Lehrer erkennt und fördert den Schüler gemäß seiner individuellen Fähigkeiten und Lebenssituation.

4. Milieustudien sind stets weil gegenstandsbedingt verallgemeinernde Beschreibungen größerer Gruppen.

5. Eine 1:1 Spiegelung eines Milieus bei einem Individuum ist mindestens selten.

6a. Rückschlüsse vom Milieu auf den Schüler sind mit zu großen Ungenauigkeiten und Fehlerrisiken verbunden.

6b. Das Primat der Heterogenität fordert eine Betrachtung des Schülers auf Basis des Schülers.

7. Milieustudien haben für die Arbeit des Lehrers keinen Nutzen und können zu Fehleinschätzungen führen.

8. Lehrer müssen Milieustudien ignorieren.

q.e.d.

zu 1.:
Heterogenität ist die Basis aller Praxis des Lehrers. Die SuS sind heterogen, sie sind verschieden, sie unterscheiden sich in nahezu jedem Detail ihrer Existenz. Dies hat ganz konkrete und ergo subjektive Auswirkungen auf ihr Leben, auch in der Schule, also auf ihre Vorkenntnisse, Interessen, Charaktere und bevorzugte Lernszenarien. Lehrer sind sich bewusst, dass idealerweise jeder Schüler gemäß seiner Individualität unterrichtet, gefördert werden sollte.

zu 2.:
Somit ist Ziel des Unterrichtens nicht die Schulklasse als Ganzes zu unterrichten, sondern die einzelnen Schüler innerhalb eines Klassenverbundes. Auch zielt die Arbeit des Lehrers nicht darauf ab die Gesellschaft zu verändern oder gar zu verbessern, sondern die einzelnen Schüler der jeweiligen Klasse gemäß ihrer Individualität gezielt und konkret wahrzunehmen und entsprechend mit ihnen zu arbeiten. Die Auswirkungen auf die klasse als Ganzes oder die Gesellschaft sind hierbei sekundär und i.d.R. nur Folge der individuellen Arbeit mit dem einzelnen Schüler.

zu 3.:
Aufgabe des Lehrers ist es also sich von jedem einzelnen Schüler ein möglichst genaues Bild zu machen, ihn in seiner facettenreichen Individualität zu erkennen, verstehen und fördern. Kein Schüler ist gleich, alle sind verschieden und jeder hat das Recht als eigenständiges Individuum erkannt und geföertert zu werden. Eine genau Betrachtung jedes einzelnen Schülers ist somit unabdingbar.

zu 4.:
Milieustudien versuchen sich in einer möglichst genauen verallgemeinerndn Beschreibung der Gesellschaft. Für Aufgaben, die auf die Gesellschaft abzielen ist eine Sortierung in größere Gruppen mit möglichst genau beachriebenen Gemeinsamkeiten notwendig. Nicht nur ist ein Bezug auf das Individuum hier praktisch unmöglich, es widerspricht auch dem Ziel die Geselschaft als Ganzes bzw ihre einzelneen Gruppen, hier Milieus, zu analysieren undafuf diese einzuwirken. Unschärfen und Verallgemeinerungen sind nötig und sinnvoll.

zu 5.:
Schließe ich von einer verallgemeinernden Milieubeschreibung auf ein Individuum in diesem Milieu, so wird es i.d.R. eine Reihe von Merkmalen geben, die nicht deckungsgleich sind. Das Individuum wird qu seiner Milieuzugehörigkeit eine Reihe von Übereinstimmungen mit den Milieukritierien und den anderen Individuen des Mileus aufweisen, aber auch zahlreiche individuelle Unterschiede, die sich auf nahezu jeden Aspekt des Milieus beziehen können.

zu 6a.:
Somit ist es zwar möglich aber wenig hilfreich von einer sehr allgemeinen, die ganze Gesellschaft, das ganze Land, ja vielleicht die ganze Welt beschreibenden Milieus Rückschlüsse zu ziehen auf das Individuum in einer bestimmten Stadt, einer bestimmten Straße, einer bestimmten Klasse. Parallelitäten zwischen Milieu und Schüler haben den Charakter von Zufallstreffern. Es gibt sie, aber sie sind nicht im Vorfeld erkennbar.

zu 6b.:
Wenn ich den einzelnen Schüler ernst nehme im Wissen ihm nur gerecht werden zu können wenn ich ihn individuell betrachte, so unterscheidet sich dieses Vorgehen fundamental von der Arbeit mit Milieustudien.

zu 7:
Eine Milieustudie an den Beginn meiner Überlegungen zu einem Schüler zu stellen ist nicht hilfreich. Die Rückschlüsse auf den Schüler sind nicht sicher, der individuelle Schüler kann sich just in jenen Aspekten seines Milieus unterscheiden, die ich als Lehrer im Auge habe. Ja er kann sich sogar in einem komplett anderen Milieu befinden als ich annehme. Eine individuelle Betrachtung des Schülers und zwar milieuunabhängig bleibt dem Lehrer also so oder so nicht erspart. Zumal die Kenntnisse über Milieukriterien meine individuelle Betrachtung des Schülers negativ beeinflussen können. Vielfach wurde nachgewiesen, dass das Überprüfen einer wissenschaftlichen These die Überprüfungsergebnisse dahingehend beeinflusst, dass im Stile einer self fullfilling prophecy die Annahme das Ergebnis unterbewusst beeinflusst. Schaue ich also, welche Milieukriterien auf einen Schüler zutreffen, so laufe ich Gefahr Dinge zu sehen, die es so vielleicht gar nicht gibt.

zu 8:
Milieustudien sind für die Arbeit des Lehrers also nicht nur wenig hilfreich, sie bergen auch große Risiken, die letztlich dem Schüler zum Nachteil gereichen können. Milieustudien ersparen es mir in keinem Fall den Schüler individuell zu betrachten, sind also mindestens ein Mehraufwand. Zugleich können sie aber auch zu Fehleinschätzungen führen und verallgemeinernden Tendenzen im Denken des Lehrers bewusst oder unbewusst verstärken oder gar erst entstehen lassen.
Somit sind Milieustudien bei der Arbeit des Lehrers unbedingt zu vermeiden.

Arbeit mit Milieustudien ist Arbeit mit Vorurteilen.
Heterogenität ist enorm viel Arbeit. Wenn ich diese nicht erbringen will oder kann und für beides gibt es viele gute Gründe, so muss ich mir mindestens bewusst sein über die großen Probleme von Milieus.

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GTA V – MEHR IST NICHT BESSER

GTA V

Endlich, das neue Grand Theft Auto ist da und ja, ich bin morgens gleich hin und habs gekauft und habe den Tag ganz hibbelig verbracht, weil ich es nicht abwarten konnte abends zu spielen. So ist das eben mit Vorfreude und großen Erwartungen. Und wie so häufig – Erwartungen können enttäuscht werden.

Ja, GTA V ist bestimmt ein gutes Spiel. Ja, es ist ganz bestimmt besser als die allerallermeisten anderen Spiele auf dem Markt. Aaaaber….

Ich habe jetzt die ersten Runden und Missionen gespielt und bin, nun, ein wenig ernüchtert.

Die Macher haben einen Fehler gemacht, den viele Spieleentwickler machen, die Serientitel veröffentlichen. Die Fortsetzungen ihrer Spiele zeichnen sich oft durch eines aus: Mehr!

“Mehr” ist gut wenn es um Schokoladenkuchen geht. “Mehr” ist gut wenn es um Geld geht. Oder Liebe meinetwegen. Aber bei Computerspielen ist “mehr” ok, aber entscheidend ist “besser”.

Aber GTA V bietet vor allem “mehr”. Mehr Funktionen. Mehr Orte. Mehr Charaktere. Mehr In-Games wie Tennis und soß Aber “mehr” bringt nix, wenn es das Spiel nicht besser macht.

Mehr Funktionen machen das Gameplay komplizierter. Ich habe bei GTA IV nichts vermisst. Mehr Orte beeindrucken mich, weil die Entwickler sich solche Mühe gegeben haben. Aber das Spiel wird so nur marginal verbessert. Mehr Charaktere bieten mehr Möglichkeiten. Aber nur, wenn die einzelnen Charaktere auch jeweils die Tiefe und Klasse von Nico Belic haben.

Ja ich kann es nicht verheimlichen: Bei Spielen geht es mir letztlich in erster Linie um das subjektive, vielleicht sogar emotionale Spielempfinden. Wenn ich Fifa spiele will ich gepackt werden von der Spannung des Spiels, der Authenzität der Atmosphäre. Das hat nichts zu tun mit Grafik oder Originalmannschaften, sondern mit Gameplay, Spieldichte.

Und da war und ist GTA IV unerreicht. Der Hauptcharakter ist eine so glaubwürdige, spannende Figur, seine Geschichte, seine Motivation so echt und dicht. Die Welt von Liberty City eine so arsch coole gelungene facettenreiche und clever ironische Version von New York, dass ich ein ums andere mal fasziniert war von der Schlauheit der Macher. Ich habe GTA IV gespielt wie ich einen perfekten Film gucke oder ein irre gutes Buch lese. So schlau, so lustig, so spannend, so überraschend, so irre irre gut!

Wäre das Spiel besser geworden, wenn die Stadt größer gewesen wäre? Wenn Nico mehr Funktionen auf meinem Controller gehabt hätte? Nö. Kein Stück. Und jetzt kommt GTA V.

Die Ladesequenz sieht aus wie beim Vorgänger. Und der ist ein paar Jahre alt. Das Intro, das die Charaktere vorstellt, ist ein uninspirierter Raub ohne Esprit und Tiefgang oder gar Story. Die eingeführten Charaktere sind interessant, aber nicht fesselnd. Die Straßen von Los Santos irgendwie leblos. Und wo ist denn die ironische Interpretation der amerikanischen Gesellschaft geblieben?

Ich spiele GTA V jetzt also weiter in der Hoffnung, dass der große Aha-Moment kommt. Dass ich vor dem Bildschirm sitze und denke : Fuck, krasser scheiß! So wie es beim Vorgänger am laufenden Band war. Aber den Einstieg haben die Leute von Rockstar vermasselt. Schade.

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WIR SIND ALLES KREATIONISTEN

UND GLAUBEN AN DEN LIEBEN GOTT

Kreationismus

Die blöden Amis

Was lachen wir nicht gern von oben auf die Amerikaner herab, weil sie so naiv religiös sind. Besonders lustig sind da jene christlichen Fundamentalisten, die sich Kreationisten nennen und doch tatsächlich glauben, dass das was in der Bibel steht auch stimmt, also wortwörtlich! Dass also Gott die Welt geschaffen habe in einer harten sechs-Tage-Woche inklusive Bergen, Meeren, Pflanzen, Tieren und, um der Sache die schöpferische Krone aufzusetzen, den Menschen. Das alles ist so so absurd und fern von Beweisbarkeit, dass nicht einmal der Papst an sowas glaubt – und dessen Glaube ist ja legendär!

Triumph der Aufklärung – not

Hier in Deutschland, wenn nicht gar in ganz Europa, sehen wir das anders, nämlich viel wissenschaftlicher, aufgeklärter, nüchterner. Wir sehen in der Welt Urknall und Evolution und Anpassung und Survival of the Fittest und Darwin, Raumzeitkrümmung und dergleichen mehr. Also eigentlich. So im Prinzip.

Lustig aber wirds, wenn wir, vermutlich ohne es zu bemerken, unsere Überzeugungen praktisch anwenden und ganz besonders lustig, ja lachhaft wird es, wenn wir versuchen Kindern die Welt zu erklären.

“Papa, warum hat die Giraffe so einen langen Hals?”
“Damit sie besser an die Blätter am Baum kommt.”
“Papa, warum hat der Tiger Streifen?”
“Damit er sich bei der Jagd besser verstecken kann.”
“Papa, warum haben die Vögel die Augen and der Seite vom Kopf?”
“Damit sie besser sehen wenn sie angegriffen werden.”

Und so geht das in einem fort. Und immer verfahren wir nach der gleichen Strategie. Wir erklären das Wesen der Dinge von ihrem Zwecke her, wir denken die Welt also von ihrem Ende und schließen darauf auf ihren Anfang, wir setzen einen Sinn voraus, der die Entwicklung dahin bestimmt hat. Und das ist nicht mehr und nicht weniger als religiös, spirituell, ja kreationistisch!
Ob wir da nun sagen, dass der liebe Gott das so gemacht hat oder die Natur, die ja nur eine Metapher für eine höhere Gewalt ist bei dieser Art der Argumentation, ist völlig gleich. Manchmal nennen wir es auch Schicksal oder den Gang der Dinge, immer aber argumentieren wir von vorne nach hinten zurück. Ha! Bzw. pah!

Korrektsprech

Wenn wir es ernst nehmen würden mit unseren Ideen von der Welt, müssten wir ganz anders reden.

“Papa, warum hat die Giraffe so einen langen Hals?”
“Keine Ahnung, mein Kind, Zufall, aber so kommt sie immerhin besser an die Blätter, was ja ein Vorteil ist.”
“Papa, warum hat der Tiger Streifen?”
“Zufall, der sich im Laufe der Evolution aber als Vorteil fürs Überleben heraus gestellt hat.”
“Papa, weißt du warum die Vögel ihre Augen an der Seite vom Kopf haben?”
“Nö, du?”
“Nö, ich auch nicht, aber ist schon irre praktisch, weil sie so ja ihre Feinde besser entdecken, wenn die sich anschleichen!”

Gott, why not?

Nun ist es ja gar nicht schlimm, so zu reden wie wir es immer und eigentlich tun, also einen Sinn in den Details der Natur zu sehen und ihn notfalls in sie hinein zu interpretieren. Warum nicht einen Plan hinter allem vermuten? Warum nicht einen Sinn, eine höhere Gewalt, einen Gott gar? Vielleicht macht dass ja Sinn, ja vielleicht macht alles eben nur so Sinn. Und wenn die größten Wissenschaftler unserer Zeit häufig religiös sind, scheint es gute Gründe dafür zu geben Einstein zuzustimmen und ebenso zu glauben, dass Gott nicht würfelt.
Blöde, ja lächerlich ist es aber, auf der einen Seite die amerikanischen Kreationisten auszulachen und auf der anderen unseren Kindern die Welt so zu erklären, wie wir es tun. Aber vielleicht hat der liebe Gott ja auch Humor und sich das alles ganz genau so ausgedacht,

 

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DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN

EINE KLEINKARIERTE KRITIK

Rost

Spoiler Soiler Spoiler

Eigentlich bin ich ja nicht so picky bei Filmen. Dafür seh ich einfach zu wenig. Und hab auch nicht genug Ahnung. Aber manchmal da frag ich mich doch mal was. Zum Beispiel bei “Der Geschmack von Rost und Knochen”, den ich vor ein paar Tagen im Kino gesehen habe. Ein guter Film? Ja. Aber ein Meisterwerk? Nein. Und warum? Also, jetzt werden Korinten gekackt.

Ali

Ali ist die männliche Hauptfigur des Films, ein wenig schlauer Haudrauftyp. Mit Muskeln zwar, aber durchaus auch mit Wampe. Und der steigt mal so mir nichts dir nichts in illegale no-limits Kämpfe ein und gewinnt auch prompt? Ungeübt, untrainiert? Und schafft es sogar in ein ganz offizielles professionelles Boxteam, so mit einheitlichen Trainingsanzügen? Und bekommt direkt einen großen Kampf? Und gewinnt auch den? Trotz gebrochener Finger?

Stéphanie

Die weibliche Hauptfigur. Ok, aber wieso agiert sie im luftleeren Raum? Wo ist ihr soziales Umfeld, ihre Familie, ihre Freunde, ihre Geschichte? Nicht einmal auf den Fotos mit ihren geliebten Walen sieht sie glücklich aus. Ich werd aus ihr im ganzen Film nicht schlau und habe nicht den Eindruck, dass das Absicht ist.

Armand

Das ist Alis kleiner Sohn. Und der ist drei Stunden lang tot. Und dann lebt er wieder, den Ärzten sei Dank. Nun bin ich kein Arzt und kenn mich mit sowas nicht aus, aber wenn man drei Stunden lang tot ist, braucht es da nur ein paar Stunden im Krankenhaus, um wieder völlig hergestellt zu sein? Geht das?

der Unfall

Ich habe gelernt, dass Wasser und Elektrizität keine dicken Freunde sind. Aber als der Wal bei der Showvorführung die ganzen Aufbauten zertrümmert und alle Kabel und Lampen und der ganze Kram ins Wasser fallen – also ich hätte da irgendwelche Blitze oder elektrischen Entladungen erwartet und tote Tiere.

nochmal Stéphanie

Sie verliert ihre Unterschenkel und ist entsprechend deprimiert, verbringt Tage wortlos und traurig im Krankenhausbett. Und als wir sie dann wieder von vorne sehen, da hat sie keine verheulten Augen. Dabei hätten sie und ihre Augen doch allen Grund gehabt.

Ali und Armand

Großer Wert wurde darauf gelegt zu zeigen, dass beide immer Dreck unter den Nägeln haben. Bewusst eingefangen in diversen Einstellungen und das passt ja auch zu den Charakteren. Aber warum sind die Nägel selbst dann so perfekt manikürt? Klar, ein Fighter hat kurze Nägel und die Tante schneidet sie dem Jungen, aber so fesch sehen die dann ja auch nicht immer aus.

Marion Cotillard

Wieso war sie nicht so wunderschön wie ich dachte dass sie sei? Wegen der fehlenden Unterschenkel? Geschenkt. Aber vielleicht fehlte mir da einfach ein wenig Make Up. Und ein schickes Kleid. Und vielleicht bin ich da einfach irre oberflächlich, aber wenns um Kinoschönheiten geht dann ja, dann bin ich das.

Ergo

Der Film hatte schöne Momente, viele sogar und die Geschichte ist eine rührend romantische Liebesgeschichte. Aber nein, er hat mich, auch wenn er mich noch immer beschäftigt, nicht emotional weggehauen. Vermutlich war ich dafür zu sehr damit beschäftigt Haare zu spalten. Vielleicht ist auch die erste Reihe im Kino kontraproduktiv in Sachen emotionales Wegblasen. Aber trotzdem: Ein bisschen mehr hätte es halt schon sein dürfen.
Ach und: Wie sie der Cotillard die Beine wegretuschiert haben, das war schon toll gemacht. Ist das die selbe Effektschmiede die die Hobbits schrumpfen lässt?
 

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WIE ICH LERNE EIN FREIHEITSKÄMPFER ZU SEIN

DIE RADIKALE FREIHEIT IN DEN KÖPFEN DER HU DOZENTEN

Freiheitskämpfer

Ich habe Anglistik und Philosophie an der Universität Bonn studiert, beides plus Germanistik an der Universität Trier, Europäische Literatur und Deutsche Literatur am University College London, ich habe ein Jahr Italienisch gelernt, das große Latinum gemacht und bin vor all dem in Mayen zur Grundschule gegangen und habe dort am Gymnasium in Deutsch, Englisch, Sozialkunde und Biologie mein Abitur gemacht.

An keiner dieser Institutionen, in keinem Fach und bei keinem Lehrer oder Dozenten habe ich erlebt, was mir seit diesem Oktober in regelmäßiger Selbstverständlichkeit in der Grundschulpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin begegnet.

Home of the free, land of the brave

Die Freiheit des Denkens der Lehrenden und ihre immanente wie geäußerte Aufforderung zu hinterfragen, kritisch zu durchleuchten und eigene Positionen zu beziehen habe ich in dieser Omnipräsenz noch nie und nirgends erlebt. Es ist eine Freiheit der Gedanken die so faszinierend ist, dass sie fast unwirklich scheint und beinahe schon skeptisch machen könnte – dies aber zum Glück nicht tut.

In meiner bisherigen Schul- und Studiumslaufbahn habe ich Wissen und Wissenschaft immer erlebt als das Vermitteln von Wahrheiten. Entscheidend war es, Wissen anzuhäufen und dieses möglichst ohne Kopieverluste reproduzieren zu können. Auf eine Frage gab es eine Antwort. Platz für neue Gedanken war dort, wo es noch keine Antworten oder noch keine Fragen gab. Klausuren waren eine berechenbare Transaktion von Wissen. Wissen selbst galt als gesichert.

Anders nicht an der HU, aber im Bereich Grundschulpädagogik.

i.g.

Ein paar Beispiele sollen dies verdeutlichen.

In der Fachdidaktik des Zweitfaches Englisch eröffnet der Dozent nicht nur die Möglichkeit, Fachliteratur zu kritisieren und die Ergebnisse der Wissenschaftler anzuzweifeln, sondern viel radikaler noch die Texte selbst neu zu interpretieren, also dem geschriebenen Worten eine neue, andere Bedeutung zukommen zu lassen. Quasi so als würde man sagen: “Der Text sagt zwar, dass a plus b c ist, aber gemeint ist, dass a plus b d ist. Steht ja so im Text.” Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine radikale freie Denke.

In allgemeiner Grundschulpädagogik haben wir einen Text zu lesen in der Hoffnung der Dozentin, ihn zu durchschauen und als schlecht, ja falsch in seinen Ergebnissen zu entlarven. Dies mit dem Ziel uns in Kritikfähigkeit allem, auch der Dozentin selbst gegenüber zu schulen.

In Mathematik bekommen wir abstruse Lösungswege zum Erreichen eines Rechenergebnisses präsentiert. Es dauert ungemein lange diese zu verstehen und soll uns aufzeigen, dass selbst ein korrektes Ergebnis viele uns als Gelehrte unbekannte Wege dorthin haben kann.

In all diesen Beispielen und sie ließen sich leicht ergänzen wie in allen Veranstaltungen wird deutlich, dass die Studierenden aufgefordert sind kritisch zu bleiben und sich die Dozenten selbst in die doch im Grunde unbequeme Situation bringen immerzu hinterfragt und kritisiert zu werden. Was eine zusätzliche Belastung sie hierdurch doch eingehen.

Und wieviel Mehrarbeit sie sich machen. Wenn sie postulieren, dass es viele Wahrheiten gibt und jeder von uns seine eigene finden muss, so müssen sie dies auch bei jeder abgegebenen Semesterarbeit akzeptieren – und tun dies gerne, trotz des immensen Mehraufwandes.

Viel Lärm um… viel

Und dabei reden wir hier nicht von angehenden Raketenbauern oder Richtern oder Industriemagnaten. Wir reden vom Umgang mit und der Ausbildung von angehenden Grundschullehrern.

Kann man in Worte fassen, wie viel Idealismus in jedem dieser Dozenten stecken muss? Und ist die Aufgabe, auf die sie ihre Studenten vorbereiten klarer zu beschreiben als durch die Philosophie ihrer Seminare?

Die Radikalität in der wir frei denken sollen, die Mehrarbeit die dies von allen Beteiligten erfordert, die Last eine Position beziehen zu müssen, sich angreifbar zu machen und die immense Freude mit der all das passiert, die Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit, die Harmonie und der Respekt im Umgang miteinander, die Offenheit und Ruhe mit der all das geschieht, all dies hat einen Grund und ein Ziel und es sind nicht die Dozenten und es sind nicht die Studenten und zukünftigen Grundschullehrer, nein, es sind die Grundschüler, die Jungs und Mädchen die wir unterrichten werden und es ist die Hoffnung aus diesen Menschen gute Menschen zu machen.

Was eine Mammutaufgabe, an derem allerersten Anfang ich erst stehe.

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BLACK MANDEL – DAS SCHWARZE ALBUM UNTER DEN KRIMIS

Berni Mayer, Heyne 2012, € 8,99

Black Mandel, Berni Mayer

No Spoiler

Das Wichtigste zuerst: Ist es ein gutes Buch? Also ist es eine gute Geschichte, bei der ich mir wie bei einer super TV Serie dachte: nur noch ein Kapitel, dann ist genug für heute, um dann doch so viel wie möglich zu lesen? Hat die Geschichte gute, starke Charaktere, die glaubwürdig und authentisch beschrieben werden und agieren? Hat mich das Buch gut unterhalten und gleichzeitig intellektuell beschäftigt, sodass ich mir über den Inhalt und die verschiedenen Aspekte auch nach dem Lesen immer wieder Gedanken machte? Hat es einen guten Stil der mich begeistert, weil er dem Buch und nicht der Eitelkeit des Schriftstellers dient? Ist der Stil charakteristisch, also typisch und neu, weil dem Autor eigen und sonst keinem? Ist das Buch spannend, lustig, ironisch, gescheit und verfügt es über überraschende und dennoch plausible Wendungen? Hat es mehrere Ebenen, die alle neben-, mit- und ineinander funktionieren ohne konstruiert zu wirken, sondern in ihrer Natürlichkeit überraschen? Habe ich genossen dieses Buch zu lesen und würde ich es weiterempfehlen, verschenken und auch selbstmotiviert das Thema darauf bringen? Ist es also ein gutes Buch?

Ja. Ja. Ja! Black Mandel ist ein sehr sehr gutes Buch und es begeistert mich auf vielen Ebenen.

Inhalt

Und worum geht es? Die detectives-by-accident Mandel und Singer wollen Urlaub machen in Norwegen. Sie ergaukeln sich den Trip indem sie eine Black Metal Reportage schreiben wollen. Dass es da oben in Bergen aber immerzu regnet ist schon bald ihr kleinstes Problem, weil das ganze wird weder Urlaub noch Spaziergang. Denn dann kommen Kriminalität, Faschismus, Religion, scheue Liebe und seltsame seltsame Autofahrten und viele andere Dinge daher von denen ich jetzt nichts schreibe, weil sonst verrat ich noch zu viel – was man bei Krimis ja wie ich höre nicht tun soll.
Aber ein Problem hab ich jetzt. Ich habe bereits den ersten Roman von Berni Mayer mit fünf Sternen bewertet, vor allem weil ich den Schreibstil des Autors irre gelungen finde und ich die Idee, Musik als Metaebene in einem Roman zu benutzen um Inhalte, Themen, Emotionen, Verwirrungen zu verdeutlichen für so logisch halte, weil wir alle doch genau aus diesen Gründen Musik hören, dass ich mich noch immer wundere warum das nicht jeder Roman nutzt. Jetzt ist der erste Roman noch immer super. Dieser hier aber viel superer. Man denke sich also noch ein zwei Sterne zur Bewertung hinzu. Und bestelle das ganze vielleicht sogar hier. KLICK

Norwegische Socken

Wenn also jetzt geklärt sein sollte, dass es sich um ein Buch handelt, das jeden Cent mehr als wert ist möchte ich noch rasch auf ein zwei Aspekte aufmerksam machen, die mir besonders gefallen.
Da gibt es zum einen den Clash der Hauptfiguren mit ihrer Umwelt – und damit meine ich vor allem Norwegen. Das ist ja ein meist und im Buch immerzu kaltes nasses Land und wenn die TV Kommissare durchs düstere Skandinavien tapsen, dann hat das ja schon mal einen Effekt. Deutlich größer und toller ist dieser aber, wenn sich eben nicht jene Menschen dort die Nächte um die nassen Ohren schlagen die dort eh beheimatet sind, sondern wenn es – wie eben im Buch – Menschen tun, die dort nicht hingehören. Das ist in etwa so, wie wenn man eine schwarze Socke in einen dunklen Tunnel hält, da ist die Socke immer noch schwarz und man denkt jaja, dunkler Tunnel. Hält man aber eine weiße Socke in den Tunnel und die weiße Socke ist auch auf einmal schwarz – na Himmel Arsch und Zwirn – irre dunkler Tunnel na leck mich am Arsch. Und ungefähr so ists, wenn Mandel und Singer durch Bergen irren. Ziemlich dunkel – also irgendwie.

“Tweet” wie “Jacke”

Ein anderer Aspekt der mir gefällt ist die schier größenwahnsinnige Idee, einfach mal nicht nur Terrorismus, Faschismus und Black Metal noch dazu in Norwegen zu einer Geschichte zu verweben, sondern gleich auch noch Mord und Sado-Maso und Scheißwetter und wirre Träume und Musikszene und Christentum und Männerfreundschaft und was weiß ich an Themenfäden zwischen die Buchdeckel zu stopfen, dass man denken sollte, dass man sich da durch ein ziemliches Wollknäuel an übertrieben bunten beziehungsweise hier schwarzen Fäden kämpfen muss, nur weil der Autor es einfach mal gehörig übertreibt mit seiner Fülle an Ebenen, Metaebenen, doppelten und Zwischenböden. Aber dann ists halt ganz anders, denn bei Black Mandel ists wie bei einer Tweetjacke: Wenn man sie sich ganz von nah anschaut, ist sie verdammt bunt und die verschiedenen Fäden machen keinen Sinn, aber mit ein wenig Abstand wirds ein super Muster und fesch und absolut logisch. Black Mandel ist vielschichtig und das auf eine so gut verwobene Art, dass ich mich manchmal wunderte, dass das alles Sinn machte und macht.

Last night the DJ etc

Letztlich muss es noch einmal explizit gesagt sein: Musik. Das ist doch verrückt! Auf der einen Seite hören wir unser Leben lang Musik, benutzen sie als Stimmungskatalysator, diskutieren über Texte, fühlen uns verstanden und wissen, dass keine Kunst der Welt unserer Seele so nahe kommt wie die Musik. Auf der anderen Seite versuchen Autoren uns im Kern zu treffen, uns verständlich zu machen, warum es geht, uns emotional anzusprechen oder doch zumindest die Geschichte und ihre Charaktere emotional glaubwürdig zu machen – und schreiben nicht über Musik. Find ich seltsam. Ich verstehe nicht, warum nicht jeder Autor die Musik als Metaebene für das benutzt, was immer er sagen möchte. Freundschaft, Liebe, Hass, Neid, Glück, Egomanie, Zweifel – all das ist in Musik und das ist in Black Mandel und das ist nur eine Ebene. Musik ist auch Geschäft, ist Geld, ist Eitelkeit, Vetternwirtschaft und Betrug. Und das ist nur eine weitere Seite und es gibt noch viele. Dass die Mandelbücher also auch Musikbücher sind und das letztlich nur, um eine Geschichte zu erzählen, das ist eine Tatsache, die mich wundert, weil es so logisch scheint, aber so selten ist.

Habt Ihr das Buch gelesen? Was denkt ihr? War diese Rezension hilfreich oder Quatsch? Ich freue mich über Kommentare…

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VIER BAYERN, DIE UNS GESTERN DIE EM VERMASSELTEN

AUS GROSSSER STÄRKE ERWÄCHST GROSSE VERANTWORTUNG

Jahrzehnte lang garantierte die Stärke des FC Bayerns eine gewisse Grundstärke der deutschen Nationalmannschaft. Immerhin stellten sie zurecht immer das Grundgerüst der deutschen Mannschaft. Und immer wenn die Bayern international spielten, fieberten wir alle mit, denn da ging es auch um gesamtdeutsches Prestige, 5-Jahreswertung und Selbstbewusstsein für die Nationalmannschaft. Da kann man dem FC Bayern gar nicht genug danken, dass sie so lange die Verantwortung getragen haben, meisterlich, vorbildlich. Dass scheint erstmal vorbei und es hörte auf mit einem mächtigen Knall. Nach dem verlorenen Champions League Finale gegen Chelsea können wir die Euro 2012 fast schon abhaken. Schuld daran? Vier Bayern.

Schweinsteiger

Was für ein Comeback nach seiner Verletzung! Schon nach einer viertel Stunde nahezu am Ende seiner Kräfte reißt er sich zusammen und alle mit, treibt an, setzt Zeichen, wow. Aber dann verschießt er den entscheidenden Elfmeter. Hätte er den dritten Elfer verschossen, schlimm genug. Aber es war der letzte. Im wichtigsten Spiel seines Lebens, was alle so sahen und sehen. Auch er selbst. Das ist ein heftiger Schlag und man braucht nicht Tage, Wochen oder Leben um so etwas zu versauen. Nein, sowas nimmst Du mit ins Grab. Und zur Euro nimmst du das auch. Der emotional Leader – ich will mir gar nicht vorstellen, was der jetzt für Gefühle mit sich rum trägt. Mir tut er leid. Und ein Scheiß ist das auch, weil er so wichtig ist für unser EM Team. Da ist er nicht zu ersetzen. Und das ist jetzt ein Riesenproblem.

Robben

Was eine Riesenpfeife! Und ausgechnet und natürlich ein Holländer. Das einzige was an Robben weltklasse ist ist die Größe seines Egos. Robben ist ein one-trick-horse, eine Diva, ein Spieler der diese Saison in den entscheidenden Momenten nicht einfach nur nicht da war, nein, ein Spieler der sich in die erste Reihe drängelte um dann zu versagen. Pah! Und mit dieser Selbstüberschätzung reißt er die ganze Mannschaft und mit ihr wichtige Teile unserer Nationalmannschaft mit in den Abgrund. Ein Riesendepp! Und nicht genug mit seinen spielerischen Unzulänglichkeiten. Er vermasselt auch die Vorbereitung unserer Elf, weil der FC Bayern wegen dem Egomanen noch ein Freundschaftsspiel gegen Holland hat, ein Spiel das für die Niederländer EM Vorbereitung, für uns aber ein rechter Scheiß ist. Aber da hat noch jemand anderes Schuld dran:

Hoeneß

Kein Mann hat in der Geschichte des Fußballs mehr für die deutsche Nationalmannschaft getan als Uli Hoeneß. Bei all seinen Bemühungen um den FC Bayern ging es ihm auch immer um die Nationalmannschaft. Ein toller Typ, der mit seinem großem Traum vom Finale dahoam aber leider zu hoch gepokert hat. Er hat dieses Spiel so dermaßen überhöht, dass es für alle Beteiligten zum Spiel ihres Lebens wurde. Und wenn du im Spiel deines Lebens versagst, dann haderst du damit dein Leben lang. Und mehr noch. Für uns Fußballfans die wir keine Bayern Fans sind war es auch »unser« Finale, es war uns Generalprobe für die Euro, wir wollten die Bayern wiedererstarkt sehen als Führungsspieler unseres EM Teams. Und nun? Jetzt kommen da die Vize-Bayern, die das Spiel ihres Lebens verloren haben. Ein CL Finale verbaseln ist ja schon arg, aber das was da gestern passierte, auweia! Und Tiefpunkt einer Saison, in der die Bayern vielleicht schon all ihr mia-san-mia verspielt haben, dieses Wissen um die eigene Stärke, dieses starke Selbstbewusstsein, das stets das Rückgrat unserer Nationalmannschaften war.

Gomez

Hoffentlich kann Klose die Euro unverletzt durchspielen. Aber für sowas ist er leider nicht bekannt. Da baut Gomez zwei lange Saisons lang an seinem Ego indem er Tor um Tor schießt, nur um dann im entscheidenden Moment nichts auf die Reihe zu bekommen. Die englischen Kommentatoren des CL Finales wunderten sich, warum Gomez alles vor dem Tor so kompliziert macht. Warum? Weil er auf einmal dachte er kann alles, auch in schön. Pustekuchen und ein Stammplatz auf der Ersatzbank, die in puncto Stürmer bei uns nicht gerade gut besetzt ist.

Von Vize-Bayern zu Vize-Deutschen

Somit: Ich war vor dem CL League Finale nervös, jetzt bin ich noch immer frustriert. Und denk ich an die Euro, wird mir ganz flau im Magen. Dass wir in der Bundesliga vielleicht eine Wachablösung erleben und der FC Bayern erstmal nur Vize-Bayern ist, in der Liga solls mir recht sein. Aber die Dortmunder sind nicht in der Lage in der Nationalmannschaft dieses Führungsvakuum zu füllen. Und auch sonst kann das niemand. Das zeigt somit, was für eine hervorragende Arbeit jahrelang in München gemacht würde. Zeigt aber auch unsere Abhängigkeit vom FCB. Und dies im ungünstigsten Augenblick, unmittelbar vor der EM, die wir ja eigentlich gewinnen wollten.

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DIE SHOW “WETTEN, DASS…” MACHT SCHLUSS

EIN OFFENER BRIEF DER SHOW AN BELLUT UND ZDF

Mainz, 6.2.2012

Lieber Herr Bellut,

liebes zdf,

haben Sie Sich eigentlich mal gefragt, wie es mir dabei geht? Mir, der Show selbst? Bei all dem Zirkus? All den Diskussionen? Oder geht es immer nur um Gottschalk, die Hunziker und ich weiß nicht wen?

Ja, natürlich ist es schade, dass der Tommy aufgehört hat. Ich hab mich ja selbst super mit ihm verstanden. Wir waren ein gutes Team, so durch dick und dünn und so. Aber er hat mich natürlich schon mal verlassen. Typisch Mann! Klar, dann ist er wieder gekommen zu mir, seiner Ex und ja, ich hab mich gefreut. Aber jetzt hat er schon wieder Schluss gemacht und ganz ehrlich: Beim zweiten mal tuts nicht mehr so weh.

Und jetzt gibt mir auch die Hunziker den Laufpass? Ich dachte wir wären Freundinnen, egal was kommt. Aber nein. Am Ende war der Tommy ihr einfach wichtiger. Typisch Frau. Der reiche Star macht ne Biege, da bleibt sie auch nicht lange.

Und dann die ganzen Moderatoren, die sie mir andienen wollen als neuen Lover. Pardon, aber habe ich das verdient, dass einer nach dem anderen öffentlich absagt? Haben Sie Sich je gefragt was ich, die Show, darüber denke? Und wie es sich anfühlt, als verschmähte Braut durchs Dorf getriben zu werden? Feilgeboten wie Sauerbier haben Sie mich.

Aber, lieber Herr Bellut, liebes zdf, nicht mit mir. Ich weiß, ich bin nicht mehr die Jüngste, aber ich weiß was ich geleistet habe und was ich kann. Und ich möchte, dass man das und dass man mich respektiert! Und ich möchte nicht dastehen müssen, wie eine abgehalfterte Alte, die keiner mehr will, denn, ja, ich bin nicht mehr die Jüngste, aber ich bin noch immer eine große Nummer! Und ich hatte sie schon alle, bei mir. Und so können Sie vielleicht mit einer neuen Quizzshow umgehen, aber nicht mit mir.

Und wissen Sie was? Trotz all dem Rummel um mich, all der Presse, all den Jahren im Rampenlicht: ich bin doch in meinem Herzen auch immer die einfache kleine Show von nebenan geblieben. Und ich habe Wünsche und Bedürfnisse, wie jede andere Show auch. Ich möchte geschaut werden und geliebt. Ich möchte, dass die Menschen über mich reden, mich toll finden. Ich will, dass die Stars zu mir kommen und gerne. Ich will jung sein, schön, spektakulär, frisch, neu, spannend! Und ich möchte verdammt noch mal, dass man mich und meine Wünsche und Bedürfnisse ernst nimmt.

Aber das tun Sie nicht. Und das ist sehr schade.

Wir hatten eine schöne Zeit miteinander, Herr Bellut, liebes zdf. Aber auch unsere Zeit geht zu Ende. Und so möchte ich Ihnen hiermit mitteilen: Ich ziehe mich aus dem deutschen Showgeschäft zurück. Ich will nicht mehr. Ich höre auf. Ja, Ihre Lieblingsshow “Wetten, dass…” macht Schluss. Mit Ihnen. Und das ist endgültig. Und ich bitte Sie, das zu respektieren und mir so wenigstens diese letzte Ehre zu erweisen.

Ich werde die guten Zeiten nie vergessen. Aber jetzt heißt es auf zu neuen Ufern. Und vielleicht kann man mich ja woanders gut gebrauchen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Show “Wetten, dass…”

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DIE MORALISCHE QUOTE

THE VOICE BEWEIST DAS OFT VERNEINTE

Alle meckern übers TV Programm – ich nicht. Das Fernsehen in Deutschland ist gut. Es ist professionell produziert, abwechslungsreich und in vielen Fällen von hoher Qualität. Aber natürlich gibt es da besseres und schlechteres.

Was ist gutes Fernsehen?

1. Gutes Fernsehen ist in allererster Linie erfolgreiches Fernsehen. Da bin ich, je nach Blickwinkel, Mainstream oder professionell. Und Erfolg im TV Geschäft ist messbar. Erfolg ist Quote und Erfolg ist die Anzahl der Zuschauer. Erfolg ist nicht das Schulterklopfen der Kumpels und auch nicht die Anzahl der Likes bei Facebook. Eine Sendung, die nicht gesehen wird kann sich nicht erfolgreich nennen. Ein populäres Beispiel einer unerfolgreichen Sendung? Harald Schmidt, eine Sendung die in der Konsequenz auch nicht gut ist.

2. Gutes Fernsehen ist zu vernünftigen Preisen hergestellt und erwirtschaftet einen stattlichen Gewinn. Für Geld kann man nahezu alles kaufen, ebenso kann man fette Budgets verbrennen. Gutes Fernsehen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld. Gutes Fernsehen bringt mehr als es kostet. Hier stellt sich die Frage, ob die Sportschau gutes Fernsehen ist. Ich bezweifel das. Sehr gutes Fernsehen ist hingegen Friends oder Sex and the City. Wer Weltstar-Gagen zahlt und immer noch im Plus landet, muss schon einiges richtig machen.

3. Gutes Fernsehen ist zudem moralisches Fernsehen. Erfolgreich und doch moralisch makellos zu produzieren gilt oftmals als unmöglich – und ist doch nur eine Ausrede jener, die mit ihren vermeintlich guten Produktionen untergehen. Ich verurteile unmoarlisches Sendungen nicht. Die Unterhaltungsindustrie schafft keine Bedürfnisse, sondern befriedigt diese nur. Aber mir ist das gute Fernsehen nicht nur lieber, es ist auch die größere Herausforderung.

Dass diese Herausforderung gemeistert werden kann, zeigen gleich eine ganze Reihe von Sendungen, guten Sendungen.

Ehe ich zu diesen Formaten komme rasch dies: Muss gutes Fernsehen nicht auch gut unterhalten? Ja, muss es. Aber das ist Teil von Punkt 1. Unterhält eine Sendung nicht, so wird sie auch nicht erfolgreich sein. Langeweile ist der Tod der Quote, auch wenn es im deutschen Fernsehen zwei unrühnliche Ausnahmen für diese These gibt: Die Tagesschau und den Tatort.

Böse Sendung

Was ist eine unmoralische Sendung? Viele unmoralische Sendungen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Produzenten ihre Erfahrung und ihre Möglichkeiten dazu nutzen, andere fertig zu machen. Es ist spielend leicht die Darstellung eines Menschen mit einfachen handwerklichen Mitteln zu verfremden, zu verzerren. Das ist ein Kampf zwischen Ungleichen. Das ist dreckig.

Nichts ist einfacher, als alte Menschen auf der Straße zu befragen. Sie sind die Situation vor der Kamera nicht gewohnt und sich im Moment der Aufnahme nicht bewusst, dass viele viele Menschen dies sehen werden und dass nachträglch ein böser Kommentar eingespielt wird. TV total ist eine böse Sendung.

Nichts ist einfacher als Menschen, die es nicht besser wissen ins offene Messer laufen zu lassen, sie singen zu lassen obwohl sie es nicht können und dies noch durch alberne Effekte im Schnitt zu unterstützen und sie so vor der Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Oft heißt es dann, jeder wüsste im Vorfeld, worauf er sich da einlasse, aber das stimmt nicht. Die Fernsehschaffenden wissen das. Die armen Schweine die boshaft verarscht werden wissen dies nicht. DSDS ist eine böse Sendung. Bauer sucht Frau ist eine böse Sendung.

All diese Sendungen erreichen nun ein großes Publikum. Trotz ihrer augenscheinlichen und bewussten Unmoral machen sie letztlich also auch einiges richtig. Und oft denkt man, dass es nur so geht, dass man bös sein muss und gemein und schadenfroh, um im toughen Business Erfolg zu haben. Ist natürlich Quatsch und aktuell leichter nachzuprüfen denn je.

Gute Sendung

The Voice of Germany ist eine gute Sendung. The Voice ist mutig. Hier werden alle Beteiligten ernst genommen, die Jurymitglieder, die Künstler und sogar das eigentliche Thema: Die Musik. The Voice verzichtet auf einfache dramaturgische Mittel, mit denen wir alle schon fade Momente spannend gemacht haben. Und es funktioniert. Weil wir glauben was passiert und ich bin mir sicher: Was da passiert ist echt. Ich habe es geahnt als ich erfahren habe, wer in der Jury ist, denn (außer Boss Hoss) sind das tolle Menschen. Dass es aber gleich so funktioniert ist die Belohnung für den Mut von Sender und Produzent. (Vergleiche auch Unser Star für Oslo.)

Ich bin ein Star, holt mich hier raus ist eine gute Sendung. Natürlich ist das eklig, vielleicht auch menschenverachtend oder einfach nur doof, was hier passiert. Und ja, die Wirklichkeit wird nicht originalgetreu wiedergegeben. Da wird geschnitten und uminterpretiert. Hier wird all das gemacht, was DSDS zu einer bösen Sendung macht. Aber es gibt einen alles entscheidenden Unterschied: Die Protagonisten im Dschungel wissen zu jedem Zeitpunkt der Produktion, worauf sie sich einlassen. Sie suchen alle ihre neue, vielleicht letzte Chance in einem Medium, in dem sie schon einmal erfolgreich waren. Sie kennen das Biz. Und sie bekommen auch Geld für ihre Teilnahme. Somit haben wir hier eine höchst professionell hergestellte Sendung die vieles richtig macht und wenn wir über die Teilnehmer lachen, dann dürfen, nein dann müssen wir das auch.

Moral – keine Frage von Sender oder Star

Ein interessanter Aspekt, wenn man fragt ob eine Sendung moralisch ist oder nicht ist die Tatsache, dass dies völlig unabhängig ist von Sender, Sendergruppe, Produktionsfirma oder gar Moderator.

Stefan Raab ist in TV Total alles andere als nett. In seinen Musik Shows aber ist er der ernsthafte Lautsprecher für die Dinge, die ihm am Herzen liegen.

RTL kann Dschungelcamp und DSDS. Und wer glaubt, dass die öffentlich rechtlichen Sender der Hort des Guten wären, muss sich nur fragen, warum die Bild-Ton-Schere an Beispielen der ARD Nachrichten definiert wurde.

Kurzum: Es ist nicht möglich, nicht clever und nicht gerecht einzelne Sender oder Moderatoren zu stigmatisieren. Dreck haben sie alle am Stecken. Aber meist auch glanzvolle Fernsehstunden zu verantworten.

Und ob man nun auf Moral im TV steht oder nicht ist vielleicht auch eine Frage von Geschmack. Ich mags auf jeden Fall. Und wenn ich sehe wie erfolgreich das sein kann, dann macht mir das Sehen solcher Formate umso mehr Spaß!

 

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