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WAS MACHEN WIR MIT NAZIS?

DARUM IST DIE DUNKLE SEITE DER MACHT SO GEFÄHRLICH

Ich hatte als Kind einen wiederkehrenden Albtraum: Ich lief eine Straße entlang und wurde von einer Meute Nazis verfolgt. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr in meinen Beinen, sie waren taub, ich fiel zu Boden und musste mich nun mit den Händen die Straße weiter ziehen, mich an Autoreifen vorwärts ziehen und irgendwann hinter einem Auto verstecken, wärend die Nazis näher gerannt kamen.

Nazis sind dumm, weil:

Warum ich das immer wieder träumte und mit einer scheiß Angst und verschwitzt aufwachte? Zum einen vermutlich, weil ich schon immer ein melancholischer Mensch war, zudem ängstlich und außerdem hab ich als Kind wohl zu viel Zeit damit verbracht, Dokus über das Dritte Reich zu sehen. Ich konnte das einfach nicht verstehen. Wie konnten ausgerechnet jene Menschen, die doch behaupteten ihr Land zu lieben, alles an und in diesem Land zerstören? Das war so dumm! Ihr Krieg führte dazu, dass ihre schönen Städte zerstört wurden und ihre Landsleute getötet wurden. Viele ihrer Landsleute brachten sie selber um, obwohl die ihr Land genau so liebten wie sie selbst und lediglich eine andere Religion hatten. Wie dumm kann man sein? Und die Kunst und die Kultur, wie kann man denn behaupten, Bewahrer der eigenen Kultur zu sein, wenn man führende Köpfe aus dem Land wirft oder einsperrt oder umbringt oder verbietet? Entartete Kunst, Bücherverbrennung, Berufsverbote, himmelherrgott. Außerdem taten die Nazis ja alles dafür, vom Rest der Welt gehasst zu werden. Und sie sorgten dafür, dass man ihr geliebtes Heimatland auf eine gesunde Größe zusammen stutzte. Unglaublich. Wie dumm muss man bitteschön sein, um Nazi zu sein?

Und ihre Anführer damals? Sie propagierten den Herrenmenschen und wollten den deutschen Übermenschen züchten und waren doch ein kautziger Österreicher und ein verkrüppelter Kölner. Hallo? Wie können auch heute ausgerechnet die Dümmsten, Ungebildetsten, Hässlichsten wie Zschäpe und die Uwes denken, dass ausgerechnet sie besser sind als alle anderen? Sie sind es nicht. Nein, sie sind auch nicht schlechter, nur weil sie dumm sind, ungebildet und hässlich. Aber besser sind sie schon mal gar nicht!
Und wie gefährlich diese NSDAP Arschgeigen doch waren! Ich bildete mir als kleines Kind ein, besonders clever zu sein, kritisch und philosophisch. Ich hatte Angst, dass, kämen die Nazis an die Macht, dass sie mich verfolgen würden. Denn ich war nunmal kein Kneipenschläger, kein Judenhasser, kein Kunstverbieter, kein Menschenfeind.

Warum ich Anakin Skywalker verstehe

Aber ich hatte wohl noch eine weitere Angst. Denn irgendwie konnte ich auch die Anziehungskraft verstehen, die Menschen, selbst Gebildete, Studierte, Intellektuelle zu Nazis machte. Die dunkle Seite der Macht ist stark. Vor allem, wenn man, wie der kleine Dirk, an Minderwertigkeitesgefühlen leidet. Denn zwar dachte ich einerseits, besonders clever zu sein. Andererseits fand ich mich aber auch häßlich und schüchtern und schwach. Ich konnte schon irgendwie verstehen, warum es Menschen gibt, die auch mal zu den Starken gehören wollen. Und dass man die Gegend, das Land, die Kultur mochte, aus der man kam, das fand ich auch nachvollziehbar. Außerdem waren die Nazis damals ja führend, wenn es um Propaganda ging. Fackelumzüge, Inszenierungen von Parteitagen, Schaffung und Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und, pardon aber ist so, schicke modische Klamotten. Die wussten durchaus, welche Knöpfe man drücken musste. Knöpfe, die bei allen Menschen funktionieren.

Die dunkle Seite der Macht ist stark, es gibt sie und sie machte mir Angst. Ich hatte Angst, dass die dunklen Mächte mich töten würden. Und ich hatte Angst, selbst der dunklen Seite der Macht zu erliegen.

Warum ich Obi Wan sein will

Jetzt kann man mich natürlich anfeinden. Man kann mich verurteilen, weil ich hier also Verständnis aufbringe für die größten menschenverachtenden Barbaren, die der Planet je gesehen hat. Nur zu. Ich aber denke, dass wir den Hass der Unmenschen nicht bekämpfen können mit unserem eigenen Hass. Genau das ist es doch, was uns selber zu schlechten Menschen macht. (Hätte Luke aus Hass seinen Vater erschlagen, wäre er damit selber zur dunklen Seite der Macht gewechselt.) Versuchen wir aber den Gegner zu verstehen, so können wir ihm helfen, dem Bösen abzuschwören.

Aber das ist nicht immer leicht. Vor allem nicht, wenn die hässliche Fratze des Nationalsozialismus und des Rassismus sich auch heute zeigt, bei Pegida, AfD, NSU und weißgott nicht nur da. Ich denke aktuell viel nach über meinen Kindheitsalbtraum, denn ich habe auch heute wieder Angst. Diesmal nicht davor, selber ein Rechter zu werden. Aber davor, dass die Rechten in Deutschland so stark werden, dass ich es hier nicht mehr aushalte und das Land verlassen muss. Grad so wie es Tucholsky tat. Mir wird übel, wenn ich sehe, dass Flüchtlingsunterkünfte brennen, dass der Verfassungsschutz den NSU unterstützte und nicht mal den Arsch in der Hose hat, dies zuzugeben; ich kann nicht schlafen, wenn ich an Pegida Demos denke und den Höcke höre. Ich will nicht, dass die wieder alles kaputt machen. Aber ich habe Angst, dass sie es tun.

Was kann ich dagegen tun? Ich weiß es nicht. Ich mache ein zwei Videos, schreibe Texte die kaum einer liest, mische mich in Diskussionen auf Facebook ein. Aber kann überhaupt irgendwer jener Kraft Einhalt gebieten, die in jedem Menschen, überall auf der Welt, lebt? Ich fühle mich wie Lennon ohne Mikrofon, wie Gandhi ohne Charisma, wie ein Kind, das sich unter der Decke versteckt und der Welt leise flüstert: “Schluss damit!”

Ich habe Angst. Und so lange ich noch die Kraft habe, werde ich freundlich bleiben, verständnisvoll und deren Hass mit Liebe begegnen, mit Humor, mit Optimismus. Und wenn ich die Kraft nicht mehr habe? Dann gehe ich. Ich packe im Gedanken schon mal die Koffer.

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VOM REDLICHEN BEMÜHEN

EINE KURZE GESCHICHTE

Es war weißgott nicht der angenehmste Arbeitsplatz. Man hörte Menschen rennen, panisch schreien, irgendwo hörte man eine Band spielen und der Boden schwankte erheblich. Noch dazu war es mitten in der Nacht.
Aber es nützt ja alles nichts, dachte sich Arthur Rous. Wenn nur jeder das ihm Mögliche tut, so seine Überzeugung, wird doch, Stück für Stück, alles gut werden.
Also kniete er unter dem Waschbecken von Kabine B-20 und wollte schauen, was denn das Tropfen des Wasserhahns verursachte.
Mit einem mal gab es einen krachenden Ruck – und die gesamte Kabine, ja scheinbar das ganze Schiff kippte und schleuderte ihn gegen eine Wand. Ob das Schiff auf die Seite, nach vorne oder hinten gekippt war, er konnte es nicht sagen und auch war dies jetzt nicht die dringendste Frage. Wo aber war seine Zange? Sie war ihm beim Ruck aus der Hand gefallen, nun lag sie auf der Wand. Er musste schmunzeln. Da lag eine Zange auf der Wand. Verrückte Welt.
Die Schreie wurden lauter, die Band konnte er nicht mehr hören, überall schienen Dinge zu zerbrechen, es war ein wahnsinniger Lärm und er wusste, ihm blieb nicht viel Zeit. Er reckte sich, griff die Zange, setzte sie an und fixierte den locker gewordenen Verschluss des Wasserhahnes, den er als Verursacher des Tropfens ausgemacht hatte.
Gerade noch rechtzeitig, dachte er sich und war froh, denn in seiner ganzen Zeit als Klempner hatte er noch jeden Auftrag ausgeführt. Also jetzt auch diesen. Dachte es, lächelte zufrieden und ertrank.

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ALS ICH KLEIN WAR – UND NAIV

blush
Als ich klein war, herrschte kalter Krieg und ich hatte Angst vor einem Atomkrieg. Heute habe ich Angst vor Islamisten aus der ganzen Welt und ihren Terroranachlägen.
Als ich klein war, führte die Sovietunion Krieg in Afghanistan und züchtete damit Terroristen. Heute führen die USA und ihre Verbündeten seit Jahren im Irak Krieg und züchten Terroristen.
Als ich klein war, lernte ich in der Grundschule von der dritten Welt. Heute gibt es die dritte Welt noch immer, mit genau den gleichen Ländern.
Als ich klein war, gab es humanitäre Katastrophen in Afrika. Heute gibt es noch immer humanitäre Katastrophen in Afrika, aber wir wissen genauer um unsere Mitschuld.
Als ich klein war, hielt sich die BRD strikt aus allen bewaffneten Konflikten heraus. Heute führen wir Krieg wo immer wir können und bedauern, dass unsere Gewehre nicht treffen.
Als ich klein war, besprühte ich die Wahlplakate der rechten Partei die Republikaner nachts mit “Nazis raus”. Heute marschieren Pegida und AfD.
Als ich klein war, hatten wir Angst vor Chemikalien im Grundwasser. Heute habe ich Angst, dass die Klimakatastrophe die Meere steigen lässt.
Als ich klein war, demonstrierte ich gegen den ersten Golfkrieg. Heute führen wir noch immer diesen Krieg.
Als ich klein war, gab es Waldsterben in Deutschland. Heute brennen die Regenwälder in Brasilien und Indonesien.
Als ich klein war, herrschte in Südafrika Apartheid. Heute herrscht sie in den Vorstädten von Paris, in den Berliner Kiezen und überall in den USA.
Als ich klein war, gab es die Stasi. Heute gibt es NSA, GCHQ, BND und viele mehr.
Als ich klein war, tötete Chernobyl. Heute tötet Fukushima.
Als ich klein war, starben die Menschen an der innerdeutschen Grenze. Heute sterben sie im Mittelmeer.
Als ich klein war, boykotierten wir die Volkszählung. Heute haben wir Facebook, Google und Amazon.
Als ich klein war, rief man “Internationale Solidarität.” Heute sind wir solidarisch mit den Banken, aber nicht mit den griechischen Opfern dieser Banken.

Als ich klein war, gab es kein TTIP und keine brennenden Asylantenheime.
Als ich klein war, gab es keinen NSU.
Als ich klein war, gab es keinen Krieg zwischen Russen und Ukrainern.
Als ich klein war, herrschte Krieg zwischen Israel und Palästina. Heute auch.
Als ich klein war, standen sich Amerika und Russland unversöhnlich gegenüber. Heute auch.
Als ich klein war, wussten wir nichts über den Islam und die Muslime. Heute auch.
Als ich klein war, wussten wir nichts von Afrika und seinen Menschen. Heute auch.

Als ich klein war, gab es im Kino Star Wars und James Bond und der FC Bayern wurde deutscher Meister. Heute auch.
Als ich klein war, war ein Urlaub auf Gran Canaria eine Fernreise und kaum einer war je in Amerika. Heute sind Urlaube in Dubai, Thailand und Südafrika eine Selbstverständlichkeit.
Als ich klein war, gab es drei TV Sender und eine handvoll Radiosender für schnelle Nachrichten. Heute gibt es hunderte und tausende und das Internet lässt uns live überall in der Welt sein und alles Wissen finden, das es gibt.

Früher war ich klein. Jetzt bin ich groß. Und immer noch naiv. Ich habe weniger Hoffnung, aber mehr Mut.
Ich bin Mitte vierzig, habe versucht meinen Beitrag zu leisten und zugeguckt, was der Rest der Welt macht. Und obwohl unsere Möglichkeiten und unser Wissen mit jedem Jahr größer wurden, ist alles nur noch schlimmer geworden.

Ich will glauben. Ich muss hoffen. Aber Himmel, es fällt schwer, morgens aufzustehen.

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MENSCHENAFFEN / AFFENMENSCHEN

blush

Lieschen Müller kommt auf die Welt, macht mit Ach und Krach ihren Hauptschulabschluss, arbeitet an der Supermarktkasse, bekommt Kinder und dann stirbt sie. Barack Obama besucht eine Eliteuni, wird erster schwarzer Präsident von Amerika und wirft Bomben auf Krankenhäuser. Und irgendwo zwischen diesen beiden Stühlen sitze ich. Ich trage Markenklamotten, versuche meinen Zuckerkonsum zu reduzieren und denke über Wagners Tristan nach. Und bin nichts anderes als ein Tier, dem man ein Plastikkrönchen aufsetzt.

Affen sind wir, die ihren Verstand allein dazu benutzen, sich etwas auf sich selber einzubilden.
Mit einem Teleskop kann man die Sterne beobachten, die Umlaufbahnen der Planeten erkunden und den Ursprung der Welt erforschen. Gib einem Affen ein Teleskop, und er wird versuchen damit eine Kokusnuss aufzuschlagen.

So gehen wir mit unserem Fortschritt um, unseren Erfindungen, unserer Kreativität. Wir könnten die ganze Welt retten, niemand müsste hungern, alle könnten glücklich sein. Aber seit der Erfindung des Rads ist nicht mehr viel passiert. Und es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass da noch mal was passieren wird mit uns.

Und da sitze ich dann, mit der Erkenntnis dieser großen Sinnlosigkeit und was fang ich damit an? Vielleicht wie Buddha unter einem Baum sitzen, niemandem schaden und warten, dass es vorbei geht. Oder in meinem Fall Fußball gucken und Candy Crush spielen.

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BUH, WERBUNG!

blush

Fast ist sie schon ein wenig berühmt, diese blush Werbung in Berlin, Torstraße Ecke Karl-Liebknecht- Straße.
Und immer ist sie beschmiert, mal mit feministischen Slogans, mal lieblos getagged. Logo, denn wie der feministische Genderdiskurs uns zeigt, ist dieses Plakat Sinnbild all dessen, was es zu bekämpfen gilt, nämlich die Sexualisierung, Verdinglichung von Frauen, das Zwängen und Zwingen von Frauen in die hier propagierte Rolle des süßen, jungen, schlanken Lustobjekts. Interessant ist aber daneben. Denn da hängt noch eine Werbung – und die macht exakt das Gleiche, nur halt mit Männern, und die ist nie beschmiert, nie. Egal für welches Männerprodukt Werbung gemacht wird. Komisch.

Was passiert da links? Nun, da wird ein Mann gezeigt und die Art und Weise wie er gezeigt wird soll dafür sorgen, dass die Männer die das sehen die Produkte kaufen, die da beworben werden. Und das klappt. Warum? Weil der Mann halt so männlich ist. Und was das ist, das lernen schon kleine Jungs. Der Mann hier hat einen Bart und schon in der Schule lernt man: Wenn Du zu spät oder zu wenig Bartwuchs hast, dann bist du nicht männlich, also doof. Und der Mann ist sportlich. Lernen wir schon als Kinder: Unsportliche Jungs – sehr sehr kritisch, Sportfest und Bundesjugendspiele und als letzter ins Fußballteam gewählt werden. Und der Mann ist stark! Ha, wir wollen ja keine Schwächlinge. Und er ist in der Natur. Logo, Naturburschen, kernig, ganze Männer, aber bitte bloß keine Stubenhocker. Und er ist all das, obwohl er doch schon etwas älter ist, wow, ein ganzer Kerl, auch im hohen Alter! So muss mann sein! Und das sagen uns nicht nur die Klassenkameraden, Lehrer, Väter und Fernsehshows. Nein, das sagen uns auch die Mütter, die Lehrerinnen, die Frauen in den Spielfilmen und in der Werbung. Und das sagen uns vor allem auch die Mädchen in unserer Klasse! Von denen wollen wir gemocht, geliebt, geküsst werden – und wir werden unser Leben lang alles dafür tun, dass das auch passiert.
Als Kind habe ich unter diesen Männerclichés sehr gelitten. Ich war dünn, schüchtern und am liebsten daheim. Und allein. Ich wurde gehänselt, gemobbt und ich habe viel Zeit in meinem Bett verbracht, weinend.

Diese Werbung hier in Berlin ist also, wenn man so will, sexistische Gewalt gegen Männer. Sollten wir sie also vandalisieren? Müssen wir den kleinen Dirk nicht davor beschützen? Bloß nicht!
Ich fühle mich mittlerweile sehr wohl in meiner Haut. Ich liebe es ein Mann zu sein. Ich entspreche nicht dem Bild auf dem Plakat, will es nicht, werde es nicht und muss es ja auch nicht. Denn ich habe gelernt: Das da ist ja nur ein Bild von sehr sehr vielen. Es ist nur eine Variante von Mann-sein, von Mensch sein und sie ist ebenso gut und richtg wie jede andere Variante. Es ist halt einfach nicht die richtige für mich. Aber wems gefällt, na bitteschön. 

Und deswegen will es mir auch nicht in den Kopf, warum die blush Plakate immerzu zerstört werden. Natürlich zeigen sie ein sehr eindeutiges Frauenbild. Na und? Sie behaupten ja auch nicht, dass es das einzige sei oder dass es das einzig gültige sei. Wenn es Dir gefällt, nimm es. Wenn nicht lächel und gehe weiter. Aber mach nicht kaputt was dir nicht gfällt, ohne dass es dir Leid antut.
Ich denke dahin sollten wir kommen: Verstehen, dass wir alle gut und richtig sind so wie wir sind. Gleichberechtigt und frei. Und das bedeutet auch, anderen die Freiheit zu lassen so zu sein, wie sie es gern sind. 
Ich kann als introvertierter kreativer Mann glücklich sein, obwohl meine Kindheit geprägt war von Thomas Magnum, Colt Seavers und James Bond. Aber es hätte mir mein Leben leichter gemacht, wenn die Nebenrollen keine Lachnummern gewesen wären, sondern ebenso coole Typen. Nur halt anders. Ich hätte gerne Vorbilder gehabt. Und ich hätte gebraucht, dass man mir sagt: Dirk, diese Muskeltypen, die sind ok wie sie sind, wenn sie das so wollen. Geh du nur deinen eigenen Weg.
Und wenn wir das den Jungs und Mädchen heute sagen, dann müssen sie sich später als Männer und Frauen und in all den Schattierungen die es dazwischen gibt nicht bekriegen.
Es darf nicht darum gehen jene, die anders sind als wir zu bekämpfen. Es muss darum gehen, unsere eigene Position zu finden und aufzuzeigen und darum zu erkennen, dass wir alle gleichberechtigt und gleich gut sind, aber niemals gleich – sondern einmalig.

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6 SPEKULATIONEN ZU GRIECHENLAND

MAL NÜCHTERN DRAUF GESCHAUT

Bockskampf

1. Wer ist schuld?

Das ist vermutlich die falscheste aller Fragen, denn sie hilft nicht weiter. Letztlich gibt es eine aktuelle Situation die zu meistern ist und alle, die hierzu einen Beitrag leisten wollen, können oder müssen sollten dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten tun. Die Frage nach Schuld verschiebt hier die Perspektive und beeinflusst die Lösungen. Wenn ich sage, dass Oskar schuld ist, dann erwarte ich von Oskar, dass er auch mehr zur Beseitigung des Problems tut als alle anderen. Aber Oskar kann nicht mehr tun als er auch wirklich tun kann und das ist vollkommen unabhängig davon, ob er schuld ist oder nicht. Abgesehen davon: Es ist irre demotivierend für Oskar, wenn wir immerzu mit dem Finger auf ihn zeigen. Vermutlich wird er dadurch nur bockig und will nicht helfen, das Problem zu lösen. Also, schluss damit.

2. Wer ist schuld???

Nun gut, meinetwegen aus akademischem Interesse, schauen wir mal wer schuld ist. Wer ist Oskar?
Zum einen die Griechen. Immerhin haben sie über Jahrzehnte Politiker gewählt, die ihr Land ruiniert haben. Die Griechen wussten das, aber es ging ihnen ja gut damit, also haben sie den Mund gehalten. Also, die Griechen sind schuld. Aber sie sind in guter schlechter Gesellschaft.

Europa ist schuld. Europa hat den Griechen den Euro gegeben und das war nicht clever, denn sie wussten ja, dass Griechenland die Bedingungen nicht erfüllte. Und schlimmer noch: Genau wie die Griechen selbst haben die Europäer genau jene Politiker und Parteien unterstützt, die den ganzen Schlamassel in Griechenland angerichtet haben. Und noch noch schlimmer: Sogar bei der Wahl in diesem Jahr haben sich die Europäer einen Sieg genau jener Idiotenparteien gewünscht, die den Mist gebaut haben. Unverbesserlich, ja stur muss man da sagen. Und nun wird ausgerechnet jene Partei abgelehnt, die mit den Fehlern der Vergangenheit brechen will. Europa, schuld schuld schuld.

Aber es fehlt noch wer im Trio Infernale: die Banken. Auch die Banken wissen seit Ewigkeiten, dass es eine Schnapps- bzw Ouzoidee ist den Griechen Geld zu leihen. Aber sie haben es dennoch getan, denn sie ahnten, nein wussten ja: Europa haut sie da raus! Und genau das passiert jetzt. Die deutschen und französischen Banken wollen ihr Geld zurück und Europa in Form der Regierungen und Institutionen hilft ihnen dabei. Die Banken wissen: Sie sind wichtiger als die Menschen. (Was man durchaus anders sehen kann.) Also, die Banken? Mega schuld.

3. Worüber wird gestritten?

Es geht bei Griechenland um die Lösung von zwei Problemen (und ja, ich male hier mit dem dicken Pinsel, das ist ein Blog, kein Buch):
Wie kann Griechenland seine Schulden bezahlen?
Und wie kommt die griechische Wirtschaft wieder auf die Beine.
Wenig überraschend hängt das eine an dem anderen und umgekehrt.
Leider gibt es hier keine Lösung mit Erfolgsgarantie, es gibt keine Idee mit Geld-zurück-Versprechen. Alle Ideen sind also pure Spekulation. Die einen sagen, dass man in Griechenland investieren muss. So springt die Wirtschaft wieder an und das Land verdient Geld, mit dem es seine Schulden begleichen kann. Dieser Meinung sind zum Beispiel die USA und die Griechen selbst.
Eine andere Idee ist es, so viel Geld wie möglich zu sparen, also Ausgaben senken und im Grunde das tun, was Unternehmensberatungen so tun: Leute entlassen, Kosten senken, langsam wieder hoch arbeiten. Dieser Meinung sind die Institutionen/ die Troika und zum Beispiel Deutschland.

4. Wieso gibt es keine Einigung?

Wir haben hier zwar ein Problem, das sich völlig nüchtern analysieren lässt. Leider aber sind die beiden Lösungsansätze Folge unterschiedlicher Ideologien. Ideologien sind im Wesen eine Herzensangelegenheit, haben neben einem rationalen auch einen sehr großen emotionalen Anteil. Und genau diese Emotion steht beiden Parteien im Weg. Syriza ist eine linke Partei und das sagen sie auch laut und deutlich. Das ist leider nicht sehr diplomatisch, denn die Gegenseite ist neoliberal. Je mehr beide Seiten also ihre ideologische Natur, je mehr sie ihre Unterschiedlichkeit betonen, desto unwahrscheinlicher wird eine Annäherung. Dies ist ein gut erforschtes Phänomen. Indem ich konstatiere, dass A unterschiedlich ist zu B nehme ich die Unterschiede zwischen beiden größer wahr als sie sind. Hier bedeutet das: Es gibt keinen linken Neoliberalismus, keine Schnittmenge der beiden Seiten, keine Lösung. Leider verstellen uns also die Ideologien den Blick auf die nüchterne Sachlösung.

Leider aber hat das noch weitere Konsequenzen. Syriza sagt, dass sie ihren Kampf für ganz Europa kämpfen, denn Syriza möchte schlichtweg ein anderes System, denn sie haben eine andere Weltsicht als die meisten anderen europäischen Regierungen. Ich bewundere den Idealismus von Syriza, aber damit machen sie es umso schwerer. Denn natürlich haben die europäischen Verhandlungspartner Angst, dass Syriza mit seiner neuen Ideologie Schule macht, denn das würde bedeuten, dass die aktuellen Machthaber Europas ihre Macht verlieren. Die haben daran natürlich kein Interesse.

Diese Dynamik ist Folge eines geeinten Europas. Die Länder des Kontinents sind einander mittlerweile so nah, dass Veränderungen in einem Land Auswirkungen in anderen, weit entfernten Ländern haben können. Erinnern wir uns nur an die Angst der Spanier vor dem schottischen Unabhängigkeitsreferendum. Wenn die Schotten sich von England lösen, Himmel, dann gehen vermutlich auch die Katalanen. (Und das ist nur ein Beispiel von vielen.)

5. Und die Medien so?

Die deutschen Medien tun was sie können – um die Sache noch zu verschlimmern. Aber vielleicht ist meine Sicht da zu idealistisch. Ich sehe das nämlich so: Parteien wollen und sollen zur Meinungsbildung beitragen. Das hat zur Folge, dass sie gelegentlich lügen, um die Meinung der Öffentlichkeit in ihrem Sinne zu beeinflussen. So behaupten beispielsweise CDU-, CSU- und SPD-Mitglieder unisono, dass es an der Zeit sei, dass die Griechen Reformvorschläge machen. Dabei machen diese das seit Monaten. Sie behaupten immerfort, dass sie griechische Vorschläge akzeptieren, die sie selber nachweislich aus den Dokumenten gelöscht haben. Kurzum: Sie lügen. Nachweislich. Am laufenden Band. Den Prozess würden sie verlieren. Aber Schwamm drüber.
Bedenklich aber ist, dass die deutschen Medien all diese Falschaussagen übernehmen. Die live Kommentare aus Brüssel und Athen, die Berichte in den Nachrichtensendungen, die Behauptungen in den Talkshows – alles der selbe Unsinn. Wieso machen die das? Die Berichterstattung ist tendenziös und manipulativ und trägt zur emotionalen Eskalation bei. (Am Rande erwähnt verfüge ich über die berufliche professionelle Expertise dies beurteilen zu können.) Allein ein Blick in die ausländische Berichterstattung und die deutschen Kollegen müssten ihre Perspektive zumindest überdenken.

6. Wie kommen wir doch noch zu einer Einigung?

Wenn zwei sich streiten, schlichtet der Dritte. Varoufakis hat den Weg frei gemacht, aber das ist nicht genug. Beide Seiten sind stur, haben sich verrant. Da muss nun jemand von außen ran. Irgendwer von einem anderen Kontinent mit der nötigen Expertise und Autorität. Es ist ja nicht so, als seien die unterschiedlichen Positionen nicht ausreichend bekannt. Also, eine Schlichtung muss her. Dampf muss raus aus dem Kessel. Die Kuh muss vom Eis. Ruhig Blut. Kühlen Kopf bewahren etc pp.

 

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Wölfe, Schafspelze und ein schwarzes Schaf

J’ACUSE, IHR SCHÖNWETTERMORALISTEN!

vive
Die schonungslose Wahrheit vorneweg: Ich unterstelle niemandem böse Absichten, Ja im Gegenteil sogar potz Blitz, ich begegne den Akteuren dieses Trauerspiels sogar wohlwollend, wenn nicht gar freundschaftlich. Dies bedeutet jedoch keinen Freibrief. Meine Kritikfähigkeit bewahre ich mir und bin durchaus gewillt zu prüfen, ob selbst jene, die ich mag, wie ich nun mal alle Menschen mag, nicht doch auch Dinge tun, die kritisiert werden müssen.

Der kategorische Imperativ

“Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ (I. Kant)

Lasst uns also den kategorischen Imperativ auf das Verhalten der Verantwortlichen, für die Konsequenzen der neuen Studienordnung, anwenden. Das ist nicht nur eine Aufgabe die intellektuell Spaß macht, zumindest mir. Das macht auch Sinn. Immerhin ist seitens der Lehrkräfte der Grundschulpädagogik immer wieder die Rede von Inklusion, Heterogenität, Gender, Orientierung der Lehre an der Lebenswirklichkeit. Es wird von Humboldts Ideal der Bildung gesprochen, von der Erziehung zum kritischen Menschen, kurzum: Die Lehrenden wollen uns verdeutlichen, wie vielschichtig unser zukünftiger Beruf ist und wie sehr er doch immer wieder moralische Handlungsentscheidungen tangiert. Verknappt ausgedrückt sagt man uns: „Helft Euren Schülerinnen und Schülern gute Menschen zu werden.“

Ich bin voll dafür. Und meine Einstellung zu dieser Forderung und diesem Wunsch ist eindeutig: If you talk the talk you gotta walk the walk. Wenn die Lehrenden dies wünschen, dann sind sie in der Pflicht mit gutem Beispiel voran zu sehen. Ihr Wunsch verliert ansonsten seine Glaubwürdigkeit und mit seiner Glaubwürdigkeit seine Bedeutung. Nein nein, das ist nicht die Forderung nach Perfektion, nach Fehlerlosigkeit, danach alles immer wieder richtig zu machen. Es ist aber die Frage: Werden die Verantwortlichen ihren eigenen Idealen gerecht? Oder haben wir hier im worst case einen Fall von Doppelmoral und Scheinheiligkeit? (Ich empfehle ob dieser schweren Worte einen Rückblick auf den ersten Abschnitt, denn ich unterscheide zwischen Tat und Täter. Ja, das geht.)

Für mein eigenes tägliches Handeln und Denken ist der von Kant entwickelte kategorische Imperativ, tatsächlich Credo meines Lebens. Himmel, ich scheitere oft, j’acuse myself quasi. Aber ich versuche es doch immer. Ganz praktisch bedeutet das für mich zum Beispiel, dass ich nur von anderen wünsche, was ich selber auch bereit zu tun bin und, dass ich nur tu, was ich grundsätzlich immer tu, aus vollster Überzeugung. Es bedeutet, dass ich auf mein Handeln immer die gleichen Regeln anwende, dass ich nicht mal so und mal so handel, je nach Situation, sondern, dass ich Ideale verfolge und dies konsequent und ausnahmslos. Ich versuche bei meinem Handeln Regeln, Überzeugungen, Moralvorstellungen zu verwirklichen, die für mich unverhandelbar sind. Man kann das vergleichen mit den Menschenrechten. Menschenrechte sind unverhandelbar, egal welcher Mensch, egal wann, egal wo. Das ist für mich die Praxis des kategorischen Imperativs: Das Motiv meines Handelns ist situationsabhängig, denn es fußt auf meine Vorstellung von einem guten Leben.

Kategorisches “ja, nein, jein”

Also los, ihr Pädagogen der HU, schauen wir mal, was Ihr da so macht.

1. Mit der neuen Studienordnung wird das Studium nicht nur wie angekündigt länger, es verändert sich nicht nur quantitativ, sondern unangekündigt auch qualitativ. Das zuvor zugesagte Fach wird gestrichen. Das ist als würde man nach einer Halbzeit die Regeln ändern. Als würde man, nachdem man ein Produkt verkauft hat, das Produkt verändern. Das war nicht der Deal. Ich finde das, na, sagen wir mal: ich finde das nicht fair.
2. Vorherige Zusagen, dass sich lediglich die Länge des Studiums ändert, man an der HU bleiben kann und maximal das Zweitfach an der FU belegt, werden geleugnet. Ok, kann passieren. Das Ist sehr bedauerlich aber, wenn zwei sich unterhalten hören sie zwei teils sehr unterschiedliche Gespräche.
3. Bachelor ist ein fertiger Abschluss. Das wird behauptet. Und somit könne man sein Studium ja wie zugesagt beenden. Der Master, um den es ja ginge, sei vom Bachelor losgelöst. Das ist scheinheilig. Das hat mit der Lebenswirklichkeit nichts zu tun. Das ist ein Rückzug auf faule Regeln, die man zudem selbst geschaffen hat. Ausgerechnet im Lehramt zu behaupten, man habe mit dem Bachelor ja schon einen gültigen Abschluss? Das Wort „Fassungslosigkeit“ kommt mir in den Sinn.
4. Es ist möglich an der HU weiter zu studieren, heißt es dann. Von Zwang könne also keine Rede sein. Ach so, ein Kleingedrucktes gibt es da noch: nur wenn man etwas anderes studiert. Du darfst bleiben, aber nur zu unseren Bedingungen und die haben wir, hoppla, geändert nachdem wir zwei eine Verabredung getroffen haben. Zudem ist das dann noch verbunden mit dem Zwang 10SP extra zu machen. Also eine doppelte Benachteiligung.
5. Aber tataa, die Rettung naht. Es wird erlaubt die Uni zu wechseln. Geh doch nach drüben, wenns Dir hier nicht gefällt. Wie großzügig. Nach Bologna und der europaweiten Harmonisierung der Studiengänge, erlaubt mir die HU die Uni zu wechseln und möchte dies, als Paradestück ihres Einsatzes für ihre Studierenden verstanden wissen. Na chuzpe, haben sie ja.
Zusammen_ fassend würde ich also sagen: Im Ernst jetzt? Das findet Ihr ok, Euch so zu verhalten? Das ist korrekt und die Welt wäre ein besserer Ort, wenn sich alle so verhalten würden wie ihr? Kant und Humboldt würden sich im Grab drehen, bis ihnen die Maden aus den Schädeln fallen.

Was Du nicht willst, was man Dir tut

Aber ich versuche mal genau das zu tun. Was wäre wenn. Was wäre, wenn das alle so machen würden? Was wäre jetzt also, wenn ich mich als Leiter einer Grundschule genauso verhalte? Dann passiert dies:
1. Ich sage den SuS der zweiten Klasse und deren Eltern, dass die Grundschule zwei Jahre länger dauert (und ein späteres Abitur entsprechend auch). Ich sage, dass zudem das Fach Sachunterricht an dieser Schule nicht mehr unterrichtet wird.
2. Vorherige Zusagen an die Eltern, dass sich lediglich die Länge der Grundschulzeit ändert, werden geleugnet. Dass die Familien sich darauf verlassen hatten und ihre Lebensplanung entsprechend gemacht haben, tangiert mich nicht.
3. Und ich sage, dass es den SuS frei steht die Schule sofort und für immer zu verlassen, da sie ja das Zeugnis für sie zweite Klasse haben und dies ja ein abgeschlossener Abschluss sei.
4. Ich sage, dass sie an meiner Schule bleiben können, wenn sie statt Sachunterricht Chinesisch belegen, hierfür aber auf die kommenden Sommerferien verzichten müssen, um den verpassten Stoff in Chinesisch nachzuholen.
5. Ich erlaube den Schülern und Schülerinnen, anstatt weiterhin an meine Berliner Schule zu gehen, nach München zur Schule zu wechseln. Dass das mit der ganz konkreten Lebensplanung einzelner Familien nicht funktioniert? Kollateralschäden.

L’etat c’est moi

Wer das bis jetzt spaßig fand, sollte jetzt aufhören zu lesen, denn jetzt wende ich den kategorischen Imperativ im sechsten Gang an. Stellen wir uns vor, ich bin die Regierung dieses Landes

1. Ich erlasse ein Gesetz nachdem in Deutschland nur journalistsich tätig sein darf, wer einen Master in Journalismus hat. Nachdem sich die Studierenden eingeschrieben haben und ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet haben, lege ich gesetzlich fest, dass das Studium zwei Jahre länger dauert. Das Fach „Politischer Journalismus“ wird gestrichen. Dass sich hierfür bereits Menschen eingeschrieben haben und dies auch schon einige Jahre studierten – pah.
2. Im Wahlkampf gemachte Äußerungen, dass sich nur die Dauer des Studiums ändert, leugne ich.
3. Studierenden die diese Änderung nicht akzeptieren teilen ich mit, dass sie ja den Bachelor machen könnten, das sei ein fertiger Abschluss, wenngleich ich ihnen gesetzlich verbiete mit diesem in Deutschland zu arbeiten.
4. Ich teile den Betroffenen angehenden Journalisten mit, dass sie statt politischem Journalismus ja fortan das Berichten über Botanik erlernen können. Ich lege fest, dass sie hierzu eine finanzielle Zwangsabgabe zu leisten haben.
5. Ferner beschließe ich ein Abkommen mit den USA. Wer von den deutschen Studierenden weiterhin politischen Journalismus studieren will, darf in die USA wechseln und dort zu Ende studieren.

Der Fall der betroffenen politischen Journalisten zeigt: Hier herrscht eine Diktatur mit Berufsverboten, willkürlichen Strafen und Ungleichbehandlung. Ich muss an Frau Rapoport denken. Oder an ein Echo aus dem Kalten Krieg: „Wenns dir hier nicht passt, dann geh doch nach drüben.“ „Uns gefällt deine Nase nicht, also müssen du und dein krummnasigen Freunde netzt doppelt so viel arbeiten,“ „Du musst jetzt eine Extrasteuer zahlen.“ „Wir machen die Regeln wie sie uns passen, denn was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!“

Juristisch mag das alles völlig koscher sein. Recht haben und Recht bekommen und so. Aber mich interessiert allein die moralische Dimension. Wenn die Verantwortlichen der HU nach dem kategorischen Imperativ handeln, müssen wir annehmen, dass sie nicht nur im Fall der neuen Studienordnung handeln wie sie es tun, sondern auch in jeder anderen Situation, sei diese lapidarer oder noch deutlich gravierender Ich habe keine Ahnung und kann es auch gar nicht wissen.

This is my truth, tell me yours

Ich möchte hier einen Vorschlag machen, zur Einordnung dessen, was hier passiert: Was hier aktuell von ganz konkreten Menschen getan wird, hat ganz konkrete Wirkungen auf andere Menschen. Und das Handeln der Verantwortlichen ist bedenklich. Nicht nur nach meinen eigenen Standard, sondern in meinen Augen auch nach ihren eigenen.

Ließe sich das so sagen?

Ich verurteile das nicht. Die Handeln können nur über sich selbst urteilen und richten. Es steht mir nicht zu, über einen anderen Menschen als mich selbst zu richten. Ich habe nur meine eigene Wahrheit und bemühe mich, auch wenn es sichtlich schwer fällt, gelassen und wohlwollend zu bleiben. Ich zeuge lediglich meine Position auf und versuche einen Diskussionsbeitrag und Gedankenanstoß anzubieten. Und die Fragen aufzuwerfen: Ist das gerecht? Ist fas fair? Ist das anständig? Wollen wir, dass das die Handlungsmuster sind nach denen wir unsere Welt bauen? Ist es das, was wir unseren Schülerinnen und Schülern beibringen sollen und wollen?

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HAST DU DAS HETERO_GEN?

100% GENDER, 0% TOLERANZ?

bethechange

Die Sache mit der Heterogenität ist in der Praxis viel schwieriger als in der Theorie. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Möchte ich Heterogenität, möchte ich sie leben, vorleben und sehe ich sie als wichtig und richtig an – oder eben nicht.

Heterogenität, das ist Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit und diese lässt sich bis ins kleinste Detail durchdeklinieren. Heterogenität ist hierbei auch immer die Vielfalt von Meinungen. Ist mir Heterogenität wichtig, so bedeutet dies auch, dass es mir wichtig ist verschiedene Meinungen zuzulassen. Schwierig wird dies aber, wenn andere Meinungen meinen eigenen zuwider laufen. Wenn die eigene Freiheit aber auch immer die Freiheit des anders Denkenden ist, muss ich mich fragen in wie weit es mir gelingt, andere Meinungen und Überzeugungen zu akzeptieren.

Oftmals tappe ich hierbei in eine emotionale Falle, nämlich dann, wenn eine andere Meinung mir so zuwider ist, so an den Grundfesten meiner Überzeugungen rüttelt, dass ich die andere Meinung bewerte, beurteile, ja verurteile und, schlimmer noch, jenen verurteile, der eine andere Meinung hat. Dabei ist eben das doch der Lakmuszest der Heterogenität, die Gretchenfrage der Freiheit: Wie hältst Du es mit denen die anders sind?

An anderer Stelle habe ich dies mal an Millieustudien zu zeigen versucht. Milieustudien sind immer Verallgemeinerungen und somit per se das Gegenteil von Heterogenität. Wenn ich basierend auf Milieustudien andere Menschen betrachte muss ich wissen, dass ich hier von Verallgemeinerungen ausgehe und diese dem Einzelnen und der Heterogenität der Einzelnen nicht gerecht werden können. Ich halte Milieustudien für die Praxis als Lehrer also für wenig hilfreich.

Gender Blender

Ein weitaus emotionaleres Thema ist das der Genderforschung. Hier zeigt sich ein ums andere mal wie schwierig ist es sein kann, die Meinung Andersdenkender zu tollerieren.

So wie ich die Genderforschung verstehe geht es unter anderem darum, Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechtes zu beurteilen, viele Geschlechter zuzulassen, Geschlechterstereotypen zu unterlassen und jeden Menschen hinsichtlich seines Geschlechtes individuell zu betrachten aber nicht zu bewerten oder ihm Dinge zu unterstellen, seien diese positiv oder negativ. Heterogenität ist hier also Geschlechterfreiheit, mein Geschlecht ist das was ich sage und denke und fühle was es ist. Das Geschlecht eines anderen ist das was dieser sagt und denkt und fühlt was es für ihn ist.

Diese Wahlfreiheit stößt dann immer wieder an ihre Grenzen, wenn sich andere entscheiden Geschlecht zu sehen, wie es die aktuelle Genderforschung nicht sieht, nämlich traditionell, zweigeteilt, hier die Männer mit typisch männlichen Attributen, dort die Frauen mit typisch weiblichen Attributen – beziehungsweise Stereotypen oder gesellschaftlich geprägten Eigenheiten.

Und eben hier kann und muss ich selber mich überprüfen: Kann ich meine eigene Überzeugung von Heterogenität wirklich leben? Bin ich tatsächlich in der Lage auch zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anderer Meinung sind und ein neues, offeneres Geschlechterbild ablehnen?

Meine persönliche Meinung ist: Ich will dies akzeptieren, denn verurteile ich hier die Meinung anderer, so nehme ich mir die eigene Legitimation Heterogenität als Ideal zu sehen. Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden.

Allein das Plädieren für mehr Toleranz im Umgang mit Heterogenität, allein der Vorschlag, Anders Sein auch dann zu akzeptieren, wenn es jenseits meiner persönlichen Wohlfühlzone ist ist jedoch etwas, was mir persönlich im Rahmen meines Studiums ein ums andere schwer gemacht wird. Denn die Genderdebatte ist wie es scheint eine sehr emotionale.
Allein die Bitte Anders Denken zu akzeptieren führt zu emotionalen Reflexen. Diese führen gelegentlich sogar so weit, dass mir eine Meinung unterstellt wird die weder meine eigene ist, noch dass jene die dies tun überhaupt zu wissen scheinen, was meine Meinung ist. Zu emotional ist die Reaktion, zu wenig rational und selten fußend auf dem tatsächlich Gesagten und vielmehr reagierend auf das, was man zu hören glaubt. Die Grenzen der Heterogenität sind hier bereits überschritten. Es gibt lediglich einen gelernten Automatismus von Vorwürfen. 

Auch wird die Diskussion dann oftmals so emotional, persönlich, bewertend und verurteilend geführt, dass es mir schwer fällt zu sehen, wie diese Art des Diskurses der Sache hilfreich sein kann.

Be the change

Ich persönlich denke nicht, dass sich durch Konfrontation, noch dazu persönliche Konfrontation geschweige denn persönliche Angriffe Heterogenität leben und vorleben lässt. Auch glaube ich nicht, dass man so für die eigene Position, nämlich ein friedliches Miteinander der Unterschiedlichkeiten erfolgsversprechend wirbt. Ich glaube nicht daran, dass man mit einem solchen Krieg seine Ziele erreichen kann. Ich glaube nicht daran, dass man mit Krieg Frieden schaffen kann. Ich glaube nicht, dass man erfolgreich für die eigene Position werben kann, wenn man jene die eine andere Meinung haben aufs Übelste attackiert und öffentlich bloß stellt. 

(All dies hat besondere Beseutung für angehende Lehrer und jene die Lehrer ausbilden, denn es gibt ja keinen Grund in der Trainingsphase an der Universität anders zu handeln als im Klassenzimmer. Wie will ich also handeln, wenn ein Schüler eine andere Meinung vertritt und mir diese sehr übel aufstößt? Will ich ihn beleidigen, öffentlich brandmarken und ihm emotionales Leid zu fügen und dabei hoffen, dass er seine Meinung ändert? Dann will ich ihn also dressieren, abrichten. Oder will ich gelassen reagieren und ihm vorleben wie meine Wahrheit aussieht, hoffend, dass ich ihm die Möglichkeit gebe entdeckend zu lernen? Dann will ich ihn also bilden, ihm ermöglichen selbst zu wachsen.)

Aber ich erlebe es ein ums andere mal, das Verurteilen, das Artackieren, das Denunzieren. Und sicher bin ich auch selber nicht davor gefeit stets so zu handeln, wie es meinen eigenen Überzeugungen entspricht.

Worum ich mich aber stets bemühe ist zu vermeiden, andere zu beurteilen. Auch will ich nicht andere verurteilen. Es steht mir nicht zu. Jeder kann nur über sich selber richten. Und auch wäre es nicht weit her mit meinem Wunsch nach Heterogenität, wenn ich nicht zumindest versuchen würde andere selbst dann zu akzeptieren, wenn es weh tut.

Hat dies Grenzen? Natürlich. Freiheit darf keine banalisierende Gleichgültigkeit sein. Wo man aber die Grenzen zieht zwischen “seh ich anders, kann ich aber tolerieren” und “Du hast Unrecht, ich mach dich fertig” muss natürlich jeder für sich selber überlegen und ein ums andere mal ausloten.

Für mich persönlich ist die Grenze dann überschritten, wenn ich persönlich angegiffen, beleidigt, verurteilt werde. Auch dann versuche ich dies zu tolerieren. Aber dann fällt es sehr schwer. Ich bemühe mich sehr andere so zu akzeptieren wie sie sind. Und ich hoffe stets dass andere mich so anzeptieren wie ich bin. Ich möchte nicht bewertet werden weil ich bin wie ich bin. 

Wie jene die angreifen, beleidigen und verurteilen ihr eigenes Handeln sehen ist nicht an mir zu erraten oder gar zu bewerten.

As Gandhi said, “Be the change you wish to see in the world.”

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THE CAKE IS A LIE – TEIL 1

WARUM WIR GLÜCK GEGEN KONSUM TAUSCHEN

Untitled

1.

Kleine Kinder lügen nicht. Das ist eine Kulturtechnik, für die sie erst ein gewisses Alter erreichen müssen. Das beginnt mit etwa vier Jahren. Und kleine Kinder reflektieren auch nicht ihr Handeln. Sie denken nicht darüber nach, was sie tun beziehungsweise warum sie es tun, Sie tun es einfach. Auch hierfür müssen sie erst ein paar intellektuelle Sprossen erklommen haben. Das weiß jeder, der eigene Kinder hat oder Kinder kennt und ich weiß es zudem, weil ich Grundschulpädagogik studiere – und kleine Kinder habe und kleine Kinder kenne. Aber trotzdem gibt es natürlich Gründe für Kinder die Dinge zu tun die sie tun. Vor allem gibt es Gründe dafür, dass sie jene Dinge tun, die sie freiwillig, aus eigenem Antrieb tun. Kinder haben eine intrinsische Motivation, also einen inneren natürlichen Antrieb. Und der lässt sich auf zwei Motive reduzieren: Spaß und zwischenmenschliche Kontakte. Wenn man Kinder danach fragt, was sie gerne machen (und das haben meine Komilitonen und ich im Seminar “Kindheit im Wandel” getan), dann nennen sie spielen, basteln, Sport, mit Freunden treffen, mit denen spielen, mit den Eltern was machen, zum Beispiel spielen, malen, Bilder gucken und so weiter. All das sind letztlich nur Varianten von Spielen und Kontakt mit anderen haben. Spaß und andere Menschen, das ist es also, was Kinder antreibt und wenn wir bedenken, dass wir alle ja unsere Leben als Kinder beginnen, dann sind Spaß und der Kontakt zu anderen Menschen zwei unserer Urmotivationen. Sie helfen uns, uns zu entwickeln. Und es fällt uns, genauer unserem Gehirn besonders leicht zu lernen, sich zu entwickeln, wenn wir Freude haben an den Dingen die wir tun.
Nun wird es meine Aufgabe als Grundschullehrer sein die Kinder darin zu unterstützen, sich zu entwickeln. Es gibt hierfür eine ganze Reihe von Schulfächern und eine ganze Reihe von übergreifenden Kompetenzen, die ich ihnen vermitteln soll und mein Studium befasst sich intensiv damit, was ich ihnen beibringen soll und wie.
Je länger ich jedoch studiere (und ich bin gerade mal im fünften Semester), desto mehr wundere ich mich. Denn ich lerne den Kindern Mathematik beizubringen, lesen, schreiben, Naturgesetze, unsere soziale und politische Ordnung und ich lerne wie ich ihnen beibringe lernen zu können, Fragen zu stellen, zu forschen. Ich lerne aber nicht, wie ich ihnen ermögliche möglichst viel Spaß zu haben und ich lerne nicht, wie ich ihnen vermittel mit anderen gemeinsam Spaß zu haben. Seltsam, denn sind das nicht eben jene Dinge, die ihnen, den Kindern besonders wichtig sind?
Wenn die Kinder aus der Schule kommen, wenn sie entlassen werden in diese Welt und wenn wir Lehrer davon überzeugt sind, sie im Rahmen unserer Möglichkeiten am Besten auf das Leben vorbereitet zu haben, dann haben wir ihnen letztlich zweierlei beigebracht: Die Fähigkeiten, einen Job zu finden und zu bewältigen und zudem sich einzufügen in unser gesellschaftliches System. Und genau das werden unsere Schüler dann tun: Sie werden einen Job finden und sich ins System finden. Und das machen sie dann für den Rest ihres Lebens. Und dann? Dann kommt der Hammer. Und er trifft sie zu einem Zeitpunkt, da es zu spät ist um etwas zu ändern.

2.

Bronnie Ware ist eine australische Krankenschwester. Sie hat viele Jahre lang Patienten in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Und sie hat aufgeschrieben, was diese Menschen, sterbend, am Ende ihres Lebens angelangt, bereuten. Sie hat notiert, was diese Menschen, wenn sie noch einmal die Möglichkeit hätten, anders tun würden in ihrem Leben. Und so unterschiedlich diese Menschen auch gewesen sein mochten, sie hatten letztlich die selben fünf Dinge, die sie bereuten in ihrem Leben:
1. Sie wünschten, sie hätten ihr Leben nicht so sehr nach den Erwartungen anderer ausgerichtet, sondern an ihren eigenen Wünschen und Belangen.
2. Sie wünschten, sie hätten nicht so viel gearbeitet.
3. Sie wünschten, sie hätten den Mut gehabt offen mit ihren Gefühlen umzugehen.
4. Sie wünschten, sie hätten mehr Zeit mit ihren Freunden verbracht.
5. Sie wünschten, sie hätten sich selbst erlaubt glücklicher zu sein.

Ist es nicht traurig, dass offensichtlich niemand sie darauf vorbereitet hatte, das Leben zu führen, dass sie sich auf dem Sterbebett gewünscht hätten? Ist es nicht traurig, dass ihre Wünsche als alte sterbende Menschen eben jene Wünsche und Motivationen sind, die sie schon als Kind hatten? Und ist es nicht traurig, dass sie nicht nur aber auch in der Schule etwas ganz anderes gesagt bekommen haben? Ist es nicht traurig, dass die Welt, dass die Gesellschaft ihnen eine Lüge aufgetischt hat? Dass sie ein eben lang dachten, es richtig zu machen um doch nur zu bemerken, dass sie einem falschen Ziel nachgeeifert hatten, nämlich arbeiten, Erwartungen erfüllen und sich selbst verleugnen?

3.

Ich halte kein Ziel auf Erden als größer, schöner und erfüllender als glücklich zu werden und zu sein. Was nützt mir meine Ausbildung, mein Job, mein Geld, was nützen mir Frau, Familie und Freunde, was nützen mir Playstation und Bundesliga, was nützt mir gar meine Gesundheit, wenn ich nicht glücklich bin? Und: Was nützt mir meine Gesundheit, wenn mich mein unglücklich Sein krank macht? Was aber passiert da mit uns im Laufe unseres Lebens, dass wir vergessen glücklich zu werden, dass wir aufhören unser Leben danach auszurichten, was uns glücklich macht? Die Frage ist nur schwer zu beantworten. Leichter ist es zu beantworten, was uns tatsächlich glücklich macht, unabhängig davon, ob wir es tun oder nicht.

4.

Dan Gilbert ist Professor für Psychologie in Harvard. In seinem TED Talk “The surprising science of happiness” berichtet er von dem Vergleich zweier Personengruppen. Die eine Gruppe besteht aus Lottogewinnern, wirklichen echten Lottogewinnern, Menschen also, die sehr sehr viel Geld gewonnen haben. Und die andere Gruppe besteht aus Menschen, die querschnittsgelähmt wurden, die es nicht immer schon waren, sondern aufgrund eines Unfalls das Gefühl in ihren Beinen verloren. Fragen wir uns nun, in welcher Gruppe wir lieber wären, in welcher Gruppe wir wohl glücklicher wären, so würden wir ganz sicher lieber zu den Lottogewinnern gehören. Die Wahrheit ist aber mindestens erstaunlich: Ein Jahr nach dem Lottogewinn und ein Jahr nach dem Verlust der Kontrolle über die eigenen Beine sind beide Gruppen gleich glücklich. Reich sein macht nicht glücklicher als querschnittsgelähmt zu sein. Paralysiert sein macht nicht unglücklicher als im Lotto zu gewinnen. Es macht im Grunde keinen Unterschied.
Der Grund hierfür liegt in dem Unterschied zwischen “natürlichem glücklich-Sein” und “synthetischem glücklich-Sein”. Natürlich glücklich sind wir, wenn wir bekommen was wir wollen. Synthetisch glücklich sind wir wenn wir mit dem zufrieden sind, was wir bekommen, ob wir es nun wollten oder nicht,
Nun wird niemand anstreben querschnittsgelähmt zu werden. Aber wir alle streben nach Geld und, zumindest die meisten von uns, nach möglichst viel davon. Warum aber sagt uns niemand, zum Beispiel in der Schule, dass viel viel Geld gar nicht glücklich macht? Warum denken wir, dass es erstrebenswert ist natürlich glücklich zu sein, dass synthetisches Glück aber nicht so viel wert sei? Dan Gilbert hat eine einfache Erklärung hierfür: Mit synthetischem Glück lässt sich einfach kein Geld verdienen. Wenn alle glücklich sind mit dem was sie haben, werden sie kaum immerzu neue Produkte kaufen wollen.

5.

Daniel Kahneman ist Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und war unter anderem Professor für Psychologie in Berkeley. Er beschäftigte sich mit einer vom Gallup Institut geführten Umfrage zum Glücksempfinden in Verbindung mit Einkommen, also Geld. Das Ergebnis: Je ärmer man ist, desto unglücklicher ist man. Das gilt aber nur bis zu einem Haushaltsbruttojahreseinkommen von etwa 75.000 Dollar. Ab diesem Wert hat Geld keinen Einfluss mehr auf das persönliche Glücksempfinden. Heißt: Wenn meine Frau und ich 75.000 Dollar im Jahr verdienen sind wir glücklich und wenn wir mehr verdienen, wird uns das nicht glücklicher machen.
Nun sind das Dollar und die Amerikaner zahlen auch eher weniger Steuern als wir Deutsche und dennoch: Wenn ich diesen Betrag umrechne komme ich auf ein Einkommen, das mir nicht das Gefühl geben wird reich zu sein, denn das sind etwa 2.000 Euro netto für mich und 2.000 Euro netto für meine Partnerin im Monat.
Wenn ich dies nun als finanzielle Basis für mein persönliches Glück nehme, werde ich auch akzeptieren müssen, dass ich mir den ein oder anderen Luxus nicht mehr werde leisten können. Das Schöne daran ist aber: Das muss ich auch gar nicht, denn es wird mich nicht glücklicher machen. All die Dinge, von denen ich glaube sie haben zu müssen befriedigen nur ein kurzfristiges Gefühl. Wirklich glücklich werden sie mich nicht machen. Warum habe ich aber den Eindruck, das die gesamte Welt um mich herum mir weismachen will, dass ich mehr Geld brauche um mehr Dinge kaufen zu müssen? Und hier sind wir wieder bei Dan Gilbert: Weil ich sonst nicht konsumiere.
Ein interessanter Aspekt ist hier, dass sich Kahnemann in seinem Bericht auf die amerikanischen Ergebnisse stützt. Gallup hat die Untersuchung international durchgeführt. Für die Amerikaner lässt sich aber sagen, dass übermäßiger Konsum sie nicht glücklich macht – und das in einem Land, das wie kein anderes westliches Land auf Konsum geeicht ist. Die Amerikaner predigen also Konsum, müssen aber eingestehen, dass er sie nicht glücklich macht.

6.

Prof. Dr. Gerald Hüther ist Neurobiologe. In seinem auf Youtube zu findendem Vortrag zum Thema „Glücksgefühle“ nennt er zwei Grundtriebe des Menschen, zwei Urwünsche, die sich bereits im Mutterleib entwickeln: Verbundenheit, also Dazugehören zu einem Menschen, einer Gruppe, der Gesellschaft. Und Freude haben am entdecken, am Entwickeln, am Lernen, am Tun. Wenn der Mensch in seinem Leben beides kann, dieses verbunden sein und gleichzeitig fri sein, dann geht es ihm gut. Und siehe da, dies sind doch eben jene beiden Motivationen, die wir noch bei kleinen Kindern beobachten können: Spaß haben an den Dingen die sie tun und Kontakt zu Menschen, zu ihnen wichtigen Menschen.
Aber der Mensch ist ja ein lernbegabtes Wesen. Und so geht er in die Welt und versucht glücklich zu werden und er versucht umzusetzen was er im Bauch seiner Mutter gelernt hat, nämlich zu wachsen, zu lernen, was das Gehirn nunmal nur kann, wenn es Freude hat an dem was es tut. Und er versucht fest und sicher gebunden zu sein. Und das gelingt nicht. Zumindest nicht immer. Oder vielleicht sogar selten. Und das ist eine schlimme Sache, denn ohne Glücksgefühle kann der Mensch nicht leben und wenn et sie nicht bekommt indem er seine Urwünsche erfüllen kann, dann sucht er sich Ersatzbefriedigungen, dann sucht er sich etwas anderes, das nicht so gut ist, das vielleicht sogar überflüssig oder im schlimmsten Fall schlecht ist, Hauptsache es vermittelt ihm für eine kurze Zeit ein Glücksgefühl. Und an diesem Punkt nähert sich Hüther der Antwort auf die Frage, warum wir nicht glücklich werden. Es gibt nämlich Menschen, die ein Interesse daran haben, dass wir Ersatzbefriedigungen haben und diese brauchen. Es sind genau jene Menschen, die Werbung machen für jene Dinge, die sie uns verkaufen wollen

7.

Wir wissen, was uns glücklich macht. Wir wissen es als Babys die auf die Welt kommen, wir wissen es noch als kleine Kinder und die moderne Wissenschaft beweist uns, dass wir recht haben: Wir wollen Freude empfinden und dadurch lernen und wir wollen dazugehören. Und dann? Was passiert dann? Dann verlernen wir das. Und das ist kein automatischer oder zufälliger Prozess. Wir verlernen das, weil wir schlechte Erfahrungen machen und weil wir umerzogen werden, teils unbewusst, teils bewusst.
Wir müssen Dinge tun, die uns keine Freude machen. Und wir werden nicht so akzeptiert, wie wir sind. Beides passiert uns überall. In der Familie, im Freundeskreis, in der Schule. Und gleichzeitig bekommen wir Druck gemacht und falsche Ideale vorgehalten. In der Werbung, im Kino, ja überall bekommen wir gezeigt, wie wir zu sein hätten. Und in der Familie und in der Schule bekommen wir beigebracht, dass es in erster Linie darum geht Fähigkeiten zu erlernen, um später damit Geld zu verdienen. Und das macht für uns Sinn, denn mittlerweile haben wir gelernt, dass unser Streben nach Glück, the pursuit of happiness, so nicht funktioniert wie wir es uns wünschen und wenn wir also glücklich sein wollen, dann müssen wir uns Ersatzbefriedigungen leisten können und wenn wir dazu gehören wollen, dann müssen wir uns einfinden in dieses System, das uns eigentlich und leider unglücklich und krank macht.

8.

Hier stellt sich mir eine simple Frage: Warum? Warum um alles in der Welt passiert das? Warum können wir nicht einfach glücklich werden? Warum lernen wir, dass das was uns glücklich macht nicht erreichbar ist, warum lernen wir nicht wie wir es erreichen? Warum lernen wir, dass wir andere Dinge anstreben müssen, obwohl sie uns nicht glücklich machen und obwohl wir all das bereuen, wenn wir sterben? Wer tut uns das an? Oder anders gefragt: Wer profitiert von unserem Unglück?
Die einfache Antwort ist: Jene die davon profitieren, dass wir Arbeit, Zeit und Geld investieren in all die Ersatzbefriedigungen, die uns einen kleinen Glückskick geben und von denen wir abhängig werden. Und es profitieren jene, die von dem System profitieren, das all dies möglich macht, ja forciert.
Ich möchte keine Verschwörungstheorien aufstellen, aber kann es sein, dass verantwortlich für diese systematische Unglücklichmacherei die Chefs der großen Firmen sind und die politische Elite, die im Zweifelsfall nur die Wünsche jener Wirtschaftsbosse ermöglicht?
Das ist ein anderes Kapitel. Fakt aber ist, dass es uns schwer gemacht wird glücklich zu werden. Aber dass es gleichzeitig auch in unserer Hand liegt, das zu ändern.

 

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GOTT UND DIE GOUCHOS

Gouchos
Manchmal wünsche ich mir, dass es wirklich einen Gott gibt und dass man nach dem Tod wirklich vor ihm steht und er Gericht hält und einem die Sünden vorhält und dann wünsche ich mir, dass ich dabei bin wenn diese miesepetrigen kleinlichen Wutbürgerchen von Journalisten mit ihren spaßbefreit-verklemmten Hanswürstchen von Korrektsprechgutmenschen vor Gott stehen und der dann, nur so aus Spaß, genauso kleinlich und verbohrt ist wie diese es ihr Leben lang waren und dann wird Gott da stehen und jeden verfluchten Mäusefurz von einer lässlichen Sünde aufzählen und Mühe haben sich das Lachen zu verkneifen und ich werde mich prustend lachend auf dem Boden wälzen, wärend die Angeklagten sich vor Angst in die Hosen pissen und sich fragen warum Gott sich selbst nicht mal einen guten Mann sein lassen kann und es wird pro kleinem Sünder ein ganzes Jahrhundert dauern jeden Fliegenschiss aufzuzählen und dann wird Gott sagen, dass da ja ne ganze Menge zusammen kam und er wird nachdenken und dann grinsen und dann sagen, man solle mal nicht glauben dass Der Liebe Gott keinen Humor habe und dass alles ok sei, die einstmals so wütend-korrekten Deutschen dürften gerne mitkommen in den Himmel, da sei jeder willkommen, das sei so ein bisschen wie Fußball, nur gebe es beim Eintritt in den Himmel eine einzige, eine klitzekleine Bedingung, denn man müsse ihm, dem Lieben Gott, das hier jetzt nachmachen, mehr nicht, dann sei alles super, und dann beugt Gott ein wenig den Rücken, die Hände in Richtung Boden bzw Wolken und dann wird er beim Eintritt in den Himmel ein lustiges Liedchen singen und ich glaub ich weiß welches.

 

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